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Kapitalismus

Bezeichnung für ein durch Privateigentum an den Produktionsmitteln geprägtes Wirtschaftssystem, in dem Eigenverantwortung, Risikobereitschaft und Gewinnorientierung das unternehmerische Handeln bestimmen und Produktion, Verteilung und Konsum von Waren und – Dienstleistungen durch Marktmechanismen gelenkt werden.

ist die Bezeichnung für ein Wirtschaftssystem, in dem Kapital und Produktionsfaktoren sich in privater Hand befinden. Die einzelnen Unternehmen entscheiden selbständig über ihre eigene Planung (Gegensatz: Planwirtschaft), streben nach Gewinn und stehen untereinander im Wettbewerb. Ordnungspolitische Grundlage in der Bundesrepublik ist das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft (siehe auch Wirtschaftswunder). Man unterscheidet den Frühkapitalismus (Renaissance, 14.-16. Jahrhundert; Fugger, Welser, Medici), den Hochkapitalismus (19. Jahrhundert) und den jetzt herrschenden Spätkapitalismus. In der Arbeitsverfassung der Bundesrepublik ist der Gegnerbezug zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch das Prinzip der Sozialpartnerschaft gemildert. Siehe auch Mitbestimmung, BetriebsverfassungsG.

In der sozialistischen Wirtschaftslehre: Kapitalismus ist die ökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem privatwirtschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln und der Ausbeutung von Lohnarbeiterinnen durch Kapitalistinnen beruht.

Der Kapitalismus ist ein lebendiger gesellschaftlicher Organismus. Die ihm eigenen inneren Widersprüche und ökonomischen Prozesse lassen keinen Stillstand seiner Entwicklung zu. Durch diese Prozesse getrieben durchläuft der Kapitalismus in seiner Entwicklung eine Reihe von Etappen.

Schon im Feudalismus entstanden die ersten kapitalistischen Produktionsweisen. Im Frühkapitalismus (Vorindustriellen Kapitalismus, Manufakturkapitalismus), wurde noch vorwiegend mit handwerklicher Technik produziert, aber schon unter Einsatz von Kapital, ArbeiterInnen und zum Teil noch von unabhängigen Handwerkern ausgebeutet und Profit erwirtschaftet. Der Frühkapitalismus ist aus Elementen der einfachen Warenproduktion und des Handelskapitalismus entstanden.

Die nächste Etappe umfaßt die Zeitspanne vom Frühkapitalismus bis zum Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Die kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse verbreiteten sich rasch über den gesamten Erdball. Die Jagd der Kapitalistlnnen nach Profit vollzog sich hauptsächlich im freien Konkurrenzkampf. Er beruht auf der Produktion voneinander unabhängiger kapitalistischer Privatproduzenten. Gleichzeitig war er auch der Hauptmotor des technischen Fortschritts und der Weiterentwicklung der Produktion. Der freie, unbeschränkte Konkurrenzkampf auf dem Warenmarkt um die beste Kapitalanlage ist charakteristisch für den Kapitalismus dieser Zeit, den Kapitalismus der freien Konkurrenz.

Im Zuge der Akkumulation des Reichtums wurden auf den Konten von Großkapitalistlnnen immer größere Kapitale zusammengefaßt. Die Großproduktion entstand und mit ihr wuchsen die Produktionskapazitäten der Betriebe sowie die Zahl der Arbeiterinnen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Konzentration der Produktion, des Kapitals und der Arbeit schon so weit fortgeschritten, dass der Großteil der Waren von Konzernen und Kapitalgesellschaften erzeugt wurde. Die gigantischen Kapitalgesellschaften ruinierten entweder ihre Konkurrenten oder trafen mit den Stärkeren unter ihnen Abkommen. Kraft ihrer beherrschenden Lage diktierten sie die Warenpreise. Durch die Konzentration der Produktion und des Kapitals in immer größeren Betrieben, in immer weniger Händen, mit immer mehr Marktaufteilung und anderseits durch die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem wachsenden Industriekapital, entstand eine ökonomische Monopolherrschaft, der Monopolkapitalismus.

Die Herrschaft der Großunternehmen in der Wirtschaft der kapitalistischen Länder machte es möglich, die Rohstoff- und Warenmärkte sowie die Kapitalanlagesphäre zu erobern. Die weitere Entwicklung der Vorherrschaft der Monopole und ihre stärkere Verquickung mit dem Staat im Monopolkapitalismus wurde zum grundlegenden, zum bestimmenden Merkmal des Imperialismus.

