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Imperialismus

eine vor allem von marxistischen Theoretikern verwendete Bezeichnung für die Phase des Spätkapitalismus, in der angeblich die Kapitalisten den verschärften ökonomischen Krisen des Monopolkapitalismus dadurch zu entkommen versuchen, dass sie die Regierungen antreiben, ihre politische Macht zum Zwecke der ökonomischen Expansion in nicht-kapitalistische Gebiete (Kolonialismus) auszudehnen. Der Aufschub des Zusammenbruchs wird aber durch das Zwischenstadium des Imperialismus den Verfall des Kapitalismus letztendlich nur beschleunigen. Diese Auffassung geht u.a. zurück auf John A. Hobsons Buch "Der Imperialismus" (1902), auf Rudolf Hilfer- dings Arbeit "Das Finanzkapital" (1910), Rosa Luxemburgs "Die Akkumulation des Kapitals" (1912), besonders aber auf Wladimir I. Lenins Schrift "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" (1917). Danach ist das Wesen des Imperialismus gekennzeichnet durch die Merkmale des Monopolkapitalismus, des Kapitalexports als Methode der Existenzverlängerung der kapitalistischen Entwicklung und der Herausbildung monopolistischer Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich aufteilen. Als entgegen der Vorhersage dem "Imperialismus" kein Zusammenbruch der kapitalistischen Länder folgte, hat man weitere Zwischenstufen, etwa die neokolonialistische Phase, eingeschoben und die Imperialismustheorie nach Bedarf revidiert, ohne dass sie dadurch an Überzeugungskraft gewonnen hätte ( Neoimperialismus). Wie Wilhelm Röpke feststellt, wird die Behauptung, es habe niemals Imperialismus ohne Kapitalismus gegeben, fast auf jeder Seite der bisherigen Menschheitsgeschichte widerlegt. Auch gibt es genügend Staaten, die als kapitalistisch gelten, ohne eine imperialistische Vergangenheit oder Gegenwart zu haben. Die Beweggründe für aggressive Aussenpolitik der Staaten sind letztlich politischer Natur. Soweit dabei wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielen, sind die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme, die auf der Einheit von politischer und ökonomischer Machtkonzentration beruhen, am ehesten befähigt, die Wirtschaft für Zwecke imperialistischer Politik zu missbrauchen. Dies hat in extremer Form das sowjetische Wirtschaftssystem demonstriert, indem es ohne Rücksicht auf die kulturellen, religiösen, politischen und sozialen Traditionen und Wünsche der Völker des "sozialistischen Lagers" als Unterwerfungs- und Beherrschungstechnik diente.            Literatur: Röpke, W, Internationale Ordnung - heute, 2.Aufl., Erlenbach u.a. 1954. Preiser, E., Politische Ökonomie im 20. Jahrhundert, München 1970.  

im heutigen Sprachgebrauch einerseits politische Handlungen, die darauf abzielen, die Bevölkerung eines anderen Landes mit politischen, militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mitteln zu beeinflussen, abhängig zu machen, zu beherrschen oder auszubeuten (Ausbeutung), andererseits politische Theorie, die diese Handlungen zu rechtfertigen sucht. Die Theorie entstand im 19. Jh., als in England die Debatte um die Ausdehnung des Empire entbrannte. Die erste systematische Kritik stammt von John A. HOBSON (1902), der erklärte, dass der Imperialismus auf das Investitionsbedürfnis des Finanzkapitals zurückzuführen sei; er verwies auf den Zusammenhang zwischen Imperialismus und Rüstung (aggressiver Imperialismus). Wladimir Iljitsch LENIN folgte HOBSON in der Annahme einer rein wirtschaftlichen Begründung. Er erweiterte die marxistische Analyse (Marxismus): »Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus« (1917). Die Fortentwicklung des alten, auf selbständige Unternehmer und Konkurrenz gegründeten Kapitalismus zum neuen Monopolkapitalismus, der vom monopolistischen Finanzkapital beherrscht sei, bringe eine zunehmende Verflechtung von Großunternehmen und Banken, die den Staatsapparat beherrschten und sogar nationale Grenzen überstiegen (internationale Kartelle). Zur Sicherung und Erweiterung von Märkten, Rohstoffquellen und Investitionsmöglichkeiten sei die militärische Unterstützung durch den Staatsapparat erforderlich. LENIN folgerte, dass der Konkurrenzkampf auf der Basis des Finanz- und Monopolkapitalismus zu imperialistischen Kriegen um die Neuaufteilung der Welt führen müsse (1. Weltkrieg). Für die Arbeiterklasse sei die Erkenntnis von Bedeutung, dass die imperialistische Kapitalistenklasse durch besonders hohe Löhne die »Arbeiteraristokratie« zu bestechen versuche, um sie ihrer revolutionären Rolle zu entfremden. Nur die Abschaffung des Kapitalismus durch die proletarische Revolution könne dem Imperialismus ein Ende setzen. Hierbei müßten die kolonialen und halbkolonial-abhängigen Staaten zu natürlichen Verbündeten des revolutionären Proletariats werden. In der westlichen Literatur überwiegt die Auffassung, den Imperialismus als eine geschichtliche Epoche im Ablauf der abendländischen Kultur (Kolonialisierung) darzustellen. Einen universaleren Standpunkt nimmt David S. LANDES ein: Imperialismus entstehe überall dort, wo ein Machtungleichgewicht vorhanden sei. Immer und unter allen Umständen seien soziale Gruppen bereit gewesen, sich dieses Machtungleichgewichts zu bedienen, um schwächere zu beherrschen. Literatur: Schröder, H.C. (1973). Sweezy, P.M. (1970a)

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