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Zielkostenrechnung

Die Zielkostenrechnung, auch target costing, kehrt die traditionelle Fragestellung "Wie hoch muß der Verkaufspreis eines Produktes sein, der dessen Kosten deckt?" um und fragt "Wie hoch dürfen die Kosten eines Produktes bei gegebenem Marktpreis sein?" Ihr Ausgangspunkt ist also der am Markt erzielbare Preis. Die Summe aus Stückkosten und Stückgewinn darf nicht höher sein als der für wahrscheinlich erachtete Marktpreis. Der um den Stückgewinn verminderte Marktpreis ergibt die Zielkosten. Eine Produktionsaufnahme kommt nur dann in Frage, wenn die zu erwartenden tatsächlichen Stückkosten die Zielkosten nicht überschreiten. Liegen die erwarteten Stückkosten über den Zielkosten, ist zu prüfen, ob Möglichkeiten zur Kosteneinsparung bestehen. Hierzu können unter anderem die Verfahren der Wertanalyse dienen. Auch kann die Zielkostenrechnung als spezielle Form der Wertanalyse aufgefaßt werden.

Ausgangspunkt ist der mögliche Marktpreis eines möglichen Produkts, wobei die Kostenplanung bereits in der Entwicklungs- und Konstruktionsphase beginnt. Dies folgt der Erkenntnis, daß die meisten Möglichkeiten zur Kostensenkung im Entwurfsstadium bestehen. Die Zielkostenrechnung wird üblicherweise in fünf Phasen gegliedert:

(1) Entwicklung einer Produktidee auf der Basis einer Markt- und Wettbewerbsanalyse;

(2) Planung des realisierbaren Marktpreises unter Einbeziehung des Käufer- und Wettbewerberverhaltens;

(3) Schätzung der Absatzmenge und des Umsatzes;

(4) Errechnung des maximal zulässigen Kostenvolumens nach Abzug des Zielgewinns vom geschätzten Umsatz;

(5) Ableitung von Plankosten für die Produktion und die übrigen Betriebsfunktionen aus den Zielkosten.

Beispiel:
Obwohl die Zielkostenrechnung von japanischen Unternehmungen konsequent angewandt wird, erfunden haben sie sie nicht. Längst sind die Ansätze zur marktorientierten Kostenrechnung in Deutschland bekannt, lange bevor es den Begriff Zielkostenrechnung oder target costing gab:

(1) In den 30er Jahren entwickelte man den Volkswagen unter der Vorgabe, daß sein Angebotspreis nicht über 990 Reichsmark liegen darf. Zur Einhaltung dieses Limits wurden bereits in der Entwicklungs- und Konstruktionsphase unterschiedliche technische Möglichkeiten gegeneinander abgewogen. Dies führte dazu, daß der Volkswagen nicht mit hydraulischen Bremsen, sondern mit Seilzugbremsen ausgestattet wurde, was eine Kostensenkung von 25 Reichsmark erbrachte.

(2) Das Textilunternehmen Seidensticker legte seine noch unfertige Hemden-Kollektion den Außendienstmitarbeitern zur Begutachtung vor. Diese schätzten den am Markt erzielbaren Hemdenpreis. Danach wurde festgestellt, mit welchen Kosten die Hemden herzustellen waren.

Problem:
(1) Die Zielkostenrechnung ist zunächst einmal eine Vollkostenrechnung. Zielkosten sind volle Stückkosten, die neben variablen auch fixe Kosten enthalten. Sie läßt sich, wenn gewünscht, auch als Teilkostenrechnung ausgestalten. Wegen der langfristigen Betrachtungsweise, die der Zielkostenrechnung eigen ist, nähern sich Voll- und Teilkostensätze einander an: In der langen Periode gibt es keine Fixkosten, auf lange Sicht sind alle Kosten dispositionsbestimmt.

(2) Gerade die Langfristigkeit der Zielkostenrechnung, die auch Änderungen des betrieblichen Produktionsapparates (Verkleinerung, Vergrößerung, Umstrukturierung) ins Auge faßt, wirft die Frage auf, ob die Vorgabe von Zielkosten mit kostenrechnerischen oder mit investitionsrechnerischen Mitteln zu finden ist. Weil die Investitionsrechnung im Gegensatz zur Kostenrechnung eine korrekte Erfassung von Zins und Zinseszins erlaubt, stellt es sich häufig als sinnvoll heraus, Zielkosten investitionsrechnerisch als dynamische Stückkosten zu bestimmen.

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