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Wohlfahrtsökonomik

Teilbereich der Wirtschaftswissenschaft, der die Aufgabe hat, Kriterien zur Beurteilung wirtschaftspolitischer Massnahmen und wirtschaftlicher Einrichtungen zu entwicklen. Die Wohlfahrtsökonomik dient einmal dazu zu klären, welches Ordnungssystem (z. B. die Marktwirtschaft oder ein staatliches bürokratisches System) eine grössere Wohlfahrt garantiert, zum andern jedoch auch dazu zu überprüfen, ob konkrete wirtschaftspolitische Massnahmen, die im Rahmen eines bestehenden wirtschaftlichen Ordnungssystems in Aussicht genommen werden, wohlfahrtssteigernd wirken und in dieser Hinsicht alternativen Massnahmen vorzuziehen sind. Es lässt sich zwischen einem normativen und einem positiven Teil der Wohlfahrtsökonomik unterscheiden. Normativ gilt es festzulegen, was unter wirtschaftlicher Wohlfahrt verstanden werden kann und mit welchem Massstab eine Steigerung oder Minderung der Wohlfahrt gemessen werden soll. Ob Änderungen, die durch wirtschaftspolitische Massnahmen herbeigeführt wurden, als wohlfahrtssteigernd angesehen werden, kann nicht objektiv beurteilt werden; dies hängt vielmehr vom Standpunkt des Betrachtenden ab und stellt somit eindeutig eine Bewertung dar. Positiv soll im Rahmen der Wohlfahrtsökonomik geklärt werden, ob von einer konkreten wirtschaftspolitischen Massnahme Wirkungen ausgehen, die die Wohlfahrt einer Bevölkerung positiv oder negativ verändern. Ob Wirkungen eintreten oder nicht und welcher Art sie sind, kann objektiv, unabhängig von der Wertposition eines Betrachtenden, überprüft werden, ist also Teil einer positiven (beschreibenden und erklärenden) Theorie. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, inwieweit überhaupt normative Fragen im Rahmen einer Wissenschaft eindeutig geklärt werden können. Max Weber hatte im Zusammenhang mit dem Werturteilsstreit festgestellt, dass die letztlichen Wertprämissen von der Wissenschaft weder widerlegt noch bewiesen werden können. Wissenschaftlich einwandfrei kann somit das Ziel der Wohlfahrtsökonomik nur dadurch angesteuert werden, dass man entweder mit der traditionellen Wohlfahrtstheorie von Wertprämissen ausgeht, die vom grössten Teil der Bevölkerung akzeptiert werden und die somit für den Wissenschaftler ein empirisch zu untersuchendes Datum darstellen, oder dass man mit Gerhard Weiser die grundlegenden Wertprämissen bekenntnishaft einführt. Die konkreten normativen Schlussfolgerungen der Wohlfahrtsökonomik ergeben sich dann in beiden Fällen aus den unterstellten Wertprämissen zusammen mit weiteren empirisch zu überprüfenden Annahmen. Die materielle Wohlfahrt wird aus zweierlei Gründen zum Problem: Zum einen wird die wirtschaftliche Wohlfahrt immer durch mehrere, heterogene Güter bestimmt; die wirtschaftspolitischen Massnahmen zeichnen sich i. d. R. dadurch aus, dass ein Teil der Güter vermehrt, ein anderer Teil vermindert angeboten werden kann. Hier entsteht die Notwendigkeit, den Wert der einzelnen Güter miteinander zu vergleichen, um festzustellen, ob per saldo eine Wohlfahrtssteigerung eingetreten ist. Es bedarf also eines alle Güter übergreifenden Wertmassstabes. Nun sind wir gewohnt, die Güter in Marktpreisen zu bewerten; mit Hilfe der Preise lässt sich der Wert der einzelnen Güter miteinander vergleichen. Preise sind jedoch nicht naturgegeben; eine Änderung der Preise könnte die Reihenfolge der Bewertungen alternativer Güterbündel ändern; eine der Aufgaben der Wohlfahrtstheorie besteht gerade darin, durch Einführung eines den Marktpreisen übergeordneten Wohlfahrtsmassstabes die Frage zu klären, ob sich die auf einem freien Markt gebildeten Preise als Wertmassstab eignen. Ein zweites Grundproblem der Wohlfahrtsökonomik hängt damit zusammen, dass eine Bevölkerung stets aus einer Vielzahl von Individuen besteht und dass wirtschaftspolitische Massnahmen in der Regel nicht alle Individuen begünstigen, sondern einen Teil der Bevölkerung auch benachteiligen. Auch hier entsteht die Notwendigkeit, die Begünstigungen und Benachteiligungen, die von einer wirtschaftspolitischen Massnahme ausgehen, gegeneinander aufzurechnen, um entscheiden zu können, ob die in Frage stehende Massnahme per saldo wohlfahrtsteigernd wirkt oder nicht.         Literatur: Boulding, K., Einführung in die Wohlfahrtsökonomik, in: Gäfgen, G. (Hrsg.), Grundlagen der Wirtschaftspolitik, 4. Aufl., Köln 1972. Külp, B., Wohlfahrtsökonomik I, Grundlagen, in: Hc1WW Bd. 9, Stuttgart u. a. 1982. Külp, B., Wohlfahrtsökonomik I, Die Wohlfahrtskriterien, 2. Aufl., Tübingen, Düsseldorf 1984.

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