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Klassische Theorie

»Der Wohlstand der Nationen« (1776) des schottischen Moralphilosophen Adam Smith (1723-1790) wird als das Fundament der klassischen Theorie und damit auch der modernen Wirtschaftstheorie angesehen. Kernaussage dieser Theorie ist, dass die individuelle Verfolgung des Eigeninteresses und das daraus resultierende Verhalten grundlegend für das menschliche Handeln ist. Im Rahmen akzeptierter gesellschaftlich thischer und ggf. staatlich sanktionierter Normen, garantierter Rechtssicherheit und intensiver Konkurrenz und offenen Wettbewerbs soll es über die »unsichtbare Hand« des Marktes zu einem Ausgleich der widerstrebenden Individualinteressen zum Wohle aller kommen. Die klassische Theorie wurde zur weithin neoklassischen allgemeinen Gleichgewichtstheorie weiterentwickelt und war der theoretische Ausgangspunkt für die Freiburger Schule, den Ordoliberalismus und die soziale Marktwirtschaft.

von Karl MARX (1818-1883) zur Bezeichnung der ökonomischen Lehren von William PETTY (1623-1687) bis David RICARDO (1772-1823) verwendeter Begriff. Spätere Verwendungen schließen die Periode bis zum Marginalismus im letzten Drittel des vorigen Jh. mit ein, John M. KEYNES (1883-1946) gar alle Theorie, die auf dem SAYschen Gesetz beruht, d.h. auch die Neoklassische Theorie. Im folgenden wird der Begriff eng abgegrenzt. Hauptwerke des klassischen Schrifttums sind Adam SMITHs (1723-1790) »An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations« (1776) und David RICARDOs »Principles of Political Economy, and Taxation« (1817). Die Klassische Theorie entstand parallel zur industriellen Revolution in England. Sie hat ihre Wurzeln in der englischen Moralphilosophie und der naturrechtlich geprägten Gesellschaftslehre der schottischen Aufklärung des 18. Jh. Um sein Eigeninteresse verfolgen zu können, muss das Individuum über Handlungsfreiheit verfügen; eine notwendige Voraussetzung hierfür ist die Institution des privaten Eigentums. Wettbewerb verhindert, dass die Bäume des einzelnen in den Himmel schießen. Eine Hauptbotschaft der klassischen Lehre lautet: Das System der natürlichen Freiheit (SMITH), in dem jeder, vorausgesetzt er gefährdet nicht die Sicherheit anderer, nach eigenem Gutdünken seine Interessen verfolgen kann, droht nicht in Anarchie und Chaos zu versinken; es ist vielmehr wie von unsichtbarer Hand gesteuert zur Selbstregulierung fähig. Die Hauptaufgaben des Staates bestehen darin, die Sicherheit des einzelnen und seines Eigentums zu garantieren und zur größtmöglichen Mehrung des nationalen Reichtums beizutragen. Die von SMITH geäußerte heftige Kritik an zahlreichen Staatseingriffen und sein Plädoyer zugunsten der Ausdehnung individueller Freiheitsspielräume in Wirtschaft und Gesellschaft berechtigen allerdings nicht zur Schlußfolgerung, es handele sich bei ihm um einen doktrinären Vertreter des laissez faire, laissez passer. Vielmehr sieht er ein weites Feld für staatliche Aktivität, das nicht unabhängig von den jeweiligen historischen Gegebenheiten zu definieren ist.
