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Laissez faire

Im 19. Jahrhundert praktizierte, extreme Form des von den (englischen) Klassikern (klassische Theorie) entwickelten Wirtschaftsliberalismus, die eine freie und somit vom Staat weitestgehend unbeeinflusste Wirtschaftstätigkeit fordert. »Nachtwächterstaat«, der nur für innere Rechtssicherheit und Schutz nach außen zu sorgen hat. In dieser Form des Kapitalismus werden die eine soziale Marktwirtschaft bestimmenden ordnungs-, sozial- und strukturpolitischen Strukturpolitik) Aufgaben des Staates vernachlässigt.

In der Wirtschaftssoziologie: (frz.), [1] Bezeichnung für eine Wirtschaftspolitik des Staates, die auf jeden regulierenden Eingriff in das Wirtschaftsgeschehen verzichtet. Die Forderung nach laissez-faire wird vor allem vom klassischen Liberalismus (A. Smith) in der Überzeugung vertreten, dass Konsumtion und Produktion von Gütern über Konkurrenz und Preisbildung auf freien Märkten zum Gleichgewicht und zur optimalen Allokation von Ressourcen und Gütern tendieren.

[2] In der Pädagogik bedeutet laissez-faire einen weitgehenden Verzicht auf regulierende Eingriffe in den Lernprozess des Kindes durch den Erzieher. Hierhinter steht die Auffassung, dass sich das Kind aufgrund eigener Erfahrung selbst zu regulieren lerne.

[3] In Typologien von Führungsstilen in der Organisations- und Betriebssoziologie wird mit laissez-faire ein Mangel an Anweisung und Kontrolle durch den Vorgesetzten bezeichnet, der insbesonders gegenüber demokratischen Führungsstilen nach einer Reihe von Forschungen zu geringerer Aktivität und Produktivität der Mitglieder der Organisation führen soll.

das Beiwort für Wirtschaft oder Kapitalismus, mit dem eine in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu Ende gegangene Periode wirtschaftspolitischer Programmatik umschrieben wird. Laissez faire ist Ausdruck für eine Maxime, ein politisches Postulat, die Wirtschaft in dem Sinne sich selbst zu überlassen, dass man die Aktivität des privaten Unternehmertums von allen Fesseln befreit. Mit dieser Devise der Nichteinmischung des Staates verband sich die Vorstellung einer Wirtschaft, die von Regulierungsentscheidungen der staatlichen Administration frei, zugleich aber auch, abgesehen von der rechtlichen Ordnung des bürgerlichen Lebens und der mnaeisgebraucne, Keinerlei uranungs- konzepten des Staates unterworfen sein sollte. Diese Variante des Prinzips des Laissez faire entspricht somit der Forderung an den Staat, die Wirtschaft sich selbst zu überlassen. Dann würden die wirtschaftliche Entwicklung und das Wohl der Allgemeinheit am besten gefördert. Es gibt nur wenige Begriffe in der Sprache des Wirtschaftslebens, die in ihrer Bedeutung so weitreichend verfremdet und verformt worden sind wie der des Laissez faire. Die Entstehung des Laissez faire-Gedan- kens gehört in die Periode der (Emanzipa- tions-)Bemühungen des Kaufmanns-Standes, seine Belange gegenüber Landesfürstentum, Adel und Klerus zur Geltung zu bringen, in eine Phase, in der die merkantilistische Wirtschaftspolitik des Colbertismus Frankreich in grösste wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hatte, also in die vorphysiokratische Zeit. Auf Fragen Jean B. Colberts, wie am ehesten eine Belebung der Gewerbetätigkeit erzielt werden könnte, soll ihm (1680) von einem Kaufmann die Empfehlung gegeben worden sein: Laissez-nous faire! Der Handel bedürfe nichts weiter, als vom Staat in Ruhe gelassen zu werden. Bei einem (staatlichen) Verzicht auf die Vergabe von Privilegien (Monopolrechte) und auf Disziplinierung der Wirtschaft (Merkantilismus) werde sich alles von selbst wieder zum Guten wenden. Diese Maxime bleibt bis Mitte des 18.Jh. nachhaltig in der Diskussion: Um besser regieren zu können, müsse weniger administriert werden. Laissez faire steht für die Forderung nach Begründung von Gewerbefreiheit als Eckpfeiler einer Politik der "Modernisierung" von Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung sozialer Mobilität und wirtschaftlicher Effizienz (Manchestertum). Gedacht ist zusätzlich an internationale Verkehrsfreiheit im Sinne absoluter Zollfreiheit, ein Verkehr der Waren über die Grenze "frei wie die Luft und das Wasser". Ganz Europa habe ein allgemeiner und wirtschaftlicher Markt zu sein (Marquis d\'Argen- son). Ohne die Formel zu erweitern, war sie damit bereits zu einer Gesamtforderung nach Gewerbefreiheit und Verkehrsfreiheit ausgewachsen: "Laissez passer" fordert hier die Revision der Irrtümer merkantilistischer Getreidehandelspolitik, speziell des Getreideausfuhrverbots. Ohne Zweifel erschöpft sich die geistige Haltung, die sich in der Maxime des Laissez faire, laissez passer ausdrückt, nicht allein in der Forderung nach Freihandel, nach Verkehrsfreiheit. Stets bleibt der erste Teil der Formel, das Postulat der Gewerbefreiheit, wirtschaftlichen Akteur zwar die Chance unbehelligter Initiierung seiner Geschäfte eingeräumt wird, ihm im Fall seines Bankrotts jedoch keinerlei staatliche Hilfe zusteht. So ist Freihandel nur ein Element eines umfassenden wirtschaftspolitischen Systems. Stark blieb die Position der Anhänger des Laissez faire, solange die stürmische wirtschaftliche Entwicklung mit ihren augenfälligen Wohlfahrtsgewinnen für (fast) alle Teile der Bevölkerung andauerte. dass diese Doktrin sich verabsolutierte, sich von ihren geistigen Wurzeln abhob und letztlich zu einem lediglich formal argumentierenden Schlagwort entartete, das seine Verfechter der Notwendigkeit, die sozialen Rahmenbedingungen und die Schattenseiten der industriellen Revolution zu bedenken, enthob, ist das Grundthema der Auseinandersetzung der historischen Schule mit dem Manchestertum und der geschichtlichen Entwicklung des Liberalismus.               Literatur: Oncken, A., Die Maxime ,Laissez-faire et laissez-passer‘, ihr Ursprung, ihr Werden, Bern 1886. Oncken, A., Quesnay, François, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. VI., 3.  Aufl., Jena 1910, S. 1270ff. Preiser, E., Die Zukunft unserer Wirtschaftsordnung, Göttingen 1960.

entstand in Frankreich des 18. Jh. als Motto für die Bestrebungen, hinderliche Staatseingriffe insbes. im Getreidehandel abzuschaffen. Im 19. Jh. wurde dieses Motto der Schlachtruf aller liberalen Ökonomen, die eine weitgehende Beschränkung der Staatstätigkeit forderten.

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