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Arbeitslosigkeit

Zustand von Erwerbspersonen ohne Arbeit. Arten der Arbeitslosigkeit:
1. friktionelle oder Fluktuationsarbeitslosigkeit aufgrund (unvermeidlicher) temporärer Anpassungsvorgänge am Arbeitsmarkt während der Zeitspanne zwischen Aufgabe der alten und Beginn einer neuen Tätigkeit;
2. saisonale Arbeitslosigkeit (jahreszeitlich bedingt) aufgrund schwankender Nachfrage- und Angebotsbedingungen in einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft, z. B. Bauwirtschaft im Winter;
3. konjunkturelle Arbeitslosigkeit während eines wirtschaftlichen Abschwungs;
4. strukturelle Arbeitslosigkeit (wirtschaftliche Veränderungen begleitend), ausgelöst von veränderten Anforderungsprofilen bei veränderten Arbeitsabläufen (qualifikationsbedingt), die zu prinzipiellen Merkmalsdifferenzen zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage führen oder aufgrund einer langfristigen Nachfrageschwäche in einzelnen Branchen (z. B. Werften) oder Regionen (Arbeitslosenquote)
Die fiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit entstehen durch:
Ausgaben f. Arbeitslosengeld/-hilfe
– Rentenversicherungsbeiträge
– Krankenversicherungsbeiträge
– Pflegeversicherungsbeiträge Ausgaben f. Sozialleistungen
Sozialhilfe
Wohngeld
Mindereinnahmen v. Steuern
Einkommensteuer
Indirekte Steuern Mindereinnahmen v. Sozialbeiträgen
Rentenversicherung
Krankenversicherung
Pflegeversicherung
Bundesanstalt für Arbeit
Die Kosten werden verteilt auf:
Bundesanstalt für Arbeit
– Bund
– Länder
– Gemeinden
Rentenversicherung
Krankenversicherung
Pflegeversicherung

Die Bundesanstalt für Arbeit definiert Arbeitslose als Arbeitssuchende, die in der Hauptsache als Arbeitnehmer tätig sein wollen, nicht arbeitsunfähig erkrankt sind und nicht als Arbeitnehmer, Heimarbeiter, mithelfende Familienmitglieder oder Selbständige beschäftigt sind. Die Arbeitslosenquote gibt das Verhältnis der registrierten Arbeitslosen zur Zahl der abhängig Beschäftigten an. Sie gilt als Maßzahl für die Ausschöpfung des Arbeitskräftepotentials. Man unterscheidet 1. Fluktuationsarbeitslosigkeit (auch: friktioneile A.) durch kurzfristige Anpassungsschwierigkeiten, Arbeitsplatzwechsel oder Umschulung; 2. saisonale Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsschwankungen in Branchen, deren Produktion von der Jahreszeit abhängig ist (z.B. Landwirtschaft und Baugewerbe); 3. konjunkturelle Arbeitslosigkeit durch allgemein schlechte Geschäfts- und Beschäftigungslage; 4. strukturelle Arbeitslosigkeit durch langfristige Veränderung in einzelnen Wirtschaftsbereichen, z.B. durch neue Technologien oder Auslandskonkurrenz.

In der sozialistischen Wirtschaftslehre: Fehlen von Erwerbsmöglichkeiten für lohnabhängige Arbeitskräfte.

Arbeitslosigkeit bedeutet. lohnabhängige Arbeitskräfte finden auf dem Arbeitsmarkt keinen Käufer (Unternehmen) für ihre Arbeitskraft. Die Arbeitslosigkeit

ist ein Ausdruck der den Kapitalismus beherrschenden Widersprüche. Durch den Rückgang der Anwendung von variablem Kapital (Ablösung von Hand- durch Maschinenarbeit, Automaten, Computer) entsteht eine „relative Übervölkerung“, die im Verhältnis zu den Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals überflüssig ist und keine Beschäftigung findet. Der Umfang der Arbeitslosigkeit schwankt normalerweise mit dem industriellen Zyklus; er ist in der Krisenphase und in der Depression am größten und geht während der Belebung und des Aufschwungs zurück. In den letzten Jahrzehnten blieb die Arbeitslosigkeit auch während kleiner Wirtschaftsbelebungen relativ hoch.

Strukturelle Arbeitslosigkeit hat ihre Ursache in den ökonomischen Strukturveränderungen der Wirtschaft (Strukturkrisen) wie z.B. Stahlkrise. Vor allem die Umstrukturierung der Konzerne, die Einführung neuer computergestützter Produktionstechniken hat einen Rationalisierungsschub bewirkt, der von Massenentlassungen begleitet ist, die gern als „Freisetzung von Arbeitskräften“ verschleiert werden.