Klassische Theorie Gegenstand der Klassischen Theorie sind die Gesetze der Produktion, Verteilung und Verwendung des gesellschaftlichen Reichtums. Zentrale Konzepte sind dasjenige der Reproduktion und dasjenige des Überschußproduktes oder gesellschaftlichen Surplus. Ein ökonomisches System ist imstande, sich zu reproduzieren, wenn der Bruttooutput eines Jahres größer oder allenfalls gleich ist den im Zuge des Produktionsprozesses insges. verbrauchten Produktionsmitteln plus den zum Unterhalt der (produktiven) Arbeitskräfte nötigen Subsistenzmitteln (notwendige Konsumtion in RICARDOs Terminologie). Die Existenz eines Überschusses wirft die Frage nach seiner Verteilung und diejenige nach seiner Verwendung auf. Der Surplus kann grundsätzlich über Reallöhne, die das historisch und sozial bestimmte Subsistenzminimum übersteigen, an die Arbeitskräfte fließen oder die materielle Grundlage für alle Nichtarbeitseinkommen bilden. Zu den letzteren zählen insbes. die - Grundrenten der Bodenbesitzer und die Profite der Kapitalbesitzer. Der Surplus kann konsumtiv oder investiv, d.h. zur Akkumulation von Kapital verwendet werden. Je größer der in die Akkumulation gehende Teil, desto schneller das Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums. Da der klassischen Sicht zufolge aus Lohn vernachlässigbar viel, aus Grundrente wenig und nur aus Profit in größerem Umfang gespart und investiert, d.h. akkumuliert wird, ist die Frage nach der Verteilung von größter Bedeutung für die Akkumulations- und Wachstumsdynamik einer Gesellschaft. Wegen der engen Beziehung zwischen allgemeiner Profitrate einerseits und Akkumulationsrate andererseits gilt das Hauptaugenmerk von Autoren wie SMITH und RICARDO sowie MARX, der ihnen in wesentlichen Bezügen folgt, der langfristigen Tendenz der Profitrate. Das Konzept des sozialen Surplus findet sich klar formuliert bei PETTY als Differenz zwischen Getreideoutput und notwendigem Getreideinput, bestehend aus Saatgut und Unterhalt der Arbeiter. Der Surplus wird zur Rente der Grundbesitzer. Bei Richard CANTILLON (1697-1734) kommt es bereits zur Scheidung von Grundrente und Kapitalprofit, und selbst die Idee einer im Fall vollständiger Konkurrenz über alle Sektoren hinweg tendenziell einheitlichen Profitrate auf das vorgeschossene Kapital ist bei ihm anzutreffen. In der Sicht Francois QUESNAYs (1694-1774) und der Physiokratie ist ausschließlich die Landwirtschaft imstande, einen Surplus zu generieren, das produit net, das in Form von Rente angeeignet wird. Das Tableau Economique, die erste modellhafte Darstellung des wirtschaftlichen Kreislaufs, bildet den Prozess der Produktion, Verteilung und Verwendung des gesellschaftlichen Reichtums mittels eines zweisektoralen Systems (Landwirtschaft, Verarbeitendes Gewerbe) ab. Anne R.J. TURGOT (1727-1781) und Adam SMITH führen fast gleichzeitig das Konzept der konkurrenzkapitalistisch uniformen Profitrate in die ökonomische Analyse ein. Sie ist das Ergebnis der Suche eigeninteressierter Individuen nach möglichst profitabler Anlage ihres Kapitals. Um dieses Konzept sollte sich fortan ein Großteil der Diskussion drehen. Bereits frühzeitig findet sich auch die Unterscheidung zwischen aktuellen Werten oder Preisen einerseits und fundamentalen andererseits. SMITH und RICARDO sprechen von Marktpreisen und natürlichen Preisen, Robert TORRENS (1780-1864) verwendet für letztere auch den Begriff der Produktionspreise. Marktpreise spiegeln eine Vielzahl von Einflüssen zufälliger und vorübergehender Art wider und entziehen sich einer systematischen ökonomischen Analyse. Die natürlichen Preise hingegen bringen die jeweils geltenden grundlegenden Faktoren der Preisbestimmung zum Ausdruck. Die Konkurrenz der Arbeits-, Boden- und Kapitalbesitzer, gepaart mit der Mobilität von Arbeit und Kapital, bewirken eine Gravitation der Marktpreise zu den natürlichen Preisen. Letztere sind es, auf die sich die ökonomische Analyse zu konzentrieren habe. Als grundlegende Determinanten der natürlichen Preise erweisen sich · Größe und Zusammensetzung des Sozialproduktes, · kostenminimierende Technik zu dessen Erzeugung, · das herrschende Reallohnniveau. SMITH entwickelt seine Wert- und Verteilungstheorie