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neoricardianische Theorie

wachstumstheoretische Richtung, die als Reaktion auf die neoklassische Wachstumstheorie und unter Rückgriff auf klassische Vorstellungen in den 60er und 70er Jahren entwickelt worden ist. Hauptvertreter sind Piero Sraffa, ]oan Robinson und Luigi Pasi- netti. Die neoricardianischen Wachstumsmodelle unterscheiden sich von den neoklassischen darin, dass auf die Verwendung makroökonomischer Aggregate und damit auch auf das Konstrukt der makroökonomischen Produktionsfunktion verzichtet wird. Der Produktionsprozess wird statt dessen durch die konstanten Arbeitskoeffizienten und Kapitalkoeffizienten der einzelnen Produktionssektoren beschrieben. Das Wachstumsgleichgewicht impliziert in diesen Modellen nicht nur die für die Erhaltung der Vollbeschäftigung von Kapital und Arbeit und für die Konstanz der funktionellen Einkommensverteilung erforderliche Wachstumsrate von Kapitalstock, Volkseinkommen, Konsum, Investition, Lohn- und Gewinneinkommen und die erforderliche Höhe der relativen Preise von Kapital und Arbeit, sondern auch die erforderlichen relativen Güterpreise und die erforderliche Aufteilung von Kapital- und Arbeitseinsatz auf die Produktionssektoren. Die neoricardianischen Wachstumsmodelle sind also, anders als die Standardmodelle der keynesianischen und neoklassischen Wachstumstheorie, Mehr-Sektoren- und nicht Ein- Sektor-Modelle. Sie erfassen darum Probleme der Produktions- und Preisstruktur, die sich in Ein-Sektor-Modellen nicht diskutieren lassen.                              

