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internationale Währungsordnung

internationale-währungsordnungBezeichnung für die Gesamtheit aller vertraglichen internationalen Vereinbarungen, ungeschriebenen Regeln und akzeptierten Verhaltensweisen, die die währungspolitischen Beziehungen der Länder untereinander sowie deren Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich des Aussenwertes ihrer Währungen ( Wechselkurs) betreffen. Von einer internationalen Währungsordnung kann man dann sprechen, wenn viele (oder zumindest die wichtigsten) der am internationalen Handel beteiligten Länder bei der Gestaltung ihrer Beziehungen zu fremden Währungsgebieten und bei der Bestimmung des Wertes ihrer Währungen nach den gleichen, allgemein akzeptierten Grundsätzen und Regeln verfahren. Historisch gesehen hat es, seitdem von einer echten, voll integrierten Weltwirtschaft gesprochen werden kann - und dies ist seit etwa dem 19. Jh. der Fall -, zwei Ordnungssysteme im internationalen währungspolitischen Bereich gegeben, die die Bezeichnung "internationale Währungsordnung" verdienen. Das waren der Goldstandard vor dem Ersten Weltkrieg und das Bretton-Woods-System nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Zwischenkriegszeit wurde zwar von verschiedenen Ländern der Versuch unternommen, das Goldwährungssystem zu restaurieren, doch konnte spätestens seit den internationalen Währungskrisen zu Beginn der 30er Jahre und dem Übergang vieler wichtiger Länder zu einer umfassenden Devisenbewirtschaftung von einer internationalen Währungsordnung nicht mehr die Rede sein. Das Goldwährungssystem als Grundlage der internationalen Währungsordnung vor dem Ersten Weltkrieg war nicht das Produkt internationaler Vereinbarungen, sondern das Ergebnis der (autonomen) Anwendung gleichartiger Grundsätze für die Gestaltung der internen Geldordnung in den wichtigsten Welthandelsländern. Kennzeichen der internationalen Währungsordnung vor dem Ersten Weltkrieg waren Goldumlaufs währ ungen in (fast) allen Ländern sowie vollständige und uneingeschränkte Konvertibilität der Währungen. Dadurch, dass jede Währung in Gold definiert war, bestanden zwischen den Währungen feste Goldparitäten, um die die Wechselkurse nur innerhalb ganz enger Bandbreiten bis zu den sog. Goldpunkten schwanken konnten. Die Stabilität der Wechselkurse wurde kurzfristig infolge der vollständigen Konvertibilität und des ungehinderten Goldhandels durch die internationale Goldarbitrage gewährleistet. Ferner bestanden im internationalen Goldwährungssystem Mechanismen, die einen Zahlungsbilanzausgleich der einzelnen Länder bei festen, unveränderten Paritäten auch auf Dauer sichern halfen: der  Geldmengen-Preis-Mechanismus und der Geldmengen-Zins-Mechanismus. Da die Konvertibilität der Währungen und deren Goldparitäten bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs praktisch nicht in Zweifel gezogen wurden, war es vornehmlich der private, renditeorientierte internationale Kapitalverkehr, unterstützt durch eine zahlungsbilanzorientierte Zinspolitik der Notenbanken, der internationales Zahlungsbilanzgleichgewicht und damit die Funktionsfähigkeit des Goldwährungssystems als internationale Währungsordnung sicherte. Im Gegensatz zum Goldwährungssystem beruhte die internationale Währungsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg auf vertraglicher internationaler Vereinbarung, dem Abkommen von Bretton Woods. Auch das  Bretton- Woods-System war wie das Goldwährungssystem ein Festkurssystem ( Wechselkurssystem). Die Beweglichkeit des Wechselkurses um die Parität wurde im Grundsatz dadurch begrenzt, dass die einzelnen Notenbanken an den sog. Interventionspunkten unbeschränkt Devisen an- oder verkaufen mussten, um den Kurs der eigenen Währung zu stützen, [m Gegensatz zum Goldwährungssystem bestand im Bretton-Woods-System aber die Möglichkeit, bei fundamentalem Zahlungsbilanzungleichgewicht Paritätsänderungen vorzunehmen. Auch sah das Bretton-Woods-System im Prinzip keine Verpflichtung zur vollständigen Konvertibilität der Währungen vor. Der internationale Kapitalverkehr konnte beschränkt werden. Allerdings bestand seit Ende der 50er Jahre für die wichtigsten Währungen der Welt zumindest vollständige Ausländerkonvertibilität. An die Stelle des privaten internationalen Kapitalverkehrs zum Zahlungsbilanzausgleich traten im Bretton-Woods-System ein offizieller internationaler Kapitalverkehr in Form von Ziehungsmöglichkeiten ( Ziehungsrechte) auf den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Kreditgewährung der Weltbank und ihrer Töchter sowie im Rahmen der internationalen währungspolitischen Kooperation die Möglichkeit von Zahlungsbilanzhilfen in verschiedenster institutioneller Ausgestaltung. Im Laufe der Zeit wurden zum Zwecke des internationalen Zahlungsbilanzausgleichs von den Mitgliedern des IWF weitere Kreditfazilitäten geschaffen ( Sonderfazilitäten). Seit 1970 ist eine weitere unbedingte internationale Liquidität in Form der Sonderziehungsrechte verfügbar. Ähnlich wie das Goldwährungssystem durch die überragende Stellung einer Währung, des Pfund Sterlings, gekennzeichnet war, dominierte im Bretton-Woods-System ebenfalls eine Währung, der US-Dollar, der die Funktion der Leitwährung erfüllte und bis zum Zusammenbruch des Systems fast die einzige Reservewährung darstellte. Die Währungskrisen im Bretton-Woods- System, die sich seit Mitte der 60er Jahre häuften, führten spätestens 1973 zu einem endgültigen Zusammenbruch des ursprünglichen Systems, als die wichtigsten Welthandelsländer zu individuellem  floating oder zu einem Gruppenfloating übergingen. Seitdem kann man eigentlich nicht mehr von einer einheitlichen internationalen Währungsordnung sprechen. Zwar existieren die Institutionen des Bretton-Woods-Systems nach wie vor. Auch werden weiterhin die im Abkommen von Bretton Woods vorgesehenen und später beschlossenen offiziellen internationalen Zahlungsbilanzhilfen bei Bedarf an die Mitgliedsländer des IWF gewährt. Hinsichtlich der Gestaltung der Wechselkurse der Mitgliedsländer gibt es aber eine Anwendung einheitlicher Grundsätze nicht mehr. Im Prinzip existieren mehrere Währungsblöcke, von denen das Europäische Währungssystem einen wichtigen Pfeiler der verbliebenen internationalen Währungsordnung darstellt.    Literatur: Aschinger, F. E., Das Währungssystem des Westens, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1973. Jar- chow, H.-JJRühmantt, P., Monetäre Aussenwirtschaft, II. Internationale Währungspolitik, 2. Aufl., Göttingen 1989. Yeager, L.B., International Monetary Relations, 2. Aufl., New York u. a. 1976.

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