Empfehlungen
A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z  
  Home Top 10 Fachbereiche News Hilfe & FAQ
 

Investitionslenkung

als Bestandteil der Industriestrukturpolitik eine überbetriebliche Einflussnahme auf die unternehmerischen Investitionsentscheidungen mit dem Ziel, Umfang und Struktur der Kapazitätsentwicklung und des Produktionspotentials im Sinne einer vorausschauenden Gestaltung in eine bestimmte Richtung zu lenken ( Strukturplanung). Zu unterscheiden ist zwischen direkter Investitionslenkung (Auflagen, Ge- und Verbote), die dem Unternehmer keinen Freiheitsgrad lässt, und indirekter Investitionslenkung, die eine parametrische Beeinflussung des unternehmerischen Handlungsspielraums über Datensetzung, finanzielle Be- und Entlastungen oder staatliche Infrastrukturinvestitionen anstrebt. Die indirekte Investitionslenkung grenzt sich von der Globalpolitik dadurch ab, dass diese das Niveau, nicht die Struktur der Investitionen zu beeinflussen versucht. Eine verwandte Unterteilung ist die nach imperativer Investitionslenkung mit verbindlichen Vorgaben und indikativer Investitionslenkung, die sich auf eine Rahmenplanung beschränkt und die Investitionen in letzter Verantwortung den Unternehmern überlässt. Unter institutionellen Gesichtspunkten ist zu unterscheiden nach staatlicher Investitionslenkung und Investitionslenkung durch besondere Organe der Wirtschaftsselbstverwaltung ( Branchenausschüsse, Strukturräte). Die Kontroverse um die Investitionslenkung wurde Anfang der 70er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Orientierungsrahmen \'85 der SPD und durch die mehr pragmatischen Überlegungen der Gewerkschaften anlässlich konkret auftretender Branchenkrisen forciert. Die ideologische Ausrichtung der Protagonisten ist zum einen eine radikale Kapitalismuskritik mit einer Instrumentalisierung der Investitionslenkung im Dienst einer systemverändernden Gesellschaftspolitik. Gemässigte Pragmatiker wollen die Investitionslenkung dagegen zur Vermeidung wirtschaftlicher Fehlentwicklungen in der Gesamtwirtschaft oder in einzelnen Sektoren einsetzen; unter grundsätzlicher Aufrechterhaltung der Lenkungsfunktion der Märkte wird eine Ergänzung der Konjunktursteuerung um eine mittelfristig strukturorientierte "neue" Wirtschaftspolitik angestrebt. In der Bundesrepublik Deutschland existieren Investitionslenkungen vielfältiger Art, z.B. Arbeits- und Umweltbestimmungen, Finanzhilfen zur Investitionsförderung, administrative Genehmigungsvorbehalte sowie Anreize zu Desinvestitionen. Diese Massnahmen unterscheiden sich von der selektiven Investitionslenkung darin, dass sie einen nur teilweisen oder zeitlich befristeten Interventionsansatz darstellen. Die ordnungspolitische Begründung der Investitionslenkung basiert auf der These der prinzipiellen Untauglichkeit der Marktwirtschaft zur langfristigen Investitionssteuerung. Dem steht jedoch entgegen, dass die Sanktionsmechanismen des Marktes konsequenter greifen als die der behördlichen Allokation. Die strukturelle Flexibilität der Wirtschaft beruht auf dem der Marktwirtschaft immanenten Zwang zur raschen Korrektur von Fehlinvestitionen. Der Planungsprozess würde demgegenüber bei einer Investitionslenkung schwerfälliger. Technische Fortschritte würden erschwert, wenn etwa aus arbeitsmarktpolitischen Gründen bestimmte Investitionen verboten werden. Es bestehen erhebliche Zweifel, ob Investitionsbehörden zutreffende Einsichten in die Bedürfnisstruktur haben und ob durch staatliche Prioritätenfestsetzung eine bessere Lebenslage erreicht wird. Praktikable Verfahren, durch Mehrheitsabstimmungen zu einer konsistenten gesamtwirtschaftlichen Be- darfsrangskala mit hinreichender Differenziertheit zu kommen, existieren nicht. Haftungsprobleme entstehen, wenn im Rahmen der Investitionslenkung Fehlinvestitionen getätigt werden; bei staatlicher Verlustübernahme lassen die Effizienzanstrengungen der Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nach.         Literatur: Besters, H., Neue Wirtschaftspolitik durch Angebotslenkung, 2. Aufl., Baden-Baden 1982.   Issing, O., Investitionslenkung in der Marktwirtschaft?, Göttingen 1975. Nienhaus, V., Kontroversen um Markt und Plan, Darmstadt 1984.

Vorhergehender Fachbegriff: Investitionskreditsonderprogramm | Nächster Fachbegriff: Investitionslohn



  Diesen Artikel der Redaktion als fehlerhaft melden & zur Bearbeitung vormerken




   
 
 

   Weitere Begriffe : neoklassisches Wachstumsmodell | Konjunktive Entscheidungsregel | Incentive

   Praxisnahe Definitionen

Nutzen Sie die jeweilige Begriffserklärung bei Ihrer täglichen Arbeit. Jede Definition ist wesentlich umfangreicher angelegt als in einem gewöhnlichen Glossar.

  Marketing

  Definition

  Konditionenpolitik

   Fachbegriffe der Volkswirtschaft

Die Volkswirtschaftslehre stellt einen Grossteil der Fachtermini vor, die Sie in diesem Lexikon finden werden. Viele Begriffe aus der Finanzwelt stehen im Schnittbereich von Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre.

  Investitionsrechnungen

  Marktversagen

  Umsatzsteuer

   Beliebte Artikel

Bestimmte Erklärungen und Begriffsdefinitionen erfreuen sich bei unseren Lesern ganz besonderer Beliebtheit. Diese werden mehrmals pro Jahr aktualisiert.

  Cash Flow

  Bausparen

  Fremdwährungskonto


     © 2015 Wirtschaftslexikon24.com       All rights reserved.      Home  |  Datenschutzbestimmungen  |  Impressum  |  Rechtliche Hinweise
Aktuelles Wirtschaftslexikon