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Einzelkostenrechnung

Verfahren der Kurzfristigen Erfolgsrechnung, das auch als  Deckungsbeitragsrechnung mit relativen Einzelkosten bezeichnet wird. In der ein- und mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung ( Fixkostendeckungsrechnung) wird darauf verzichtet, Fixkosten einzelnen Kostenträgereinheiten zuzurechnen. Es werden aber variable Stückkosten ermittelt und damit - neben den Einzelkosten - auch variable Gemeinkosten auf einzelne Leistungseinheiten verteilt (Einzel- und Gemeinkosten, Voll- und Teilkostenrechnung). Die von Paul Riebel massgeblich entwik- kelte "Deckungsbeitragsrechnung mit relativen Einzelkosten" verzichtet nun in konsequenter Beachtung des Verursachungsprinzips auf jegliche schlüsselmässige Verteilung von Gemeinkosten. Es werden nur die Einzelkosten (nach klassischer Definition!) einzelnen Leistungseinheiten direkt zugerechnet. Die Gesamtheit der Gemeinkosten (nach klassischer Definition!) wird so zerlegt, dass man die Teilbeträge ohne Schlüsselung bestimmten Bezugsbasen (etwa einer Produktart, einer Produktgruppe, einer Kostenstelle, einem Betriebsbereich oder der Unternehmung als Ganzes) direkt zuordnen kann. Damit werden die Begriffe "Einzelkosten" und "Gemeinkosten" relativiert; sie beziehen sich nicht mehr nur auf die direkte bzw. indirekte Zurechnung auf die Kostenträgereinheiten, sondern auf die Zurechnung auf die verschiedensten Bezugsbasen. Es gelingt auf diese Weise, jeden Kostenbetrag in Hinblick auf irgend eine Bezugsbasis als Einzelkosten zu erfassen. Diese Einzelkosten sind dann in Hinblick auf eine untergeordnete (kleinere) Bezugsgrösse als Gemeinkosten zu behandeln. Beispiel: Die Beleuchtungskosten einer Fertigungskostenstelle sind i.d.R. Kostenstellen-Einzelkosten, weil sie der Stelle (ohne Schlüsselung) direkt zugerechnet werden können. Sie sind aber Produktart-Ge- meinkosten, weil sie den einzelnen in dieser Stelle gefertigten Erzeugnisarten nicht mehr direkt, sondern nur indirekt — d.h. mit Hilfe von Verteilungsschlüsseln - zugerechnet werden können. Ein Rest von Kosten, der weder einzelnen Leistungseinheiten noch Produktarten, -gruppen oder Betriebsbereichen direkt zuzurechnen ist, wird als Unternehmens-Einzelkosten bezeichnet. Die Parallelen zur stufenweisen  Fixkostendeckungsrechnung sind offensichtlich: Ersetzt man dort die Unterteilung der Kosten in variable und fixe Bestandteile durch die Gliederung in Einzel- und Gemeinkosten, so gelangt man zur Deckungsbeitragsrechnung mit relativen Einzelkosten. Riebels Verfahren ist aber insofern noch konsequenter, als nicht nur die fixen Gemeinkosten, sondern auch die variablen Gemeinkosten von einer Verteilung auf die Leistungseinheiten ausgeschlossen werden. Man könnte das Verfahren auch "stufenweise Einzelkostendeckungsrechnung" nennen. Ausgangspunkt der praktischen Durchführung einer Deckungsbeitragsrechnung mit relativen Einzelkosten ist die sog. "Grundrechnung". Mit diesem - in Anlehnung an Eugen Schmalenbach gewählten - Begriff will Riebel zum Ausdruck bringen, "dass es sich um eine universell auswertbare Zusammenstellung relativer Einzelkosten handelt, deren Bausteine in mannigfaltiger Weise kombiniert werden können und einen schnellen Aufbau von Sonderrechnungen für die verschiedensten Fragestellungen erlauben". Bei solchen Auswertungen wird jede Differenz zwischen Erlösen und bestimmten Kosten (relativen Einzelkosten) als "relativer Deckungsbeitrag" bezeichnet. Zur Ermittlung des Betriebserfolges wird die Grundrechnung in der Weise ausgewertet, dass aus den Umsatzerlösen durch schrittweise (stufenweise) Subtraktion verschiedener Einzelkosten ein beliebig differenziertes System von Deckungsbeiträgen abgeleitet wird, bis nach Abzug aller Einzelkosten, d. h. der Gesamtkosten, das Nettoergebnis feststeht: Einzelkostenrechnung     Diese Rechnung kann nach der jeweiligen Aufgabenstellung der Kurzfristigen Erfolgsrechnung vereinfacht oder weiter differenziert werden. Riebel berechnet z.B. mehrere Nettoerlöse als Zwischenergebnisse, indem er von den Brutto-Umsätzen (zu Listenpreisen) stufenweise Rabatte und sonstige Erlösschmälerungen abzieht und auch die Vertriebseinzelkosten der Erzeugnisarten in preisabhängige (z. B. Provisionen) und mengenabhängige Bestandteile (z. B. Frachten) untergliedert. Möglich ist auch eine Abspaltung der direkten variablen Stoffkosten von den Erzeugnis-Einzelkosten der Herstellung; als Zwischensumme erhält man den Veredelungsbeitrag der Produktart. Weiter können die jeweiligen Einzelkosten (z.B. die Erzeugnisgruppen-Einzelkosten) getrennt nach ihren variablen und fixen Bestandteilen subtrahiert werden. Im Ergebnis kann die Deckungsbeitragsrechnung mit relativen Einzelkosten als das Verfahren der Kurzfristigen Erfolgsrechnung bezeichnet werden, das am konsequentesten am Verursachungsprinzip ausgerichtet ist. Riebel ist der Auffassung: "Alle Illusionen, die durch die Aufschlüsselung von Gemeinkosten und die Proportionalisierung von fixen Kosten hervorgerufen werden können, sind ausgeschaltet." Unabhängig von diesen Vorzügen ist aber auch zu beachten, dass infolge der Nichtzurechnung der variablen Gemeinkosten auf die Kostenträger die variablen Stückkosten (Grenzkosten) nicht bekannt sind. Damit fehlen für die meisten kurzfristigen Entscheidungsprobleme die relevanten Kosten im Sinne der Grenzkostenrechnung. Trotzdem ist Riebels Vorschlag, die Einzelkosten und Dek- kungsbeiträge zu relativieren, ein wichtiger Fortschritt in der Ausgestaltung der Kostenrechnung und kurzfristigen Erfolgsrechnung zu einem individuellen Planungsund Kontrollinstrument in der Hand der Unternehmensleitung.

Literatur: Haberstock, L., Grundzüge der Kosten- und Erfolgsrechnung, 4. Aufl., München 1993. Riebel, P., Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung, 6. Aufl., Wiesbaden 1990.

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