Reformulierung der klassischen, insbes. ricardianischen Wert- und Verteilungstheorie durch Piero SRAFFA (1898-1983) in seinem 1960 veröffentlichten Buch sowie sich daran anschließende theoretische Entwicklungen. Bedeutende Vertreter dieses Ansatzes sind u.a. Pierangelo GAREGNANI (geb. 1930), Luigi PASINETTI (geb. 1930), Neri SALVADOR! (geb. 1951), Bertram SCHEFOLD (geb. 1943) und Ian STEEDMAN (geb. 1941). Der klassische Ansatz zur Erklärung des Zusammenhangs von normaler Einkommensverteilung und normalen oder natürlichen Preisen geht grundsätzlich von zirkulärer - Produktion, d.h. der Produktion von Waren mittels Waren aus (Klassische Theorie). Er nimmt als unabhängige Variablen oder Daten: a) die technischen Bedingungen der Produktion zur Erzeugung der verschiedenen Waren, b) die Größe und Zusammensetzung des Sozialproduktes, c) das geltende Reallohnniveau. Die Bestimmung dieser Größen ist Gegenstand der Theorie der Kapitalakkumulation und des wirtschaftlichen und sozialen Wandels. Subtrahiert man vom Sozialprodukt alle bei dessen Produktion verbrauchten Produktionsmittel sowie die an die Arbeitskräfte gehenden Lohngüter, so verbleibt ein Überschußprodukt: der gesellschaftliche Surplus. Dieser Surplus bildet die materielle Grundlage aller Nichtlohneinkommen wie der Grundrente und der Kapitalrendite. Der klassische Ansatz behandelt daher die verschiedenen Verteilungsvariablen (insbes. Lohnsatz und Profitrate) anders als die Neoklassische Theorie nicht in symmetrischer Weise. Sieht man von der Grundrente ab, so verteilt sich der Surplus unter Bedingungen vollständiger Konkurrenz derart auf die in den verschiedenen Produktionsprozessen aufgewandten Kapitalvorschüsse, dass eine einheitliche Profit- oder Kapitalertragsrate resultiert. Die natürlichen oder Produktionspreise sind das Medium, das diese Verteilung des Surplus sicherstellt. Werden die Löhne am Ende der einheitlichen Produktionsperiode gezahlt und gilt reine Einzelproduktion, so lautet das System der Preisgleichungen p=(T+r)Ap+wl                                 
(1) up = 1                                            
(2) mit p als n-Spaltenvektor der Preise, A als n • n-Matrix der Produktionsmittelkoeffizienten, 1 als n-Spaltenvektor der Arbeitsinputkoeffizienten, u als n-Zeilenvektor des Warenkorbs, der als Wertstandard oder »numeraire« dient, r als Profitrate (Zinssatz) und w als Lohnsatz. Gleichung
(2) fixiert den numeraire. Es läßt sich zeigen, dass die Daten (a)-(c) genügen, um die interessierenden Größen zu bestimmen: die Profitrate und die Preise der n Waren; keine weiteren Daten werden benötigt. Zu unterscheiden ist zwischen Basis- und Nichtbasisprodukten. Erstere gehen als Produktionsmittel direkt oder indirekt in die Erzeugung aller Produkte ein, für letztere gilt dies nicht. Wählt man einen Wertstandard, der nur aus Basisprodukten besteht, so zeigt sich, dass die Preise der Basisprodukte und die allgemeine Profitrate ohne Berücksichtigung der Nichtbasisindustrien bestimmt werden können; die Preise der Nichtbasisprodukte haben sich an die im Basissystem bestimmten Größen anzupassen. Analysiert wird nicht nur der Fall reiner Einzelproduktion, d.h. ausschließlich zirkulierenden Kapitals, sondern auch derjenige der Koppelproduktion. In letzterem werden in einem Produktionsprozess mehrere Produkte gleichzeitig erzeugt. SRAFFA zeigt, dass dauerhafte Kapitalgüter einen speziellen Fall von Koppelproduktion darstellen, da das fortbestehende fixe Kapital als Koppelprodukt des eigentlichen Outputs begriffen werden kann. Auf diese Weise läßt sich das Problem der nutzungsbedingten Abschreibung lösen. Die Idee zur Behandlung des fixen Kapitals mittels der Methode der Koppelproduktion läßt sich bis zu Robert TORRENS (1780-1864) zurückverfolgen; noch vor SRAFFA wurde sie von John von NEUMANN (1903-1957) verwendet. Bedeutende Beiträge zur Theorie der Koppelproduktion und des fixen Kapitals stammen von SCHEFOLD und SALVADORI. Auch Grund und Boden lassen sich grundsätzlich mittels der Methode der Koppelproduktion behandeln: als Input zu Beginn der Produktionsperiode und als Output zusammen mit den erzeugten Produkten an deren Ende. SRAFFAs Theorie der extensiven und intensiven Grundrente ist von verschiedenen Autoren weiterentwikkelt worden, darunter Alberto QUADRIO CURZIO (geb. 1936), Heinz D. KURZ (geb. 1946) und Neri SALVADORI. Der Ansatz befaßt sich jedoch nicht nur mit der Frage nach den mathematischen Beziehungen zwischen Einkommensverteilung und relativen Preisen für ein gegebenes System der Produktion. Gleich seinen klassischen Vorläufern interessiert er sich auch für die Frage, welches System, d.h. welche Technik, von kostenminimierenden Unternehmungen aus einem Spektrum alternativ verfügbarer Techniken gewählt wird. Die Analyse des Problems der Technikwahl hat einige Resultate ans Licht gefördert, die konventionellen Auffassungen widersprechen, so u.a. die Möglichkeit des - reswitching of techniques und die Unmöglichkeit, verschiedene Produktionsmethoden eindeutig nach ihrer - Kapitalintensität zu ordnen. Unter Verwendung dieser Resultate ist es im Rahmen der Cambridge-Kontroverse zu einer Kritik der Neoklassischen sowie der Österreichischen Kapitaltheorie gekommen. Überdies ist die MARXsche arbeitswerttheoretische Argumentation kritisiert worden. All diesen Ansätzen ist ein Kapitalbegriff gemein, der unzulässigerweise davon ausgeht, dass die Kapitalmenge unabhängig von den relativen Preisen und damit der Einkommensverteilung definiert werden kann. Literatur: Kurz, H.D. (1990). Garegnani, P. (1989). Schefold, B. (1989). Steedman, I. (1988)

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