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Stamokap

(staatsmonopolistischer Kapitalismus) nach Wladimir I. Lenin die letzte "absterbende" Phase des Kapitalismus in der geschichtlichen Abfolge von Konkurrenzkapitalismus, Monopolkapitalismus, Imperialismus, Stamokap, Sozialismus. Aufgrund der im Ersten Weltkrieg in Deutschland zu beobachtenden Interessenverstrickung zwischen Staat und Wirtschaft sieht Lenin in seiner 1917 erschienenen Schrift "Staat und Revolution" das Wesen des Stamokap in der totalen Verschmelzung der Monopolmacht der Wirtschaft mit der Regierungsmacht zu einem sich wechselseitig bedingenden einheitlichen Mächtkomplex. Tatsächlich gingen einige Industrieverbände aufgrund ihrer kriegswirtschaftlichen Lenkungsaufgaben organisatorisch gestärkt aus dem Weltkrieg hervor. Ausschlaggebend für die entstandenen Tendenzen zur "Fesselung des Staates durch die Wirtschaft" (Walter Eucken) aber war, dass im "Zeitalter der wirtschaftspolitischen Experimente" kein klares Ordnungskonzept zur Lösung der volkswirtschaftlichen Lenkungsprobleme zum Zuge kommen konnte. Dies war u. a. auf den von der in Theorie und Praxis einflussreichen. historischen Schule und ihren mechanistischen Stufenlehren inspirierten Glauben zurückzuführen, das Stadium der freien Konkurrenzwirtschaft werde mit entwicklungsgesetzlicher Zwangsläufigkeit vom Stadium einer konkurrenzlosen industriellen Monopolwirtschaft abgelöst. Die Folge war ein ausgedehnter Interventionismus, der allerdings schon wegen seiner punktualistischen, im wesentlichen auf einige Zweige der Industrie beschränkten Anwendung weit davon entfernt war, der Totalerklärung der Stamokap-Theorie zu entsprechen. Bis Ende der 50er Jahre wurde die StamokapTheorie kaum noch diskutiert, bis sie dann wieder von Ökonomen der DDR und der UdSSR, aber auch von Teilen der deutschen Jungsozialisten verstärkt in den 60er Jahren aufgegriffen wurde. Ausgangspunkt für diese Wiederbelebung war u. a. die offenkundige Vitalität und Stabilität der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung im Nachkriegsdeutschland und anderen westlichen Industrieländern. Diesen Erfolg erklären die StamokapTheoretiker vor allem mit systematischen und regelmässigen Eingriffen des Staates zur Stabilisierung des zyklischen Konjunkturverlaufs. Zu bezahlen seien diese Reparaturversuche allerdings mit immer schwerwiegenderen (strukturellen) Instabilitäten wie Inflation, Arbeitslosigkeit, sektoralen Struktur- sowie mit weltweiten Währungskrisen. Diese Krisenerscheinungen würden schliesslich durch den Verlust der Kolonien als Absatzgebiete und den zunehmenden Einfluss der sozialistischen Staaten auf dem Weltmarkt wesentlich verschärft und sich letztendlich zu einer "allgemeinen Krise" des Kapitalismus ausweiten. Diese werde den Staat unter dem Einfluss eines verschärften Klassenkampfes in Richtung auf die weitere Sozialisierung der Produktion als Voraussetzung für den Übergang zum Sozialismus drängen. Hierzu sei allerdings ein "breites antikapitalistisches Kampfbündnis" (das neben den Arbeitern u. a. auch den Mittelstand umfassen soll) erforderlich. Offensichtlich haben diese und andere Erklärungsmuster primär die ideologische Funktion, die unerwünschte Offenheit und Variabilität der Entwicklung im Kapitalismus mit Hilfe von Ad-hoc-Hypothesen so zu deuten, dass am Marx\'schen Entwicklungsschema trotz widersprechender Tatsachen festgehalten werden kann, ohne sagen zu müssen, wann sich der Übergang zum Sozialismus ereignen wird.             Literatur: Hamel, H., Die Marktwirtschaft der Bundesrepublik als "staatsmonopolistischer Kapitalismus", in: Cassel, D./Gutmann G./Thieme, H. J., (Hrsg.), 25 Jahre Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1972, S. 65 ff. Hardach, G./Karras, D., Sozialistische Wirtschaftstheorie, Darmstadt 1975.

 Staatsmonopolkapitalismus

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