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Entscheidungsprozess

1. Entscheidung als Ergebnis eines Prozesses
a) Formale Dimension der Entscheidung Neben einer aufbauorientierten Betrachtung der Entscheidung existiert eine ablauforientierte Sicht. Die Aufbauanalyse behandelt die Entscheidungsprämissen und ihre Verarbeitung in aufbauorientierten Grund modellen. Im Mittelpunkt der Ablaufanalyse steht dagegen der Entscheidungsprozess und seine einzelnen Phasen (Entscheidungsprozeß, Phasen des). Die Entscheidung wird demnach nicht auf den bloßen Entscheidungsakt (engste Definition) reduziert, sondern sie ist das Ergebnis eines Prozesses. Bei einer engen Auslegung des Begriffs Entscheidungsprozess umfaßt der Entscheidungsprozess die Entscheidungsvorbereitung und die (Final) Entscheidungen. Bei einer weiteren Begriffsauffassung werden die Ausführung und die Kontrolle mit einbezogen.
b) Verhaltensdimension der Entscheidung wird der gesamte Entscheidungsprozess einer Person zugeordnet, die alle dabei anfallenden Aufgaben bzw. Aktivitäten ohne die Beteiligung anderer Personen zu erfüllen hat, so handelt es sich um einen individualen Entscheidungsprozess Dagegen liegt ein kollektiver Entscheidungsprozess immer dann vor, wenn mehrere Personen beteiligt sind. Im allgemeinen verfügen die am Entscheidungsprozess Beteiligten einerseits über eine unterschiedliche subjektive Sicht der realen Problemsituation, andererseits über eine unterschiedliche Präferenz oder Wertordnung, so daß sie von verschiedenen Wertprämissen ausgehen und somit unterschiedliche Interessen verfolgen. Die Herstellung des für kollektives Entscheiden jeweils erforderlichen Grades an Handlungskonsens zwischen den am Entscheidungsprozess beteiligten Personen geschieht mittels Konflikthandhabungs und Konsensbildungsaktivitäten. Solche durch Interessenpluralismus gekennzeichneten Prozesse werden auch als politische Entscheidungsprozess bezeichnet.
2. Entscheidungen über Alternativenfolgen im Zeitablauf Der Begriff des Entscheidungsprozess wird auch für mehrperiodige Entscheidungssituationen (Entscheidungsbaum) verwendet. Man unterscheidet hier je nach Informationsgrad über die Umweltsituationen zwischen deterministischen und stochastischen Entscheidungsprozess (Vgl. Hax 1974, S. 70 ff.)

In der Wirtschaftssoziologie: Entscheidungen, mehrstufige

1.  im Rahmen der präskriptiven Entscheidungstheorie synonyme Bezeichnung für ein mehrstufiges Entscheidungsproblem. 2.  im Rahmen der deskriptiven Entscheidungstheorie Bezeichnung für die Abfolge verschiedener Aktivitäten, die dem Zustandekommen einer betrieblichen Entscheidung (Auswahl einer Handlungsalternative) vorausgehen und mit ihrer Durchführung verbunden sind. Dabei wird zunächst einmal das Entscheidungsverhalten von einzelnen Personen analysiert; der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt jedoch auf Entscheidungsprozessen in Organisationen, die unter Beteiligung von mehreren Personen mit divergierenden Individualzielen ablaufen. Bei enger Begriffsbildung werden nur die Aktivitäten bei der Entscheidungsvorbereitung und der eigentliche Auswahlvorgang als Entscheidungsprozess bezeichnet. Er wird dabei gedanklich in den  Zielbildungsprozess, Informationsprozess und Auswahlprozess aufgegliedert. Bei weiterer Begriffsbildung werden zusätzlich auch die Durchführung und die Kontrolle einer gefällten Entscheidung in den Begriff einbezogen.          

Sämtliche Schritte eines Individuums von der Bedürfnisrealisierung bis zu den Gedanken und Gefühlen, die sich nach dem Erwerb eines Produkts bzw. bei der Verwendung manifestieren (können). Die Phasen eines (umfassenden) Entscheidungsprozesses sind: Erkennen des Bedürfnisses, Informationssammlung, Bewertung von Alternativen, Kauf oder Nichtkauf sowie Nachkaufprozeß.

