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ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning‑Systeme)


1. Charakterisierung und Ursprung Bei ERP-Systeme handelt es sich um   Anwendungssysteme, welche Lösungen zur Abwicklung und Führung betriebswirtschaftlicher Aufgaben enthalten. ERP-Systeme sind als  Standardsoftware reali­siert und bestehen aus unterschiedlichen   Modulen, welche die Funktionalbereiche eines Unterneh­mens abdecken. Da die Module i.d.R. untereinander durch eine einheitliche Datenbank integriert sind (Datenintegration), spricht man oftmals von Komplettlösungen. Diese ermöglichen die durchgängi­ge, funktionsübergreifende Bearbeitung von Geschäftsprozessen. ERP-Systeme sind seit den 1980er Jahren am Markt verfügbar. Der Schwerpunkt lag zunächst bei der Ausführung operativer Aufgaben (Abrechnung, Verwaltung, Disposition) in Form von Transaktionen. Erst später erfolgte eine Ausdehnung auf die im Namen angedeuteten Führungsfunktionen (Planung, Kontrolle). Viele ERP-Systeme entstanden als Erweiterung von Softwarelösungen zur Produktionsplanung und -steuerung (MRP II). Eine andere Gruppe von Systemen ging aus der ebenfalls früh durch Rechner unterstützten Finanzbuchhaltung hervor (Finanzbuchhaltungssystem). Somit zählen sowohl branchenbezogene als auch branchenunabhängige Module zu den ERP-Systemen. Während sich der branchenbezogene Anteil bislang vorwiegend auf die Industrie bezog, wird zuneh­mend auch   Branchensoftware für andere Wirtschaftszweige zu den ERP-Systemen gezählt.
2. Anpassbarkeit Obwohl ERP-Systeme als Standardsoftware realisiert sind, lassen sie sich für verschiedene Einsatz­zwecke anpassen. Dadurch ist eine Verwendung für unterschiedliche Unternehmensgrössen, Branchen und Geschäftsprozesse möglich. Für die Anpassung der Software gibt es drei Möglichkeiten:
(1) Beim          Customizing wird der Programmablauf über das Einstellen von Parametern in Tabellen gesteuert (z. B. Zahlungsbedingungen oder Mehrwertsteuer-Sätze). Diese Möglichkeit ist vom Hersteller im System vorgesehen und die Än­derungen gehen auch bei einem neuen Release (Releasewechsel) nicht verloren. Die meisten Anpas­sungen werden auf diesem Wege vorgenommen.
(2) Bei einer Programmmodifikation wird der Pro­grammcode der Software verändert. Dadurch ist es möglich, die Software für nicht vom Hersteller vor­gesehene Spezialfälle zu verändern. Allerdings werden bei einem Releasewechsel die Änderungen des Programmcodes nicht übernommen.
(3) Durch Programmergänzungen wird der Lösungsumfang der Software erweitert, ohne in den vorhandenen Programmcode einzuwirken. ERP-Systeme beinhalten hierfür eine  Entwicklungsumgebung. Voraussetzung für die Integration mit anderen Systemen ist, dass der Hersteller die Schnittstellen des ERP-Systems offen legt.
3. Module Die von ERP-Systemen abgedeckten Lösungen orientieren sich an den Funktionalbereichen von Unter­nehmen:
(1) Im Vertrieb unterstützt die Software den gesamten Kundenkontakt, der über die Bearbei­tung von Anfragen, Angeboten und Bestellungen bis zur Lieferung und Fakturierung reicht.
(2) Der Bereich Produktionsplanung und -steuerung MRP II) kommt speziell in Industrieunternehmen zum Einsatz. Die Verfahren sorgen für die Bearbeitung von Fertigungsaufträgen unter Abgleich von Men­gen, Terminen und Kapazitäten. Auch die Materialwirtschaft (Lagerhaltung und Materialbedarfsplanung) zählt zur Produktionsplanung und -steuerung.
(3) Die Beschaffung beinhaltet Funktionen, um Bestellungen auszulösen, zu erstellen und gegebenenfalls zu mahnen.
(4) Kern des Finanz- und Rech­nungswesens (Finanzbuchhaltungssystem) ist die Verwaltung aller Konten eines Unternehmens durch die Finanzbuchhaltung. Weitere Bestandteile sind die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung, die Kosten- und Leistungsrechnung (Controlling) sowie das Finanzmanagement.
(5) Mit der Finanzbuch­haltung eng verbunden ist das Personalwesen. Es umfasst die Lohn- und Gehaltsabrechnung, die Zeit­erfassung sowie Funktionen zur Verwaltung der Personaldaten. Zudem enthalten ERP-Systeme Module für Basisfunktionen. Dort können Einstellungen bezüglich des Betriebssystems, der Datenbanken (Datenbanksysteme), der Bildschirmmasken, der Formulare sowie die Programmierung vorgenommen werden. In jüngster Zeit wurden die ERP-Systeme um neue Module erweitert, welche die unternehmensüber­greifende Abwicklung von Geschäftsprozessen betreffen. Dazu zählen  Customer Relationship Man­agement, Electronic Commerce,  Electronic Procurement,   Supply Chain Management sowie das Produktdatenmanagement (Business Networking). Auch Module für die Versorgung des Man­agements mit aus den operativen Systemen generierten Führungsinformationen (Management-Informationssysteme) können nach einer weiteren Auslegung als Bestandteil von ERP-Systemen gese­hen werden.
