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Demographische Entwicklung

Bevölkerungsentwicklung, wird durch drei Parameter bestimmt: Fertilität, Mortalität und Migration. Die Fertilität ist die wichtigste demographische Einflussgröße und wird üblicherweise durch die zusammengefasste Geburtenziffer gemessen.
Diese Ziffer beschreibt die Zahl der Lebendgeburten pro Frau. In der Nachkriegszeit erreichte diese »zusammengefasste Geburtenziffer« zu Beginn der 1960er Jahre mit etwa 2,5 Lebendgeburten je Frau ihr Maximum, um seit Beginn der 1970er Jahre bis heute auf einen Wert von gut 1,3 für die alten und auf ca. 0,8 für die neuen Bundesländer zu sinken. Das bestandserhaltende Niveau läge bei ca. 2,1. Zu Zeiten des real existierenden Sozialismus in der DDR lag die Geburtenhäufigkeit dort etwas höher als in Westdeutschland. Seit der Wiedervereinigung ist sie in den neuen Ländern allerdings sehr viel niedriger als in den alten. Die mit der Einführung einer marktwirtschaftlichen Ordnung verbundenen Umbrüche und Unsicherheiten insbesondere in den Erwerbsbiographien wirkten und wirken offensichtlich dämpfend auf die Zeugungs- und Gebärfreude. So wird für die neuen Länder erwartet, dass sich die Geburtenhäufigkeit bis zum Jahr 2005 weitgehend an diejenige im früheren Bundesgebiet anpasst. Nach Prognosen bis zum Jahr 2050 für die gesamtdeutsche Geburtenziffer wird erwartet, dass sie sich bei ca. 1,4 einpendelt.
Die Mortalität, d. h. die Sterblichkeit bzw. die Lebenserwartung, beeinflusste und beeinflusst die demographische Entwicklung in Deutschland in zweierlei Hinsicht. Einmal, und dies war in Deutschland bis in die 1960er Jahre relevant, durch einen Rückgang der Säuglings- und Kindersterblichkeit. Dies hatte einen steigenden Jugendquotienten zur Folge. Aktueller und vor allem für die Zukunft von größerer Bedeutung ist die ausgeprägt sinkende Sterbewahrscheinlichkeit im höheren Alter und damit verbunden ein Anstieg der so genannten ferneren Lebenserwartung. Über zwei Drittel der Zunahme der gesamten Lebenserwartung seit den 1960er Jahren resultiert aus einer Zunahme dieser ferneren Lebenserwartung. Diese Restlebenserwartung der 65-jährigen westdeutschen Männer, die derzeit bei 15,1 Jahren liegt, ist um über 2,5 Jahre angestiegen, die der Frauen, bei denen sie z.Zt. 18,9 Jahre beträgt, sogar um vier Jahre.
Werden die Ergebnisse der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung betrachtet, so wird die Konsequenz insbesondere von Fertilität und Mortalität sein, dass
der Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von heute 21,3 % innerhalb der nächsten 50 Jahre auf 16,3 % fallen wird,
der Anteil der über 60-Jährigen sich von heute gut 23 % um die Hälfte auf 35,8 % erhöhen wird,
der Anteil der »mittleren Generation«, d. h. der 20-59-Jährigen, von derzeit 55,7 auf 47,9 % sinken wird.
Im Zuge dieser Strukturverschiebung ist davon auszugehen, dass innerhalb der nächsten 50 Jahre die deutsche Wohnbevölkerung in Abhängigkeit von der Nettozuwanderung von derzeit 82 Millionen auf 65 bzw. 70 Millionen schrumpfen wird.
Als Migration bezeichnet man die Wohnsitzveränderung natürlicher Personen, dauernd oder wenigstens für längere Zeit. Die durch Migration entstandenen Wanderungsbewegungen beeinflussen seit Jahrzehnten wesentlich die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Sie sind Teil eines weltweiten Migrationsgeschehens, das durch zwei Tendenzen geprägt ist. Zum einen ist die absolute Zahl der Migranten in den vergangenen Jahren angestiegen und zum anderen stagnieren Wanderungen zwischen Industrieländern, wohingegen Wanderungen innerhalb oder aus den weniger entwickelten Staaten zunehmen. Seit 1950 überwog in der Bundesrepublik Deutschland während bestimmter Phasen die Abwanderung, während anderer die Zuwanderung. Besonders in den 1980er Jahren gab es schwankende Wanderungssalden aufgrund von Zuwanderungen von Asylbewerbern und Rückführungen von Kriegsflüchtlingen. Insgesamt ergab sich im Zeitraum von 1950-1999 ein positiver Saldo von 9 Mio. Personen, der aus 31 Mio. Zuzügen und 22 Mio. Fortzügen resultiert. Daran beträgt der Anteil der Ausländer im Durchschnitt mit 26 Mio Zuzügen und ca. 18 Mio. Fortzügen etwa 75 %. Es ergibt sich somit ein positiver Wanderungssaldo der Ausländer von etwa 8 Mio. Personen.
Da Wanderungsbewegungen die instabilste Komponente der Bevölkerungsentwicklung darstellen und durch unvorhergesehene politische Entwicklungen entstehen können, sind sie schwer zu prognostizieren. Die Prognose der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung geht deshalb von mehreren Varianten aus, die auf unterschiedlichen Wanderungsgewinnen beruhen. Daraus ergeben sich für den Zeitraum von 2000 bis 2049 für die Ausländer Nettozuwanderungen von 4,9 bzw. 9,3 Mio. Personen, im Gegensatz dazu jedoch für die deutschen Migranten ein Absinken des Saldos mit insgesamt etwa 1 Mio. Zuwanderungen über den Prognosezeitraum.

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