Bei dem Entscheidungsprozeß lassen sich mehrere Phasen feststellen, wobei die Willensbildung und die Willensdurchsetzung die Hauptphasen darstellen. Der Entscheidungsprozeß wird durch das Erkennen ausgelöst, daß irgendeine Entscheidung getroffen werden muß, um einen Zustand zu verändern oder ein noch offenes Problem zu lösen. Mit dem Erkennen der Notwendigkeit einer Entscheidung wird die 1. Phase des Entscheidungsprozesses, die Anregungsphase, eingeleitet. Die nächste Phase, die Suchphase, umfaßt alle Aktivitäten, die im Zusammenhang mit dem Auffinden von möglichen Handlungsalternativen stehen. Mit der 3. Phase, der Auswahl- oder Optimierungsphase, ist die Willensbildung abgeschlossen. Eine Entscheidung über eine Alternative ist getroffen worden, die unter verschiedenen Möglichkeiten das gesetzte Ziel am besten zu erreichen verspricht. In der 4. Phase, der Realisationsphase, erfolgt die Willensdurchsetzung. Die ausgewählte Alternative wird den zuständigen Stellen im Betrieb zur Verwirklichung weitergeleitet. Alle Phasen des Entscheidungsprozesses müssen ständig überwacht werden, damit eine Anpassung an Änderungen vorgenommen werden kann. Die Kontrollphase überlagert somit den Vorgang der Willensbildung und den der Willensdurchsetzung. Sie bewirkt bei Abweichungen in der Willensdurchsetzung neue Willensbildungen, die ihrerseits eine geänderte Willensdurchsetzung nach sich ziehen. Diese müssen in der letzten Phase des Entscheidungsprozesses wieder kontrolliert werden, so daß ein kybernetisches System festgestellt werden kann.

1. Das logischprozessuale Grund modell der Entscheidungstheorie Das Makromodell In der Literatur gibt es für Aufgliede rungen des Entscheidungsprozesses eine Fülle von Systematisierungsvorschlägen. Diese unterscheiden sich zwar in ihrer Breite und Tiefe sowie in der Bezeichnung des gesamten Prozesses (z. B. Problemlösungsprozeß oder Planungsprozeß) wie auch der einzelnen Phase, lassen aber trotzdem ein gewisses Grund modell erkennen. Das Grund modell (Makromodell) besteht darin, daß einer Entscheidung die Entscheidungsvorbereitung vorausgeht, während sich der Entscheidung die Entscheidungsausführung und Kontrolle anschließen. (Die reine Ausführung mag schon jenseits eines Entscheidungsprozesses betrachtet werden. Sie soll allerdings hier trotzdem mit einbezogen werden, da sie auf zahlreiche Probleme aufmerksam zu machen gestattet.) Das Grund modell selbst stellt ein abstraktes Muster von Entscheidungsprozessen dar und bringt damit die Möglichkeiten zum Ausdruck, wie ein konkreter Entscheidungsprozeß ablaufen kann, nicht aber, wie er ablaufen muß. Mit Hilfe dieses Grund modells läßt sich jeder Entscheidungsfall prozessual strukturieren. Das Grund modell ist folglich ein logisch gültiges (immer zutreffendes) Schema des Entscheidungsprozesses. Im Gegensatz dazu kann es in realen Entscheidungsprozessen durchaus der Fall sein, daß etwa einzelne Phasen ganz fehlen oder die Phasen in einer anderen Reihenfolge ablaufen. Sind dagegen alle vier Phasen vorhanden, so ist damit nicht gesagt, daß sie gleichbedeutend sind und deshalb etwa gleichviel Zeit beansprlichen müssen. Neben der bereits erwähnten Möglichkeit, einzelne Phasen zu überspringen, sind auch Rückkopplungen möglich. Die Pfeile insgesamt informieren also über mögliche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Phasen. Eine zeitlich zwingende Reihenfolge ist im Grund modell demnach nicht enthalten,
b) Das Mikromodell Nachdem ein Verständnis für das Makromodell entwickelt wurde, ist eine tiefergehende Aufgliederung durchzuführen. Die Verfeinerung orientiert sich dabei an zwei Gesichtspunkten. Einmal sind die mit dem Begriff der Entscheidungsprämissen angesprochenen Sachverhalte (aufbauorientierte Sicht der Entscheidung) in das Phasenschema zu integrieren. Daneben ist das Phasenschema so aufzugliedern, daß mögliche Probleme im Entscheidungsprozeß (ablauforientierte Sicht der Entscheidung) erkennbar werden.
3. Entscheidungsausführung Entscheidungsregeln Anlehnung an Irle (1971, S. 48) entwickelt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind in das Grund modell keine Rückkopplungsbeziehungen eingetragen, wenngleich sie natürlich auch hier gelten.
2. Die entscheidungstheoretische Interpretation des Grund modellsDas Grund modell wurde bislang ineiner neutralen Sprache beschrieben. Daneben kann es im Sinne der normativistischen und empirisch-realistischen Entscheidungstheorie interpretiert werden. Die normativistischeTheorie versteht das Phasenschema so, daß es den Entscheidungsträger informiert, wie er sich verhalten soll. Nach der empirischrealistischenTheorie beschreibt das Phasenschemadagegen reale Abläufe von Entscheidungsprozessen. Weitere Unterschiede zeigen sich in einer verschiedenartigen Interpretation der einzelnen Phasen.

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