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Akzeleratoreffekt

Nach dem von Werner Hicks entwickelten mathematischen Oszillationsmodell der konjunkturellen Zyklen genügt ein einmaliger Anstoss von außen als auslösender Faktor. Hicks erklärt den Konjunkturprozess mit der wechselsei­tigen Abhängigkeit von Konsum- und Investiti­onsentwicklung. Danach löst ein Mehr an Ver­brauchsgüternachf rage nach einer gewissen Zeit zusätzliche Nachfrage bei den Investitionsgüter­industrien aus. Diesen Effekt bezeichnet Hicks als Akzeleratoreffekt.
Von den Investitionsgüterindustrien strahlt die Nachfragebelebung auf die anderen Wirtschafts­bereiche weiter aus. Dies nennt Hicks den Multi­plikatoreffekt. Bei Hicks sind die Schwankungen gedämpft durch den Einbau von Ober- und Un­tergrenzen; die Schwingungen erhalten sich aus sich selbst heraus. Es sind Schwankungen um ein dynamisches Gleichgewicht, das eine langfri­stig konstante Wachstumsrate des Bruttosozi­alprodukts voraussetzt.
Diese theoretischen Voraussetzungen indessen lassen sich durch die tatsächliche Entwicklung nicht belegen. In nahezu allen entwickelten Indu­strieländern sind die Wachstumsraten im Laufe der Zeit flacher geworden.
Das Akzelerations- oder Beschleunigungsprinzip wurde bereits um das Jahr 1900 von T. N. Carver erkannt und später von Albert Aftalion und John Maurice Clark näher beschrieben und formuliert. Während der Multiplikatoreffekt die Einkom­menswirkungen einer zusätzlichen Ausgabe ver­stärkt und vervielfacht, erzeugt der Akzelerator über den daraus vermehrten Konsum (Absatz) neue Investitionen.
Nach dem Multiplikatorprinzip fließt der von ei­nem zusätzlichen Einkommen nicht gesparte Be­trag über den Konsum wieder in die Wirtschaft zurück und regt so abermals Produktion und Beschäftigung an. Von diesem neugeschaffenen gespart, der Rest abermals ausgegeben. In der Theorie setzt sich dieser Prozess so lange fort, bis das zusätzliche Einkommen irgendwann freiwillig gespart, für Einfuhrgüter aus dem Ausland aus­gegeben oder an den Staat abgeführt wird. Nach dem Akzelerationsprinzip regen über zusätzliche Ausgaben erhöhte Einkommen durch die ver­stärkte Konsumgüternachfrage auch die Investiti­onsneigung der Unternehmen an. Es wird ange­nommen, dass sie ihren Realkapitalbestand sowie die Läger den Veränderungen des Konsums, al­so des Absatzes anzupassen wünschen.
Diese Verbindung von Multiplikator und Akzele­rator beschrieb von Paul S. Samuelson erstmals in den 1930er Jahren. Allerdings hängen die in der Theorie beschriebenen Multiplikator- und Ak­zeleratorwirkungen von einer Reihe von Voraus­setzungen ab, die in der Praxis häufig nicht gege­ben sind.
Während Johannsen z.B. annahm, dass beim Multiplikator Ursache und Wirkung gleichsam Hand in Hand gingen, erstreckt sich der Prozess in Wirklichkeit über viele Perioden. Damit wird es höchst unwahrscheinlich, dass die über die Zeit unterstellten unveränderten Beziehungen (z.B. für das Verhältnis zwischen zusätzlichem Ein­kommen und zusätzlicher Ersparnis) in Wirklich­keit auch stabil bleiben. Es ist daher so gut wie ausgeschlossen, den Multiplikator auch nur annähernd genau vorausberechnen zu können. Werden Multiplikator und Akzelerator aber unter­schätzt, besteht die Gefahr, dass die ursprüngli­chen Ausgaben zu hoch angesetzt werden und damit eine Überhitzung der Wirtschaft eingeleitet wird. Werden beide jedoch überschätzt, dann können die Konjunkturmaßnahmen zu schwach dosiert und damit für den erhofften Erfolg wir­kungslos werden. Schließlich ist auch der Anteil der zusätzlichen Ersparnis am zusätzlichen Ein­kommen, aus dem die Höhe des Multiplikators berechnet wird, von Haushalt zu Haushalt ver­schieden. Selbst in ein und demselben Haushalt bleibt die marginale Sparquote über die Zeit nicht immer unverändert. Die Erfahrung lehrt, dass bei flauer Konjunktur oder gar drohender Ar­beitslosigkeit mehr gespart wird als in Zeiten gu­ter Konjunktur. Ahnlich verhalten sich die Unter­nehmen: Während der Rezession zahlen sie meist Verbindlichkeiten zurück oder halten auch
uywue aebIanUe zuFuCK. Jeiest Der zusatzucnen Einnahmen (z.B. aus Konjunkturprogrammen) ist mit verstärkten Investitionen erst wieder bei all­gemein lebhafterer Nachfrage zu rechnen.
Für die Berechnung des Multiplikators sind dies höchst ungünstige Voraussetzungen. Auch das Akzeleratorprinzip läßt sich in der Wirklichkeit kaum überzeugend belegen. Bei Unterbeschäfti­gung kann die Produktion bekanntlich auch ohne Investitionen gesteigert werden. In einer voll­beschäftigten Wirtschaft sind aber nicht zuletzt neue Preissteigerungen zu befürchten.

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