4. Einführung von ERP-Systemen Die Einführung eines ERP-Systems stellt ein Projekt dar, das typischerweise in folgenden Phasen ab­läuft:
(1) In der Phase Analyse untersucht das Projektteam Ziele, Wirtschaftlichkeit, Geschäftsprozesse (siehe auch Prozessmanagement) und erstellt die Projektplanung (Projektmanagement).
(2) In der Phase Auswahl findet eine Evaluation der am Markt verfügbaren Systeme und die Entscheidung für einen Hersteller statt.
(3) Häufig parallel zur Auswahl erfolgt die Phase Konzeption, in der Funktionen, Bildschirmoberflächen, Formulare, Schnittstellen, Hardware, zusätzliche Software sowie die zukünfti­ge Organisation geplant und entworfen werden.
(4) Aufgaben der Phase Realisierung sind die Anpas­sung und das Testen der Software.
(5) Zur Phase Inbetriebnahme zählen die Umsetzung der organisato­rischen Änderungen, die Durchführung von Schulungen sowie die   Datenmigration. Für den Wechsel vom bisherigen zum neuen ERP-System gibt es verschiedene Strategien. Diese unter­scheiden sich darin, ob eine Übergangszeit vorgesehen ist (Parallelbetrieb oder Big Bang) und ob die Einführung vollständig oder für Teilbereiche (Big Bang oder sukzessive ERP-Einführung) er­folgt. Für die Einführung von ERP-Systemen stehen zwischenzeitlich zahlreiche Methoden und Software­tools zur Verfügung. Diese Hilfsmittel beinhalten Vorgehensmodelle, Checklisten, Vorlagen („Templa­tes”) und Referenzlösungen („Best Practices”). Sie zielen einerseits auf den Abgleich der in der Stan­dardsoftware abgebildeten Geschäftsprozesses mit denen des Unternehmens sowie andererseits auf das   Projektmanagement ab. Ein bekanntes Beispiel eines Einführungswerkzeuges ist der  SAP Soluti­on Manager.
5. Einsatzschwerpunkte und Markt Der Einsatzschwerpunkt von ERP-Systemen lag bislang bei grösseren und mittelgrossen Unternehmen. Marktführer in diesem Segment ist SAP mit der Lösung   mySAP ERP, gefolgt von   Oracle und   SSA Global. Am meisten genutzt wird das branchenunabhängig einsetzbare Modul für Finanz- und Rechnungswesen. Die Bereiche Vertrieb, Produktionsplanung und -steuerung sowie Beschaffung sind hauptsächlich für Industrieunternehmen relevant und haben folglich eine geringere Verbreitung. Der Markt für kleinere Unternehmen ist sehr heterogen und vom jeweiligen Land geprägt. Neben einer Vielzahl weniger bekannter Unternehmen gewinnt Microsoft aufgrund vermehrter Unternehmenszu­käufe an Bedeutung.
6. Beurteilung Die Anschaffungskosten von ERP-Systemen sind aufgrund der Kostenverteilung auf mehrere Anwen­der geringer als bei einer individueller Entwicklung. Die meisten Systeme verfügen zwischenzeitlich über eine umfangreiche Funktionalität und werden von den Herstellern gewartet, weiterentwickelt und an die aktuellen Technologien angepasst. Als nachteilig kann sich die Abhängigkeit von einem Hersteller erweisen. Für gewünschte Verbesse­rungen sind die Einwirkungsmöglichkeiten auf den Anbieter nur beschränkt. Auch decken ERP-Systeme aufgrund ihres Charakters als Standardsoftware unternehmensspezifische Besonderheiten nicht immer ab. ERP-Systeme eignen sich besonders für Abläufe, die in den meisten Unternehmen standardisiert sind und nur eine begrenzte Wettbewerbsdifferenzierung ermöglichen. Für die Kern-Geschäftsprozesse ei­nes Unternehmens hingegen ist der Einsatz nicht immer möglich und vorteilhaft. Hinweis Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe   Business Intelligence,   Business Networking,   Controlling-Informationssysteme,   Data Warehouse,   Datenbanksysteme,  Electronic Govern­ment,   Management-Informationssysteme (MIS),   Wirtschaftsinformatik, Grundlagen,   Wis­sensmanagement,   Workflow-Management.

Literatur: Barbitsch, C. E.: Einführung integrierter Standardsoftware — Handbuch für eine leistungsfä­hige Unternehmensorganisation, München und Wien 1996; Gadatsch, A.: Management von Geschäfts­prozessen — Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis, 2. Auflage, Braunschweig und Wiesbaden 2002; Gronau, N.: Industrielle Standardsoftware — Auswahl und Einführung, München und Wien 2001; Mertens, P.: Integrierte Informationsverarbeitung 1 — Operative Systeme in der Industrie, 14. Auflage, Wiesbaden 2004; Stahlknecht, P., Hasenkamp, U.: Einführung in die Wirtschaftsinformatik, 11. Aufla­ge, Berlin 2005. Internetadressen: (Anbieter von ERP-Systemen) http://www.sap.com, http://www.oracle.com, http://www.ssaglobal.com; (Wissensplattform) http://www.erp-competence-center.de; (Marktüber­sichten) http://www.nomina.de, http://www.softguide.de, http://www.softselect.de, http://www. silicon.de, http:/www.topsoft.ch; (Nachrichten, Hintergrund) http://www.computerwoche.de.

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