ausgehend von der Vorstellung eines »frühen und rohen Zustands der Gesellschaft«, d.h. eines Zustands vor der privaten Aneignung von Grund und Boden und vor der Akkumulation von produzierten Produktionsmitteln in nennenswertem Umfang in privater Hand. In einer derartigen arbeitsteilig organisierten Gesellschaft der Sammler und Jäger tauschen sich die verschiedenen Produkte gemäss der zu ihrer jeweiligen Produktion direkt notwendigen Arbeit, wobei SMITH berücksichtigt, dass verschiedene Arten von Arbeit gesellschaftlich unterschiedlich viel gelten können. Sobald dieses frühe Stadium verlassen ist und Boden und Kapital privat angeeignet und ungleich verteilt sind, erhält der Arbeiter nicht mehr den gesamten Ertrag seiner Arbeit: - Grundrente und Kapitalprofit stellen Abzüge von letzterem dar. Die Grundrente ist SMITH zufolge im wesentlichen ein Monopolpreis, der an die Grundbesitzer zu entrichten ist. Das nach Abzug der Rente vom Surplus verbleibende Residuum stellt Kapitalprofit dar; dieser wird unter Bedingungen freier Konkurrenz zu tendenziell einheitlicher Rate unter den Kapitaleignern verteilt. Im fortgeschrittenen Zustand der Gesellschaft, so SMITH, sind die natürlichen Preise nicht länger proportional den in der Produktion der verschiedenen Waren aufgewendeten Arbeitsmengen, sondern ergeben sich als Summe der auf ihren »normalen« Niveaus gezahlten Löhne, Renten und Profite. RICARDO kritisiert an SMITH, dass dieser die Arbeitsmengentheorie des Werts voreilig aufgegeben habe. Sein erster Einwand gilt der SMITHschen Rentenerklärung. Wäre Boden erster Güte (in bester Lage) in ausreichender Menge verfügbar, um den gesamten gesellschaftlichen Bedarf an Getreide zu decken, und herrscht unter den Bodenbesitzern Konkurrenz, so könnte es keine Rente geben: Die Pacht würde auf Null hinunterkonkurriert, die Bodennutzung wäre ein freies Gut. Eine Rente entsteht nur dann, wenn auch Boden zweiter Güte (bzw. Boden erster Güte, aber in schlechterer Lage) bewirtschaftet werden muß, um den Getreidebedarf zu decken. Die Differenz zwischen den (höheren) Kosten je Getreideeinheit auf dem Boden zweiter und denjenigen auf dem Boden erster Güte führt zu einer extensiven - Differentialrente, die die Eigentümer des besseren Bodens einstreichen. Auf dem Grenzboden, hier dem Boden zweiter Güte, fällt hingegen keine Rente an, was RICARDO zur gegen SMITH gerichteten Aussage führt, der Getreidepreis sei nicht hoch, weil die Rente hoch sei, sondern die Rente sei hoch, weil der Preis hoch sei. Der Preis sei indes hoch, weil die Kosten hoch seien, d.h. auf dem Grenzboden je Produkteinheit relativ viel Arbeit nötig sei. Statt die Kultivation auf den nächstbesten Boden auszudehnen, kann der Boden bester Güte auch intensiver kultiviert werden, um den Getreideoutput zu steigern. Diese Überlegung führt RICARDO zum Konzept der Intensitätsrente. Welche der beiden Alternativen ergriffen wird, entscheidet sich gemäss des Kriteriums der Kostenminimierung, das der Technikwahl der Pächter-Kapitalisten zugrunde liegt. Die Theorie der Grundrente ist unabhängig von RICARDO und z.T. vor ihm von James ANDERSON (1739-1808), Thomas R. MALTHUS (1766-1834) und Edward WEST (1782-1828) entwickelt worden. RICARDOs zweiter Einwand richtet sich gegen SMITHs Behandlung der produzierten Produktionsmittel. Deren Verwendung muss die Arbeitsmengentheorie der relativen Preise nicht außer Kraft setzen. Im Unterschied zu SMITHs früher Gesellschaft ist jetzt allerdings zu beachten, dass neben der direkten Arbeit auch die indirekte, in den vernutzten Produktionsmitteln steckende Arbeit von Bedeutung ist. Sie überträgt sich im Akt der Produktion auf das erzeugte Produkt. Die relativen Preise weichen nur dann von den relativen Mengen an inkorporierter Arbeit (embodied labour) ab, wenn die Proportionen, in denen direkte Arbeit und Produktionsmittel der verschiedensten Art in der Erzeugung der diversen Waren zum Einsatz kommen, unterschiedlich sind. Die Abweichungen sind zurückzuführen auf den Zinseszinseffekt, der sich über die Aufzinsung der in mehr oder weniger weit zurückliegenden Perioden getätigten Kapitalvorschüsse ergibt. RICARDOs Analyse ist von Karl MARX (1818-1883) kritisch aufgegriffen