In der weiteren Entwicklung und zur verstärkten Krisenbewältigung der Monopole kam es zu einer zunehemenden Veflechtung (Verschmelzung) von Monopolmacht und Staatsmacht. Es entwickelte sich der Staatsmonopolistische Kapitalismus.

Die radikale Internationalisierung (Globalisierung) seit den 70er/80er Jahren (neuer Schub ab 1989) ist eine weitere Etappe in der Entwicklung der Ökonomie des Kapitalismus inklusiv seiner Krisen. Sie zeigt sich in der vorherrschenden Tendenz zur internationalen/transnationalen Konzentration von Produktion und Kapital, sowie zu der „nationalen Entstaatlichung“ (Deregulierung).

Gleichzeitig findet eine weitere ökonomische Abkoppelung der „ärmeren“ Länder an der Peripherie der Industriestaaten, eine immer stärkere ökonomische und politische Integration innerhalb der Zentren Amerika, Europa und Asien und gleichzeitig eine aggressivere Konkurrenz der drei Zentren untereinander statt.

Die ökonomische Wirkungsweise und Grundlage des Kapitalismus ist die entwickelte Warenproduktion, in der auch die Arbeitskraft der Lohnarbeiterinnen zur Ware geworden ist. Die Klasse der Kapitalistinnen ist als Eigentümer der entsprechenden Produktionsmittel Käufer der Ware Arbeitskraft. Die Klasse der Lohnarbeiterinnen, die über keine Produktionsmittel verfügen, ist ökonomisch gezwungen, ihre Arbeitskraft an die KapitalistInnen zu verkaufen, da sie nur auf diese Weise in den Besitz von Existenzmitteln gelangen kann. Die Kapitalistinnen kaufen die Arbeitskraft der Arbeiterinnen nur, weil diese mehr Waren und Werte erzeugen, als für ihre Reproduktion notwendig ist, und damit Mehrwert produzieren. Die Kapitalistinnen als Eigentümer der Produktionsmittel und Käuferinnen der Ware Arbeitskraft sind dadurch zugleich auch die Eigentümer-Innen der durch die Arbeiterinnen produzierten Waren. Die Arbeiterinnen haben nur Anrecht auf den Wert ihrer Arbeitskraft, der ihnen von den Kapitalistlnnen in Form des Arbeitslohnes bezahlt wird. Im Kapitalismus ist die Ausbeutung durch die Warenbeziehung verhüllt, im Unterschied zur Sklavenhaltergesellschaft und zum Feudalismus, wo sie in Form der Sklavenarbeit und der Fronarbeit offen auftritt. Dadurch scheint es, als ob die ArbeiterInnen nicht ihre Arbeitskraft, sondern ihre Arbeit verkaufen und für ihre Arbeitsleistung bezahlt würden. Der Mehrwert bzw. seine verwandelte Form, der Profit, scheint dann nicht der Mehrarbeit der Arbeiterinnen, sondern dem Kapital selbst zu entspringen. >Imperialismus, Kapital, Konzentration des, >Kapital, Zentralisation des, >Kapitalismus, staatsmonopolistischer, >Monopol

