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Klassik

Als klassische Periode der Nationalökonomie bezeichnet man im allgemeinen eine Phase, die vom 18. Jh. bis zum Beginn der 70er Jahre des 19. Jh. reicht. Meist rechnet man zur Schule der Klassiker die englischen Nationalökonomen Adam Smith, Thomas Robert Malthus, David Ricardo, John Stuart M/7/, den Franzosen Jean Baptiste Say und die Deutschen Karl-Heinrich Rau, Friedrich von Hermann, vornehmlich aber Johann Heinrich von Thünen. Es besteht kein Zweifel daran, dass der klassischen Schule der Nationalökonomie das Verdienst zugesprochen werden muss, die Wirtschaftswissenschaft zum Rang einer selbständigen Disziplin mit eigenem Formalobjekt und eigener Methode erhoben zu haben. Gleichfalls ist es unbestritten, dass das Paradigma klassischen Denkens durch Smith geprägt wurde; er entwickelte die Grundsätze der neuen Lehre und deren Systematik. Mit Recht wird darauf aufmerksam gemacht, dass die klassische Schule kein gleichförmiges und einheitliches Lehrgebäude darstelle. Ihre Einheitlichkeit und Gleichförmigkeit beschränke sich auf drei Elemente (Goetz Briefs): •   die individualistische Verfassung der liberalen Wirtschaft, d. h. das Individuum entscheidet in freier Selbstbestimmung und wirtschaftlicher Selbstverantwortung, •   die Steuerung des Handelns von Individuen, welche dem Selbstinteresse folgen, durch Prozesse des Wettbewerbs, die für die Funktionsfähigkeit des Systems eine Voraussetzung darstellen, weil sie das Gesamtsystem im Gleichgewicht halten, •   den Staat als Ordnungs- und Schutzmacht eines Systems, das institutioneil durch den Markt, funktionell durch Selbstinteresse und Konkurrenz integriert ist. Unterschiede konstatiert Briefs im Hinblick auf die breite humanistische Grundlage im Werk von Smith, einen utilitaristischen Einschlag mit starker kirchlicher Prägung bei Malthus, die Zugehörigkeit zur Londoner Börsenwelt bei Ricardo, den Konflikt zwischen später bürgerlicher Aufklärung und sozial bestimmtem Humanismus bei John Stuart Mill, die logische und rationale Systematik bei Say und die lutheranisch religiöse Prägung von Thünens. Formale Unterschiede mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen (Liberalismus) zeigen sich zudem zwischen dem Systemkonzept bei Smith und der "reinen" Theorie bei Ricardo, der mit seiner Freihandelstheorie die wissenschaftliche Grundlage des sog. Manchester-Liberalismus schuf (Laissez faire). Gleichwohl wirkt bis in die Gegenwart eher der systembildende Vorrang des Werkes von Smith. Unbestritten ist, dass Smith von einer theoretischen oder philosophischen Geschichtsbetrachtung ausging, als er seine Werke verfasste. Diese Geschichtsbetrachtung, die der schottischen Aufklärung, war stark empirisch ausgerichtet und im wesentlichen kritisch gegenüber der dogmatischen Scholastik. Sie war getragen von einer umfassenden Systemidee. Die menschliche Gesellschaft erscheint als "eine grosse Maschine, deren regelmässige und harmonische Bewegungen tausend angenehme Wirkungen hervorbringen". Die Grundlegung der klassischen Ökonomik im Werk von Smith ist eine Zusammenfassung vorhandener Teilerkenntnisse über gesellschaftliche und ökonomische Tatbestände in einem System untereinander verbundener Prinzipien. Diese belegen die Übernahme des Wertsystems der Aufklärungsphilosophie: Vernunft, Toleranz, Respekt vor individueller Freiheit, Humanität und Hingabe an die Suche nach objektiver Wahrheit, soweit dies menschenmöglich ist. Märkte dienen nicht als Mittel zur Erfüllung bestimmter Ziele. Sie sind eher institutioneile Verkörperung jener freiwilligen Austauschprozesse, in die sich Individuen mit ihren heterogenen Handlungskapazitäten begeben, um die Voraussetzungen für die Begründung kooperativer Arrangements zu schaffen, die allseitige Vorteile erwarten lassen. Die Institution des Marktes ist mehr als ein Tausch Vorgang; sie schafft Anreize und Rahmenbedingungen zur Wohlstandssteigerung. Ausdrücklich betont Smith, dass seine Studie über den "Wohlstand der Nationen" als Lehre für den Staatsmann, als Politische Ökonomik angelegt ist. Ungefähr zwei Fünftel seines ökonomischen Hauptwerks sind der Frage gewidmet, wie der Katalog öffentlicher Aufgaben in einem freien Gemeinwesen aus- sehen soll; er reicht von der Infrastruktur über das Geld- und Münzwesen bis zur Bildung und Gesundheit. Smith liefert kein Argument, das den Staat als entbehrlich erscheinen lässt; sein Strukturmuster einer Wirtschaftsordnung entspricht dem einer dualen Ordnung, einer Ordnung von Markt und Staat. Mit seinem Werk räumt Smith unmissverständlich den Vorwurf, die Wirtschaftswissenschaften vernachlässigten in ihren Analysen den institutioneilen Rahmen, zumindest für die klassische Tradition aus. Bei Smith geht es definitiv um die Entdek- kung der materiellen und institutioneilen Voraussetzungen für die Entfaltung von Wohlstand, um die Frage nach der Sozialordnung, die Glück bewirkt, indem sie Armut beseitigt. Ins Zentrum rückt hier die Frage nach den Quellen, nach den Fonds, die das Wohlfahrtspotential eines Volkes bestimmen. Die Antwort der Klassik lautet: Entscheidend sind der Aufbau und die dauerhafte Existenz produktiver Ressourcen - eine am öffentlichen Wohl interessierte erwerbsfähige Bevölkerung (Humanvermögen), ein anpassungsfähiger Bestand an ("akkumuliertem") Produktivvermögen, Institutionen, die Sympathie, wechselseitigen Beistand, Regeln gerechten Verhaltens gewährleisten, und ein Staat, der sich selbst nicht absolut setzt ( Merkantilismus, Phy- siokratie), der sich dem Wohl seiner Bürger verpflichtet weiss.     Literatur: Briefs, G., Untersuchungen zur klassischen Nationalökonomie, Jena 1915. Kaufmann, F. XJ Krüsselberg, H. G. (Hrsg.), Markt, Staat und Solidarität bei Adam Smith, Frankfurt a.M., New York 1984. Recktenwald, H. C., Die Klassik der ökonomischen Wissenschaft, in: Issing, O. (Hrsg.), Geschichte der Nationalökonomie, 2. Aufl., München 1988, S. 49 ff.

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