Die Unterscheidung von struktureller Arbeitslosigkeit und konjunkturbedingter Arbeitslosigkeit spielt heute keine wesentliche Rolle mehr. Die Arbeitslosigkeit wächst trotz Konjunkturaufschwung. „Wachstum ohne Arbeitsplätze“ wird derzeit durch hohe Produktivität, also vermehrte Ausbeutung der Arbeitenden erreicht.

Die amtliche Statistik (ca. 4,5 Mio. Arbeitslose 1999) verschleiert den wirklichen Umfang der derzeitigen Arbeitslosigkeit. Hinzu kommen noch diejenigen, die keine Leistungen vom Arbeitsamt mehr bekommen und alle, die aus dem Raster des Arbeitsamtes herausfallen. Die „Beschäftigungslücke“ für 7 Mio. Menschen setzt sich aus 4,5 Mio. Arbeitslosen, 1 Million in Arbeitsmarktmaßnahmen (ABM usw.) und 1,5 Mio. in der „stillen Reserve“ zusammen. Die Zahl der Arbeitslosen, die ein Jahr und länger ohne Arbeit sind, steigt ständig. 1998 waren dies 1,46 Mio. (37% aller Arbeitslosen).

Die ständig drohende Gefahr des Arbeitsplatzverlustes und die Konkurrenz der Arbeitslosen um einen Arbeitsplatz helfen dem Kapital, die Arbeiter zu disziplinisieren und die Löhne zu drücken. Die Arbeitslosen als „Reservearmee“ für die Wirtschaft haben auch die Funktion, immerfort billige Arbeitskräfte bereitzuhalten, wenn das Kapital sie benötigt („elastisches Polster“). Dazu gehören auch die Arbeitskräfte benachbarter, weniger industrialisierter Länder und Regionen (Gastarbeiter), die nach Bedarf wieder abgeschoben werden können, sowie die Verlagerung der Produktion in „Billiglohnländer“.

Die Arbeitslosigkeit ist ein Element der absoluten Verelendung (Verarmung, soziale Verschlechterung, Senkung des Lebensstandards) der Arbeiterinnenklasse. Sie senkt den Durchschnitt der Realeinkommen der Arbeiterinnenklasse nicht nur durch die niedrigeren Einkommen der Arbeitslosen, sondern drückt auch auf die Löhne der Beschäftigten und verschlechtert auf diese Weise auch deren Lebenslage. Den Versuchen des Kapitalismus, seit der Weltwirtschaftskrise 1929/33 durch staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben das Ausmaß der Arbeitslosigkeit einzudämmen (z.B. >New Deal), sind nur teilweise Erfolg beschieden. da sie das Gesetz der Krisen nicht aufheben können.

In der Politische Ökonomie bestehen konträre Ansätze für die Lösung der Arbeitslosigkeit. Der Marxismus z.B. geht von der Konjunktur- und Krisentheorie, dem Ungleichgewicht mit schwankender Arbeitslosigkeit. die langfristig steigt, aus: das bedeutet. dass die Arbeitslosigkeit im Kapitalismus nicht zu lösen ist. Das neoklassische Gleichgewichtsmodell versucht. die Zahl der Arbeitslosen über die Lohnhöhe zu regulieren (mikroökonomischer Ansatz). Das keynesianische Ungleichgewichtsmodell geht davon aus. dass niedrige Löhne zu Arbeitslosigkeit führen und dass das wirtschaftliche Gleichgewicht durch staatliche Intervention hergestellt werden muss (makroökonomischer Ansatz).

>ABM, >Arbeitslosenquote. \'Arbeitslosenunterstützung, >Arbeitslosenversicherung, >Arbeitsmarkt. >Arbeitsmarkt, zweiter, >Arbeitsmarktflexibilität, >Arbeitsmarktpolitik, >Beschäftigungspolitik. >Bundesanstalt für Arbeit, >Existenzminimum, >Existenzunsicherheit, >Freisetzungseffekt, >Industrielle Reservearmee, >Recht auf Arbeit, >Sozialleistungen

