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meritorisches Gut

Gut

(merit good) Gut, bei dem die Nachfrage der Privaten hinter dem "gesellschaftlich erwünschten" Ausmass zurückbleibt. Ein meritorisches Gut könnte wegen seiner Eigenschaften grundsätzlich über den Markt ange- boten werden, da Rivalität im Konsum und Ausschliessbarkeit (zumindest für Teile der Nutzen) gegeben sind (Kollektivgut). Bei privatem Angebot entsprechend den individuellen Präferenzen kommt es aber zu einem im Urteil der politischen Entscheidungsträger unerwünschten Ausmass des Güterangebots. Zur Korrektur werden staatliche Eingriffe in die individuellen Präferenzen erforderlich. Sofern ein Mehrangebot geschaffen werden soll, spricht man von meritorischen Gütern (z.B. Leistungen im Ausbildungs-, Wohnungswesen) ; soll das Angebot dagegen reduziert werden, liegen demeritorische Güter (demerit goods) vor (z.B. Alkohol, Drogen). Richard A. Musgrave, der das Konzept der meritorischen Güter im wesentlichen entwik- kelt hat, rechtfertigt die staatlichen Eingriffe mit drei Argumenten: (1)  Meritorische Güter enthalten meist auch Elemente der spezifisch öffentlichen Güter, was staatliche Aktivitäten bereits rechtfertigen würde. (2)  Es gibt eine besser informierte Gruppe, die berechtigt ist, anderen ihre Entscheidungen aufzuerlegen, wobei diese Gruppe allerdings demokratisch legitimiert sein muss. (3)  Die individuellen Präferenzen sind oft durch Werbung verzerrt; dem muss der Staat entgegenwirken. John Head hat dem noch ein weiteres Argument hinzugefügt. Das Angebot meritorischer Güter ist oft verteilungspolitisch motiviert: Bezieher niedriger Einkommen sollen mit Gütern versorgt werden, die zum Nulltarif (also ohne spezielles Entgelt) oder zu nicht kostendeckenden Preisen abgegeben werden. Das staatliche Angebot meritorischer Güter ist wegen des Verstosses gegen die individuellen Präferenzen umstritten. Aber selbst wenn akzeptiert wird, dass der Staat ein bestimmtes Angebot sichern soll, folgen daraus keineswegs budgetäre Massnahmen. Ein gewünschtes Angebot kann z.T. durch Gesetze (Gebote und Verbote) gesichert werden; in anderen Fällen mögen schon Aufklärungsaktionen ausreichen. Sofern Staatsausgaben oder Staatseinnahmen eingesetzt werden, sind wiederum verschiedene Formen möglich: Subventionen an private Anbieter, steuerliche Massnahmen oder eigenes Angebot und eigene Produktion des Staates. "Meritorische Güter an sich" gibt es nicht, sondern lediglich Vorstellungen der Politiker darüber, welche Güter "mentorisiert" werden könnten oder sollten. Da diese Güter grundsätzlich auch über den Markt angeboten werden könnten, stehen sie immer wieder zur Diskussion, wenn es um die Privatisierung öffentlicher Leistungen geht.           Literatur: Musgrave, R. AJMusgrave, P. BJKullmer, L., Die öffentlichen Finanzen in Theorie und Praxis, Bd. 1,5. Aufl., Tübingen 1990, S. 73 ff.  

Siehe auch: Güter

Siehe: Gut, Güter

Öffentliche Güter



(= merit goods) Güter, bei denen im Gegensatz zu öffentlichen Gütern der privatwirtschaftliche Ausschließungsmechanismus funktioniert und der Konsum rivalisiert, bei denen aber private Nachfrage und/oder privates Angebot hinter dem eigentlich gesellschaftlich gewünschten Umfang (merit wants) zurückbleiben, weil die individuellen Präferenzen verzerrt sind. Ein Beispiel für meritorische Güter ist das - Gut Bildung. Hier können verzerrte Präferenzen zu einer zu geringen Nachfrage führen, und so gesehen, kann es im wohlverstandenen Interesse der Allgemeinheit liegen, für alle Staatsbürger die Ausbildung durch öffentliches Angebot (zumindest durch öffentliche Kontrolle) zu regeln und die Nachfrage z.B. durch Schulpflicht zu verändern, obwohl der Markt für das Gut Bildung durchaus privatwirtschaftlich organisierbar ist. Da die freiwillige individuelle Nachfrage mit Blick auf die gesellschaftlich gewünschte Nachfrage (Kollektivbedürfnisse) nicht ausreicht, muss man annehmen, dass die Mehrheit der Individuen ein solches Angebot von meritorischen Gütern zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wünscht. Ein benevolent despot, ein besserwissender Einzelner oder eine kleine informierte Gruppe müßte letztlich zugunsten der Mehrheit über deren aktuelle individuelle Bedürfnisse hinweggehen. Da dieses Konzept mit dem individualistischen Prinzip nur schlecht zu vereinbaren ist, hat der von Richard A. MUSGRAVE eingeführte Begriff der meritorischen Güter in der wohlfahrtsökonomisch determinierten Finanzwissenschaft keinen festen Platz gefunden und ist in seinen Ergebnissen wohl eher dem Problembereich der Neuen Politischen Ökonomie, nämlich der Erklärung und Gestaltung politischer Entscheidungsprozesse mit ökonomischen Methoden, zuzuordnen. Literatur: Musgrave, R.A., Musgrave, P.B., Kullmer, L. (1990)

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