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Preisführerschaft

vor allem auf (teil-)oligopolistischen Märkten beobachtbare Form der Marktpreisbildung, bei der die verschiedenen Anbieter ihre Preise an dem des Preisführers orientieren, also auf eine aktive Preispolitik verzichten (Preisstrategie). Je nach Stärke des akquisitorischen Potentials kann der jeweilige Leitpreis des Preisführers auch in bestimmtem Umfang unter- oder überschritten werden. Besitzen alle Anbieter etwa gleich grosse Marktanteile, wechselt der Preisführer häufig (barometrische Preisführerschaft), während vor allem in Teiloligopolen der marktmächtigste Anbieter oft permanent die Rolle des Preisführers übernimmt (dominante Preisführerschaft). Nach aussen wirkt eine solche Preispolitik wie abgestimmtes oder gar kartellmässiges Verhalten, obwohl es in Wirklichkeit auf ökonomischen Sachzwängen beruht (Oligopol).                                                       

Man unterscheidet folgende Formen der Preisführerschaft:

- Dominante Preisführerschaft liegt dann vor, wenn ein Anbieter aufgrund seiner Marktstellung die Möglichkeit hat, Mitbewerber hin sichtlich ihrer Angebotspreise da hingehend zu beeinflussen, daß sie sich seinem Preis anschließen.

- Barometrische Preisführerschaft liegt vor, wenn mehrere, in etwa gleich bedeutsame Anbieter am Markt gemeinsam den Preis gegen über unbedeutenderen Mitbewerbern vorgeben.

- Kolludierende Preisführerschaft liegt vor, wenn es eine stillschweigende Abstimmung mehrerer Anbieter am Markt derart gibt, daß wechselseitig einer von ihnen die Preisführerschaft wahrnimmt und daß er davon ausgehen kann, daß die anderen ihm dabei folgen.

Die Durchsetzung einer Preisführerschaft ist von der Konkurrenzintensität abhängig und bei funktionsfähigem Wettbewerb kaum möglich. Andernfalls sind zugleich die Grundwerte der Freiheit, des Wohlstands und der Gerechtigkeit in Gefahr, die der Wettbewerb besser schützt als jeder andere Steuerungsmechanismus, wie empirisch validiert ist (Ostblock-Zusammenbruch).

Die Preisführerschaft beschreibt eine absatzpolitische Verhaltensweise von Unternehmungen, die zwar miteinander in Konkurrenz stehen, aber in ihrer Preispolitik einander folgen. Die Preisführerschaft ist typisch für das Oligopol. Es wird in dominierende und barometrische Preisführerschaft unterschieden. Bei der dominierenden Preisführerschaft fungiert der Oligopolist als Preisführer, der marktanteilsmäßig die stärkste Stellung hat. Erhöht oder senkt dieser seinen Absatzpreis, so folgen die anderen Oligopolisten seinen preispolitischen Maßnahmen. Eine barometrische Preisführerschaft ist dann zu beobachten, wenn der Oligopol-markt aus mehreren gleich großen Unternehmungen besteht. Wenn ein Oligopolist seinen Preis verändert, so schließen sich die anderen Unternehmungen dieser Preisänderung an. Aus einem Preiskampf entwickelt sich in der Praxis oft eine Kooperation, die nicht selten in ein verbotenes Preiskartell mündet.

Die Preisführerschaft kann als eine Form kollektiver Preispolitik angesehen werden; das kollektive Moment der Preispolitik besteht dabei in koordinierten Verhaltensweisen der Anbieter. Die Orientierung an einem Preisführer ist für oligopolistische Märkte (Marktjormen) typisch. Die preisfolgenden Unternehmen verzichten dabei auf eine autonome Preissetzung und vermeiden Preiskonkurrenz.

Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Arten der Preisführerschaft:

- die dominierende Preisführerschaft und

- die barometrische Preisführerschaft.

Bei dominierender Preisführerschaft liegt eine Preisanpassung der Anbieter konkurrierender Produkte an die Preise des von der Marktbedeutung her wichtigsten Unternehmens vor.

Bei barometrischer Preisführerschaft wächst ein Unternehmen auf Grund traditioneller Faktoren in die Rolle des Koordinators. Dieses Unternehmen beobachtet die Entwicklung der Nachfrage und Kosten und reagiert auf Änderungen der grundlegenden Marktsituationen mit für alle Wettbewerber »gültigen« Preisänderungen.

Somit existiert im Gegensatz zur dominierenden Preisführerschaft in der Situation der barometrischen Preisführerschaft kein überlegener Anbieter, sondern nur eine kleine Gruppe ähnlich starker Wettbewerber. Jenem Unternehmen, welches als Koordinator von allen anderen anerkannt wird, fällt die Aufgabe zu, einen für alle akzeptablen Preis vorzugeben, ohne selbst einen eigentlichen Vorteil aus seiner Führerrolle zu ziehen. Die Übernahme dieser Rolle ist nicht an besondere materielle Voraussetzungen gebunden, so dass - wie sich in der Praxis häufig zeigt - jeder der Mitwettbewerber einmal als temporärer barometrischer Preisführer auftritt (z.B. in der Mineralöl- oder Automobilbranche). Dieses Phänomen ist u.a. Ausdruck der Sorge, mit dem geltenden Kartellrecht (GWB) in Konflikt zu geraten (vgl. Nieschlag/Dichtl/ Hörschgen, 1997, S. 412f.).

Priceleadership. Eine Bank tritt als Preisführer (auch: Marktführer) (in Preisführerschaft) auf, wenn sie durch einen besonders hohen Marktanteil bei bestimmten Bankleistungsarten oder Kundengruppen oder auf Grund sonstiger ihr zukommender bzw. zugeschriebener Umstände die Preise - bzw. Zeitpunkt und Ausmass von Preisveränderungen - für die betr. Bankleistungen festlegen kann, ohne dass sie Preiskämpfe durch die anderen Anbieter zu befürchten hat; diese nehmen vielmehr die Preise der preisführenden Bank als gegeben (Datum) hin. Preisführerschaft ist u. a. für oligopolistische Märkte wie den Bankenmarkt typisch.



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