Nichtbeschäftigung von lohnabhängigen, beschäftigungswilligen Arbeitskräften (Arbeitsmarkt). Statistisch erfasst werden nur die bei der Arbeitsverwaltung registrierten Arbeitssuchenden. Damit werden diejenigen "unsichtbaren" Arbeitslosen nicht erfasst, die zwar arbeitswillig sind, sich aber aus persönlichen Gründen nicht bei den Arbeitsämtern melden. Versteckt arbeitslos sind auch diejenigen Arbeitnehmer, die innerhalb des Betriebes unterbeschäftigt sind. Eine weitere Unterscheidung stellt auf freiwillige und unfreiwillige Arbeitslosigkeit ab. Freiwillig arbeitslos sind diejenigen Arbeitskräfte, die zu den herrschenden Bedingungen zwar nicht zur Arbeitsaufnahme bereit sind, sich jedoch bei den Arbeitsämtern registrieren lassen, um finanzielle Ansprüche (etwa Lohnersatzleistungen) geltend zu machen. Neben der versteckten und der bestehenden freiwilligen Arbeitslosigkeit umfasst die sog. Arbeitsmarktreserve auch diejenigen potentiellen Erwerbspersonen, die sich nur durch eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen (etwa in der Hochkonjunktur) aktivieren lassen. Je nach Erscheinungsbild und Bestimmungsgründen zeigt sich eine breite Palette von Arten der Arbeitslosigkeit. Periodizität einerseits, "strukturelle" Bedingtheit andererseits müssen als Unterscheidungsmerkmale berücksichtigt werden. (1)  Saisonale, konjunktuelle und langfristige Arbeitslosigkeit: Saisonarbeitslosigkeit ist entsprechend dem Charakter der Beschäftigung an bestimmte Zeitabschnitte im Jahresablauf gebunden. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist bedingt durch fehlende Produktionsanreize und damit Beschäftigungsmöglichkeiten im Rahmen der bestehenden Produktionsanlagen und Arbeitsplätze. Für Hemmnisse dieser Art können sowohl Nachfrageausfall als auch nichtüberwälzbare Ko- stenniveausteigerungen (zu hohe Reallöhne) massgebend sein. Lang andauernde Arbeitslosigkeit beruht auf einem zu langsamen Anstieg oder auf einer Schrumpfung der Anzahl der existierenden Arbeitsplätze wegen mangelnder Kapitalbildung im Zuge des Wachstumsprozesses oder wegen starker technologischer Veränderungen, d.h. Rationalisierung im Sinne arbeitssparenden technischen Fortschritts. Eine starke demographisch bedingte Vermehrung des Arbeitskräftepotentials vermag derartige Tendenzen besonders spürbar werden zu lassen. (2)  Friktionale, strukturelle und strukturierte Arbeitslosigkeit: Fluktationsbedingte (friktionale) Arbeitslosigkeit tritt in stark unterschiedlicher Fristigkeit und Begründung auf. Da bei Arbeitsplatzwechsel stets Übergangsund Suchzeiten in Kauf genommen werden müssen (und aus rationalen Erwägungen absichtlich eingeplant werden), handelt es sich hier um eine Art "natürlicher" Arbeitslosigkeit. Ihr Ausmass ist bei gegebener Mobilität der Arbeitskräfte stark vom Ausmass der sektoralen und regionalen Strukturwandlungen in der Volkswirtschaft bedingt. Die Mobilität der Arbeitskräfte ihrerseits hängt vom Charakter der Strukturwandlungen, von der Umstellungsfähigkeit und -Willigkeit (Zumutbarkeitsanordnung) sowie von den Hilfestellungen des Bildungssystems ab. Bei entsprechender ungünstiger Konstellation kann sich unabhängig von einem gesamtwirtschaftlich hinreichenden Arbeitsplatzangebot eine lang andauernde Inkongruenz des unterschiedlichen qualitativen Teilangebots und der Teilnachfrage einstellen. Hier wird mit besonderer Berechtigung der "strukturelle" Charakter der Arbeitslosigkeit betont. Verfestigte "strukturierte" Arbeitslosigkeit bestimmter Gruppen von Arbeitnehmern ergibt sich schliesslich in zunehmendem Masse, wenn bei länger dauernder Freisetzung der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zu verstärkter Verdrängung minderprivilegierter Arbeitnehmer führt, deren Wiedereingliederung auf zunehmende Schwierigkeiten stösst.       Arbeitslosigkeit Wirtschaftspolitische Ansatzpunkte zur Verringerung der Arbeitslosigkeit lassen sich nur unter Berücksichtigung des Gesamtspektrums der Bestimmungsgründe der Beschäftigungssituation sowie der Wirkungszusammenhänge in den einzelnen Bereichen finden (Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigungspolitik).                              Literatur: Brandes, WJWeise, P., Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit, Würzburg, Wien 1980. Lärm, T Arbeitsmarkttheorie und Arbeitslosigkeit, Frankfurt a.M. 1982. Maneval, H., Die Arbeitslosigkeit, Begriff und Messungsprobleme, in: WiSt, 8. Jg. (1979), S. 55 ff.

Siehe Freiwillige Arbeitslosigkeit, Beveridge-Kurve

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