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Merkantilismus

beschreibt die in den absolutistisch regierten Staaten Westeuropas ca. 1600-1750 vorherrschende Doktrin der Wirtschaftspolitik. Der merkantilistischen Politik lag keine geschlossene Theorie zugrunde, wohl aber die Idee, über die Entwicklung der Wirtschaftskraft des eigenen Landes auch auf Kosten benachbarter Länder bzw. Handelspartner die eigene politische und wirtschaftliche Macht zu stärken. Da man der Ansicht war, dass durch einen Handelsbilanzüberschuss und die damit verbundene Vergrößerung der inländischen Geldmenge, präziser der Gold- (oder Währungs-)reserven, ein Land »reicher« werde, versuchte man die Einfuhr von Fertigprodukten aus dem Ausland zu verhindern, die Einfuhr von Rohstoffen, die der eigenen Produktion und dem eigenen Export dienten, ebenso wie die eigenen Ausfuhren von Fertigprodukten zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden bemerkenswert subtile Formen des Protektionismus über Schutzzölle, Handelshemmnisse, Einfuhrsteuern, Verwaltungsmaßnahmen etc. entwickelt und auch praktiziert. Ferner war man bestrebt, zur Steigerung der eigenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit die Arbeitskosten bzw. die in der Nähe des Existenzminimums liegenden Löhne durch billige Grundnahrungsmittel zu senken. Da zutreffend erkannt wurde, dass die Wirtschaftskraft eines Landes auch von der Qualität des Faktors Arbeit, der staatlichen Infrastruktur und einem nationalen produktionstechnischen Know-how abhängen, beschränkten sich die merkantilistischen Politiken nicht nur auf eine protektionistische Förderung des Außenhandels, sondern zielten auch auf eine aktive Wachstumspolitik durch die Einrichtung von Manufakturen und den vielfältigen Einsatz gewerbe-, verkehrs- und arbeitsrechtlicher Mittel.
Da dem Merkantilismus eine konsistente theoretische Basis fehlte, kam es zu zum Teil sehr unterschiedlichen nationalen Ausprägungen, die in Frankreich mit dem Namen Colbert, in England mit Cromwell und in Preußen mit Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten (Kameralismus), verbunden sind.
Die auch heute noch in weiten Kreisen herrschende Vorstellung, dass ein Handelsbilanzüberschuss immer etwas Gutes und ein Handelsbilanzdefizit Zahlungsbilanz) etwas Schlechtes sei, ist Ergebnis der irrigen merkantilistischen Grundannahme, dass durch die Vergrößerung (Verkleinerung) der Gold- bzw. Währungsreserven durch einen Exportüberschuss (Importüberschuss) ein Land reicher (ärmer) werde. Hierbei handelt es sich um eine Verwechslung von (realem) volkswirtschaftlichem Reichtum und Goldschätzen und/oder Währungsreserven. Die materielle Wohlfahrt bzw. der Reichtum eines Volkes hängt aber nicht vom umlaufenden Geld bzw. irgendwelchen Gold- bzw. Währungsreserven ab, sondern von den real zur Verfügung stehenden Gütern und Dienstleistungen. Da jeder Handelsbilanzüberschuss immer eine Kreditgewährung bedeutet, die sich ggf. in wachsenden Währungsreserven niederschlägt, stellt ein permanenter Handelsbilanzüberschuss einen realwirtschaftlichen Verlust dar, da permanent mehr im Inland erzeugte Güter ans Ausland abgegeben als vom Ausland bezogen werden, ein Verlust, der umso größer ist, je stärker die (inflationsund/oder abwertungsbedingten) Verluste der Währungsreserven sind. Diese Erkenntnis ist im Übrigen der Hintergrund des Zieles
»außenwirtschaftliches Gleichgewicht«.

In der sozialistischen Wirtschaftslehre: Ökonomische Lehre und Wirtschaftspolitik in den feudalen europäischen Ländern des 16. bis 18. Jahrhunderts (ursprüngliche Akkumulation).

Hauptziel ist die Bereicherung des eigenen Landes auf Kosten eines anderen. Durch strenge staatliche Reglementierung des Außenhandels (Ausfuhrprämien, Einfuhrverbot, Schutzzölle) sollte der Export gegenüber dem Import gesteigert werden um Gold und Silber, d.h. Geld, in das Land zu ziehen und die heimische Produktion zu fördern (dirigistisch/protektionistisch). Gefördert wurden insbesondere die damals modernsten Produktionsformen: Manufakturen. Urbarmachung von Land, Konzessionierung von Handelsgesellschaften zum Erwerb von Kolonien bis hin zu Territorial- und Handelskriegen. Die Herausbildung des Handelskapitals ist ein wesentliches Merkmal und eine Voraussetzung für die Entwicklung von kapitalistischen und modernen Produktionsstätten.