worden. Die Abweichung der Produktionspreise von den Arbeitswerten versucht MARX mittels der Umwandlung der Werte in Preise zu erklären (Transformationsproblem). Vladimir K. DMITRIEV (1868-1913) hat RICARDOs Ansatz formalisiert und in seinen Kernaussagen bestätigt. Ladislaus VON BORTKIEWICZ (1868-1931) hat gezeigt, dass die MARXsche Konstruktion fehlerhaft ist. Eine moderne Fassung des klassisch-ricardianischen Ansatzes in der Wert- und Verteilungstheorie stammt von Piero SRAFFA (1898-1983). SRAFFAs Werk (einschl. der von ihm besorgten RICARDO-Gesamtausgabe) hat zu einer Renaissance klassischen Gedankenguts geführt (Neoricardianische Theorie). Im Zentrum des Interesses der klassischen Autoren steht die langfristige Entwicklung der modernen Gesellschaft, welche dominant von der aus Profit gespeisten Kapitalakkumulation angetrieben wird. SMITH zufolge ist Hauptmotor für das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens die gesellschaftliche - Arbeitsteilung. Letztere nimmt mit dem Wachstum der Märkte zu, welches seinerseits eine Folge der Kapitalakkumulation ist. Zunehmende Arbeitsteilung steigert die Produktivität der Arbeit über die größere Geschicklichkeit spezialisierter Arbeiter, die Einsparung von Zeit, die ansonsten beim Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen verlorengeht, und die Erfindung von Maschinen. Zunehmende Arbeitsteilung führe jedoch auch zur Dequalifikation und letztlich Degradation der Arbeitsbevölkerung und gefährde damit das System der natürlichen Freiheit. Der Staat, so SMITH, habe dieser Gefahr mit einem Ausbildungssystem entgegenzuwirken. SMITHs Analyse der Arbeitsteilung ist von Autoren wie Allyn A. YOUNG (1878-1929) und Nicholas KALDOR zum Konzept increasing returns to scale weiterentwickelt worden. Trotz der mit der zunehmenden Arbeitsteilung einhergehenden Produktivitätsfortschritte war SMITH der Auffassung, dass die Profitrate langfristig die Tendenz habe zu fallen. Er begründet diese Tendenz v.a. mit der sich infolge der Akkumulation von Kapital verschärfenden Konkurrenz der Kapitaleigner. RICARDO weist SMITHs Begründung zurück und argumentiert, dass die Profitrate nur dann fallen könne, wenn bei unveränderter Arbeitsproduktivität der Reallohnsatz steige oder sich bei gegebenem Reallohnsatz aufgrund der Notwendigkeit, schlechtere Böden zu bewirtschaften, die Arbeitsproduktivität verringere. Für gegebenen Reallohnsatz sei technischer Fortschritt in jenen Industrien, die Lohngüter herstellen bzw. Produktionsmittel zu deren Erzeugung liefern, mit einer Erhöhung und nicht einer Senkung der Profitrate verbunden. Innovationen dieser Art wirkten in bezug auf die Profitrate dem »Geiz der Natur«, wie er sich in Landwirtschaft und Bergbau zeige, entgegen. RICARDO sieht indes eine andere, mit der Einführung verbesserter Maschinerie verbundene Gefahr: die Freisetzung von Arbeitskräften, die nicht automatisch kompensiert werde. Die MARXsche Erklärung des Falls der Profitrate ist der RICARDOschen insofern diametral entgegengesetzt, als eine spezifische Form des technischen Fortschritts, nämlich jene, die sich in einer steigenden organischen Zusammensetzung ausdrückt, als Ursache für den Fall angeführt wird. Allerdings ist die MARXsche Begründung, wie u.a. VON BORTKIEWICZ gezeigt hat, nicht schlüssig. RICARDOs Analyse der Ersetzung von Arbeitskraft durch Maschinenkraft wird von MARX in dessen Theorie der industriellen Reservearmee radikalisiert. Die als SAYsches Gesetz bekannte Auffassung, dass der durch eine Ersparnis verursachte Ausfall an effektiver Nachfrage durch eine gleich große Investition kompensiert werde, findet sich nicht erst bei Jean-Baptiste SAY (1767-1832), sondern bereits bei Adam SMITH. Danach kann es zwar auf einzelnen Märkten zur Überproduktion kommen, nicht jedoch in der Wirtschaft insgesamt. Der letzte Grund hierfür ist der, dass Geld als ein die Information- und Transaktionskosten senkendes Tauschmedium nur zu Transaktionszwecken, nicht jedoch zur Wertaufbewahrung verwendet bzw. gehortet wird. Ein gesamtwirtschaftliches Defizit an kaufkräftiger Nachfrage sei daher nicht zu befürchten. In der Debatte über die (Un-)Möglichkeit einer allgemeinen Überproduktion (general glut) kritisiert