vieldeutiger Begriff für die neuzeitlichen Wirtschaftssysteme der dominierend auf dem Privateigentum und dem freien Unternehmertum beruhenden Marktwirtschaft. (1)  Nach dem traditionellen Kapitalismusverständnis beherrschen die Interessen der Kapitaleigentümer die Institutionen und den Ablauf des Marktgeschehens und verhalten sich dabei unter dem Einfluss der Konkurrenz ungewollt so, dass sie selbst bei durchaus rationaler Organisation der Produktion in die Anarchie der Märkte hineingeraten und den Untergang ihres Systems herbeiführen. Die wichtigsten Exponenten dieser Ansicht von der paradoxen Wirkung der Konkurrenz und der transitorischen Existenz des Kapitalismus sind Karl Marx, Werner Sombart, Wladimir 1. Lenin und Joseph A. Schumpeter. Marx und die Vertreter des Marxismus- Leninismus folgern aus der "kapitalistischen Produktionsweise" den zwangsläufigen Übergang vom Konkurrenz- zum Monopolkapitalismus, dessen sozial unerträgliche Ergebnisse die ausgebeuteten Arbeiter dazu veranlassen, das kapitalistische System gewaltsam zu beseitigen. Sombart unterscheidet in der historischen Abfolge der Kapitalismusentwicklung zunächst den Früh- oder Handelskapitalismus (15. bis Mitte 18. Jh.), den Hoch- oder Industriekapitalismus (ab 1760) und schliesslich den Spät- oder Monopolkapitalismus (etwa ab 1880). Diese letzte Phase führt nach Sombart über umfassende nationale und internationale Vermachtungen und über Konflikte durch soziale Klassengegensätze zu einer Vorherrschaft des Sozialismus, ohne dass die bis dahin entstandenen Wirtschaftsweisen (Eigenwirtschaft, Dorfwirtschaft, Handwerk, Kapitalismus) verschwinden. Lenin erwartet im Rahmen seiner Lehre von den Gesellschaftsformationen einen geschichtlich zwangsläufigen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus. In diesem Prozess der Systemtransformation unterscheidet er die kapitalistischen Phasen des Konkurrenz- und Monopolkapitalismus, Imperialismus und  Stamokap. Es wird angenommen, dass die einzelnen Phasenübergänge durch Konzentrations- bzw. Dezentralisierungsprozesse sowie eine zunehmende Verschmelzung von ökonomischer und politischer Macht gekennzeichnet sind und schliesslich zum Sozialismus führen. Schumpeter erwartet als nicht-marxistischer Denker das Ende des Kapitalismus dadurch, dass sich im dynamischen Wettbewerb "Alt" gegen "Neu" die Grossunternehmen mit der unaufhaltsamen Tendenz zur Entpersönlichung und Bürokratisierung des Fortschritts durchsetzen. So macht sich der dynamische Unternehmer, dem die Errungenschaften des modernen Kapitalismus zu verdanken sind, in einem "Prozess der schöpferischen Zerstörung" ungewollt selbst überflüssig und bahnt dem Sozialismus mit der — wie Schumpeter vermutet — Möglichkeit einer effizienten Planwirtschaft den Weg. Die traditionelle Kapitalismussicht hält ernsthaften empirischen Tests nicht stand. Überall dort, wo Gewerbefreiheit und Freihandel eingeführt und durch staatliche Vorkehrungen gesichert worden sind, haben unternehmerische Kräfte ein Unternehmens-, Beschäftigungs- und Finanzsystem geschaffen, das ökonomisches Wachstum und Bevölkerungswachstum möglich gemacht und das Realeinkommen der breiten Schichten stärker gehoben hat als je zuvor. Zugleich haben bei offenen Handelsgrenzen die wechselseitigen Kontrollen des Unternehmens- und Finanzsystems die Wettbewerblichkeit der Marktwirtschaft mit einer vielgestaltigen Unternehmensgrössenstruktur günstig beeinflusst. (2)   Exponenten der modernen Kapitalismusbetrachtung sind u.a. Adolf A. Berle, Garde- nerC. Means, Richard M. Cyert und James C. March. Nach ihrer Auffassung führen die Organisationsbedingungen der modernen Aktiengesellschaften, in denen das angestellte Management nicht über einen bedeutenden eigenen Anteilsbesitz verfügt, zu einem Verhalten der Manager, das weniger vom Gewinnziel der Eigentümer als vielmehr vom Streben nach einer autonomen Kontrolle über die Unternehmen durch internes, vor allem aber externes Unternehmenswachstum bestimmt ist. Im gleichen Masse wird der Eigentümerkapitalismus durch den Managerkapitalismus verdrängt ( Managerherrschaft). Eine Prognose für die weitere Entwicklung wird damit nicht verknüpft. Es lässt sich zeigen, dass die vorhandenen Tendenzen des Managerkapitalismus keineswegs zwangsläufig, sondern das Ergebnis einer revidierbaren aktienrechtlichen Benachteiligung der Anteilseigner, insb. in ihrem Dividendenbezugsrecht, und eines ebenfalls aktienrechtlich bedingten Vorrechts der Manager sind, mit Hüfe des Instituts der juristischen Person im Namen von Kapitalgesellschaften und für ihre Rechnung Anteils- und Stimmrechte an anderen Gesellschaften begründen und wirtschaftlich nutzen zu können. Dadurch werden die Entpersönlichung des Aktieneigentums begünstigt und die Konzentration durch Konzernierung erleichtert.               Literatur: Bog, I., Kapitalismus, in: HDWW, Bd. 4, Stuttgart u.a. 1978, S. 418ff. Schüller,; A., Property Rights, Theorie der Firma und wettbewerbliches Marktsystem, in: Schüller, A. (Hrsg.), Property Rights und ökonomische Theorie, München 1983, S. 145 ff.

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