(système mercantile) Begriff, den die Phy- siokratie geprägt hat für eine Lehre, in deren Mittelpunkt wirtschaftspolitische Konzepte zur Förderung absolutistischer Staatsmacht standen. Zentraler Bezugspunkt merkantilistischen Denkens ist der Feudalstaat. Verallgemeinernd wurde das Merkantilsystem als ein System landesfürstlicher Wohlstandspolizei (A. Oncken) interpretiert (Kameralismus). Oft werden die Merkantilisten als die Staatenbauer des 16. und 17. Jh. bezeichnet. Mit ihnen entstand ein neues institutionelles Zentrum wirtschaftlicher Entwicklung (anstelle der Städte): der nationale Flächenstaat unter (absoluter) landesfürstlicher Herrschaft. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete der französische Absolutismus. Häufig wird deshalb - unzutreffend - die französische Variante des Merkantilismus (Colbertismus) als typisch für alle anderen Nationen angesehen; zwischen den westeuropäischen (Handels-) Ländern Frankreich, England, Holland und den kontinentalen deutschsprachigen Gebieten bestanden aber starke Unterschiede. Gleichwohl ergeben sich Übereinstimmungen in den Grundauffassungen. Merkantilismus ist eine Lehre über protektive und reglementierende Instrumente wirtschaftlicher und staatlicher Entwicklung. Die Fähigkeit der Staatsmänner wurde danach bemessen, inwieweit es ihnen gelang, einen Passivstand der politischen (der Macht-) Bilanz und der Handelsbilanz zu verhindern und darüber hinaus beide möglichst aktiv zu gestalten. Beides setzte die Abgrenzung, Vereinheitlichung, Stärkung und Ausdehnung des Staatsgebietes und der Staatsgewalt voraus. Beides erforderte Manufakturen, Handelsgesellschaften, Handels- und Kriegsflotten, koloniale Ausbeutung und Eroberungskriege. Nicht primär die Produktion galt als wert- oder reichtumschaffende Tätigkeit, sondern eher die Zirkulation. Die Politik Jean B. Colberts (1619-1683) intendierte eine radikale Umbildung von Staat und Gesellschaft durch die Schaffung einheitlicher Zoll- und Machtgebiete, die straffe Zentralisierung der Verwaltung, die Reform des Steuersystems zum Zweck der Sanierung der Staatsfinanzen, die Schaffung von Infrastruktur, die Weckung von Unternehmungsgeist auf der staatlichen Ebene und die Übernahme wirtschaftlicher Tätigkeiten, welche Initiative und Risikobereitschaft erforderten, ins Ressort des Staates sowie die Vergabe von Monopolen und Privilegien durch die Zentrale. Begründet wurde ein Wirtschaftssystem der militanten feudalen Nationalstaatlichkeit. Einer dynamischen Politik innerhalb des Staatsgebietes, die Investitionen förderte und dem Bürgertum Möglichkeiten zur Ausschöpfung der noch beschränkten wirtschaftlichen Kapazität zu gewährleisten suchte, stand die statische Auffassung von der Unvermehrbar- keit der ökonomischen Ressourcen der Welt gegenüber. Dies drückt sich in der These aus, dass - auch auf der Ebene der Nationen - der Vorteil des einen der Schaden des anderen sei. Keiner könne gewinnen, ohne dass der andere verliere; das galt nicht nur für Landgewinn. Es herrschte auch die Vorstellung, dass das europäische Handels- und Geldvolumen eine relativ konstante Grösse sei, über deren Aufteilung die realen Machtverhältnisse entschieden. Der Verbürgerlichung im Sinne einer Pazifizierung im Innern entsprach daher die Aggressivität nach aussen. Eine endlose Kette von Handelskriegen war die Folge. Die Handelsbilanz zu aktivieren, war das zentrale wirtschaftliche Dogma des Merkantilismus, einer Lehre vom Handel, insbesondere vom Aussenhandel, der durch das ins Inland einströmende Gold die Staatsmacht stärkt. Gemeint ist damit - im Gegensatz zu einer vielfach vertretenen irrtümlichen Auffassung - nicht, dass Edelmetall bereits Reichtum bedeute. Geldgewinn im Aussenhandel sollte dazu dienen, Vermögenswerte zu begründen. Er sollte die Kapitalanlage im Inland fördern und der einheimischen Bevölkerung Arbeitsplätze schaffen und sichern. In diesem Sinne interpretierten zahlreiche merkantilistische Autoren die Handelsbilanz direkt als Bilanz der Arbeitsgelegenheiten.          Literatur: Blaich, F., Merkantilismus, in: HdWW, Bd. 5, Stuttgart, New York 1980, S. 240 ff. Heckscher, E. F., Mercantilism, 2. Aufl., London, New York 1955. Oncken, A., Geschichte der Nationalökonomie, Leipzig 1902.

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