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Militärökonomik

Lehre vom Wirtschaften in militärischen Angelegenheiten, gesamtwirtschaftlich in Verbindung mit dem System Militär, einzelwirtschaftlich innerhalb des Militärs. Wegen starker praktischer Bedeutung schon ab 5.Jh. v. Chr. (über Sokrates, Platon) in kriegswissenschaftlichen Schriften erwähnt, im deutschsprachigen Schrifttum seit 1680 bekannt. Im 20. Jh. durch den hohen Kräfteverschleiss in den Weltkriegen zu intensivem ökonomischen Denken und Handeln gebracht, gewinnt Militärökonomik für Staat, Gesellschaft und Militär eine neue Dimension: (1)  Die gesamtwirtschaftlichen (volkswirtschaftlichen) Fragen der Raum-, Rohstoff- und Materialversorgung (militärisch-industrieller Komplex, militärische Infrastruktur, militärische Logistik), der Bereitstellung von Arbeitskräften innerhalb und ausserhalb des Militärs sowie der Finanzierung (Militärausgaben) führen zum Problem der Überwindung von Knappheit volkswirtschaftlicher militärischer Ressourcen. Bearbeitet von der Sozialökonomik des Militärs (wissenschaftliche Teildisziplin der Militärökono- mik; vgl. Abb.), werden somit alle sicherheitspolitischen Bereiche mit militärisch-ökonomischem Charakter erfasst. Dazu gehören die Versorgung der Bevölkerung in Spannungsund Kriegszeiten, der Zivilschutz, in Friedenszeiten auch eine sicherheitspolitisch bezogene Industrie-, Arbeitsmarkt-, Raum- und Regionalpolitik. Zur Gewinnung eines politisch und militärisch nutzbaren ökonomischen Vorsprungs sind auch naturwissenschaftliche Grundlagenforschung, Rüstungsmittelforschung und -entwicklung sowie eine politischökonomische Friedensforschung einbezogen. In Verbindung mit politisch militärischen Bündnissen stehen Fragen der Gewerbestruktur, der sinnvollen Deponierung und Zuführung benötigter Mittel (militärische Logistik), auch der zeitverzugsarmen Herauslösung von Wirtschaftsgütern und eines hohen Anteils von gewerblich arbeitenden Menschen (Reservisten; Sicherstellungsgesetze) sowie deren Einfügung in das militärische System. (2)  Die einzelwirtschaftlichen (individualökonomischen) Anliegen innerhalb des Militärs (Bundeswehr: Streitkräfte und Bundeswehrverwaltung) sind auf den Gebieten der Be Schaffung, der Bewirtschaftung und des Einsatzes der Leistungsfaktoren (militärische Leistungen) zu sehen. Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt in der Betriebsökonomik des Militärs (Teildisziplin der Militärökonomik), aufgespalten in Betriebsökonomik der Streitkräfte und Verwaltungsökonomik der Bundeswehrverwaltung - in der Bundesrepublik Deutschland - (Wehrverwaltung). Besondere Bedeutung haben in der Militärökonomik die Naturfaktoren wie Gelände und Naturkräfte, weil mit ihnen eigene und gegnerische Leistungen gefördert bzw. gehemmt werden können (militärische Ressourcen). Im Zentrum militärisch-ökonomischer Forschung und Lehre stehen Fragen um den Menschen, den kampffähigen und -willigen Soldaten wie den einsatz- und hilfsbereiten Zivilbediensteten. Die Führungslehre (militärische Führung) nimmt daher wegen ihrer starken sozialen und psychischen Komponente einen wichtigen Platz ein. (3)  Militärökonomik Methodisch ist die Militärökonomik funktionenbezogen angelegt, d.h. durch Aufdek- ken von Abhängigkeiten und Wechselwirkungen von Aktionen und Reaktionen werden die Problemteile zwar einzeln beschrieben, jedoch im Gesamtzusammenhang zu normativen Aussagen verbunden. Erziehung, Bildung und Ausbildung des Personals sollen unter diesen Aspekten erfolgen; denn die mit dem Wirtschaften im Militär verbundene Verantwortung hat wegen ihrer sehr weitgehenden Folgewirkungen (militärische Wirtschaftlichkeit) einen hohen Stellenwert. (4)  Aufgabe der Militärökonomik ist es auch, zu allen sicherheitspolitischen Anliegen ökonomische Beurteilungsdaten — auch an die Öffentlichkeit — zu liefern, um den legislativen und exekutiven Beratungs- und Entscheidungsträgern ihre politische bzw. militärische Führungsaufgabe zu erleichtern.        Literatur: Kirchhoff, G., Militärökonomik, in: Kirch- hoff, G., (Hrsg.), Handbuch zur Ökonomie der Verteidigungspolitik, Regensburg 1986, S. 534 ff. Noll, D., Ökonomische Beurteilung von Streitkräften unter besonderer Berücksichtigung des Bereichs der Deutschen Bundeswehr, Diss., Mannheim 1970. Schulz, K.-E. (Hrsg.), Militär und Ökonomie - Beiträge zu einem Symposium, Göttingen 1977.

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