Empfehlungen
A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z  
  Home Top 10 Fachbereiche News Hilfe & FAQ
 

Krankheitskostenstudien

stellen den Versuch dar, die direkten und indirekten Kosten von Krankheiten (bzw. von einzelnen Krankheitsarten) zu ermitteln. Die direkten Kosten umfassen den bewerteten Verbrauch an Ressourcen (Produktionsverfahren) für die Gesundheitsversorgung, der zumeist durch die Gesundheitsausgaben für präventive, kurative, rehabilitative und pflegerische Leistungen approximiert wird. Unter den indirekten Kosten ist der bewertete Verlust an Ressourcen infolge von Morbidität (Arbeitsunfähigkeit, Invalidität) und von - gemessen an der durchschnittlichen Lebenserwartung - vorzeitigem Tod zu verstehen. Die Bewertung des Ressourcenverlustes kann grundsätzlich nach zwei Ansätzen, der Humankapital- und der Zahlungsbereit- schaftsmethode, erfolgen. Bei der Humankapitalmethode wird der Verlust am Produktionsfaktor Arbeit zu dem ihm innewohnenden Wertschöpfungspotential, wie es sich im Markteinkommen dokumentiert, bewertet. Demgegenüber fragt man bei der Zahlungsbereitschaftsmethode danach, wieviel die Individuen zur Abwendung des Krankheits- oder Todesrisikos zu zahlen bereit sind. Grundsätzlich ist der Zahlungsbereit- schaftsansatz vorzuziehen, da hier der Wert der menschlichen Arbeitskraft und des menschlichen Lebens mit einer die rein ökonomische Sichtweise überschreitenden Methode ermittelt werden kann und z.B. auch die psychosozialen Folgen von Krankheit und vorzeitigem Tod Berücksichtigung finden. Allerdings stellt die Humankapitalmethode den traditionellen Ansatz in Krankheitskostenstudien dar, da die empirische Umsetzung der Zahlungsbe- reitschaftsmethode grosse Schwierigkeiten mit sich bringt. Die Zuordnung der direkten und indirekten Kosten erfolgt zumeist auf die in der International Classification of Diseases (ICD) verschlüsselten Krankheitsarten. Mit Krankheitskostenstudien wird zum einen das Ziel verfolgt, die Belastung einer Volkswirtschaft durch das Phänomen Krankheit und vorzeitigen Tod zu ermitteln. Darüber hinaus stellen die "Kosten von Krankheiten" einen Referenzmassstab dar für die unerlässliche Prioritätensetzung im Gesundheitswesen, etwa bei der Vergabe von Mitteln für die Erforschung von Krankheiten oder für die Stärkung und Veränderung von Präventionsaktivitäten. Allerdings können Krankheitskostenstudien nur eine (ökonomische) Richtschnur beinhalten. Sie sind daher eher als eine Herausforderung an konkurrierende Erklärungsansätze, etwa aus der Theologie, Medizin oder Sozialethik zu werten, ohne dass einem Alleinvertretungsanspruch seitens der Wirtschaftswissenschaften das Wort geredet werden soll. Auf der methodischen Grundlage US-ame- rikanischer Studien (D. R Rice,) wurden erstmals die Kosten von Krankheiten in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1980 (K.- D. Henke) ermittelt. Die Ergebnisse, denen aufgrund der z.T. unzureichenden Datenlage ein vorläufiger Charakter zugestanden werden muss, zeigen, dass die direkten Kosten insb. von den Krankheiten der Verdauungsorgane (darunter: Zahnbehandlung) und den Krankheiten des Kreislaufsystems verursacht werden. Indirekte Kosten entstehen vornehmlich im Zusammenhang mit den Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes sowie den Krankheiten der Atmungsorgane, während im Rahmen der Mortalität die Unfälle, Vergiftungen und Gewalteinwirkungen sowie die Krankheiten des Kreislaufsystems im Vordergrund stehen.               Literatur: Henke, K.-D., Die direkten und indirekten Kosten von Krankheiten in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1980, in: Henke, K.-D./ Metze, I. (Hrsg.), Finanzierung im Gesundheitswesen, Bd. 10 der Beiträge zur Gesundheitsökonomie der Robert Bosch Stiftung, Gerlingen 1986, S. 209 ff.

Vorhergehender Fachbegriff: Krankheitskosten | Nächster Fachbegriff: Krankheitskostenversicherung



  Diesen Artikel der Redaktion als fehlerhaft melden & zur Bearbeitung vormerken




   
 
 

   Weitere Begriffe : Internationale Devisenhändlervereinigung | Interkulturelle Kompetenz | Abstimmungskollegialität

   Praxisnahe Definitionen

Nutzen Sie die jeweilige Begriffserklärung bei Ihrer täglichen Arbeit. Jede Definition ist wesentlich umfangreicher angelegt als in einem gewöhnlichen Glossar.

  Marketing

  Definition

  Konditionenpolitik

   Fachbegriffe der Volkswirtschaft

Die Volkswirtschaftslehre stellt einen Grossteil der Fachtermini vor, die Sie in diesem Lexikon finden werden. Viele Begriffe aus der Finanzwelt stehen im Schnittbereich von Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre.

  Investitionsrechnungen

  Marktversagen

  Umsatzsteuer

   Beliebte Artikel

Bestimmte Erklärungen und Begriffsdefinitionen erfreuen sich bei unseren Lesern ganz besonderer Beliebtheit. Diese werden mehrmals pro Jahr aktualisiert.

  Cash Flow

  Bausparen

  Fremdwährungskonto


     © 2015 Wirtschaftslexikon24.com       All rights reserved.      Home  |  Datenschutzbestimmungen  |  Impressum  |  Rechtliche Hinweise
Aktuelles Wirtschaftslexikon