MALTHUS den das SAYsche Gesetz vertretenden RICARDO mit dem Argument, dass es bei zu rascher Kapitalakkumulation zu einer der effektiven Nachfrage vorauseilenden Produktionsausdehnung komme, mit der Folge von Arbeitslosigkeit, brachliegendem Kapital und sinkenden Preisen. Zur Stabilisierung der effektiven Nachfrage sei die Förderung »unproduktiven Konsums« nötig. RICARDO zeigt sich wenig beeindruckt von diesem Argument: Es widerspricht der auch von MAL-THUS geteilten Ansicht, dass jede Ersparnis eine gleich große Investition nach sich ziehe. Während MALTHUS die Ursache eines Mangels an effektiver Gesamtnachfrage im zu geringen Konsum der besitzenden Klassen ortet, sieht Jean Ch.L.S. de SISMONDI (1773-1842) die Ursache der Unterkonsumtion in zu niedrigen Löhnen (Unterkonsumtionstheorie). John M. KEYNES (1883-1946) erblickt in MALTHUS einen bedeutenden Vorläufer seiner eigenen, auf dem Prinzip der effektiven Nachfrage basierenden Theorie des Einkommens und der Beschäftigung (Keynesianische Theorie). Die klassischen Ökonomen waren i.allg. entschiedene Vertreter des Freihandels. Freihandel, so SMITH, ermögliche Wohlstandsgewinne und steigere die Produktivität der heimischen Arbeit infolge der internationalen Arbeitsteilung und Spezialisierung. Darüber hinaus ermögliche Freihandel den Absatz von im Inland im Überschuss erzeugten Kuppelprodukten. Während SMITH die Frage nach der Vorteilhaftigkeit von Außenhandel aus dem Blickwinkel absoluter Kostenvorteile betrachtet, zeigen TORRENS und RICARDO die Bedeutung komparativer Kosten auf. RICARDO führt seine Freihandelstheorie gegen die in England geltenden Corn Laws ins Feld: Zölle auf Getreide verhinderten dessen billigen Import; zur Deckung des Bedarfs sei die Bebauung inferiorer Böden des Inselreichs nötig, mit der Folge, dass ein beträchtlicher Teil des erzeugten Surplus zu Grundrente werde und damit der Kapitalakkumulation vorenthalten bleibe. Dies wirke sich negativ auf die Wachstumsdynamik Englands aus, die Nachfrage nach Arbeitskräften expandiere weniger schnell, und in der Folge auch die Löhne. Getreidezölle seien nur im Interesse der Grundbesitzer, nicht jedoch der anderen Klassen der Gesellschaft. Schon bald nach RICARDOs Tod (1823) setzte die Erosion der Klassischen Theorie ein. Auf der einen Seite wurde RICARDOs Lehre durch die ricardianischen Sozialisten (Linksricardianer) radikalisiert. Auf der anderen Seite kam es zu ihrer allmählichen Aushöhlung. Im Werk von John St. MILL (1806-1873) vermischen sich klassische Bausteine mit solchen, wie sie für die spätere Neoklassische Theorie kennzeichnend werden sollten. So vertrat MILL, ähnlich wie vor ihm John R. McCULLOCH (1789-1864) und William N. SENIOR (1790-1864), eine Variante der Lohnfondsdoktrin. Ihr zufolge bestimmt sich die Lohnhöhe über das Arbeitsangebot relativ zu dem zu seiner Beschäftigung verfügbaren Kapital, dem Lohnfonds. Die Ersparnis wird, wiederum ähnlich wie bei SENIOR, als Abstinenz vom Konsum und der Zins entsprechend als Preis des Konsumverzichts begriffen. Auf dem europäischen Kontinent fand die Klassische Theorie zahlreiche Anhänger, aber auch erbitterte Gegner. In Frankreich wurde insbesondere die Botschaft des laissez-faire aufgegriffen. In Deutschland wurde von Karl H. RAU (1772-1870) der Versuch unternommen, die klassische Lehre mit dem –> Kameralismus zu verbinden. Während William St. JEVONS (1835-1882), mitunter als einer der Wegbereiter der marginalistischen Revolution bezeichnet, mit seiner Doktrin die klassische ausdrücklich zu überwinden trachtete, sah Alfred MARSHALL (1842-1924) sein eigenes Werk in der Tradition der ökonomischen Klassik (Neoklassische Theorie). Tatsache ist, dass von späteren Autoren i.allg. die an langfristigen Konkurrenzpositionen orientierte Untersuchungsmethode der Klassik beibehalten wurde. Neu (und antiklassisch) ist indes der Versuch, relative Preise und Einkommensverteilung in symmetrischer Weise durch Angebot und Nachfrage nach Gütern bzw. Faktorleistungen zu bestimmen. Literatur: Kurz, H.D. (1990). Bharadwaj, K. (1989). Garegnani, P. (1989). Schefold, B. (1986). Walsh, V., Gram, H. (1980). O\'Brien, D.P. (1975)

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