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reswitching

Wiederkehr einer Produktionstechnik. Begriff der Kapitaltheorie, der in der Cambridge-Kontroverse eine Rolle gespielt hat. Reswitching setzt voraus, dass eine Produktionstechnik B im Vergleich zur Produktionstechnik A bei Lohnsätzen zwischen 11 und 12 und Technik A gegenüber Technik B sowohl bei Lohnsätzen, die niedriger als 11 als auch bei Lohnsätzen, die höher als 12 sind, eine höhere Rentabilität vermittelt. Eine kontinuierliche Erhöhung des Lohnsatzes führt dann bei Überschreiten von 11 zur Ablösung von Technik A durch Technik B und bei Überschreiten von 12 zur Ablösung von Technik B durch Technik A. Die Technik A wird sowohl bei relativ niedrigen wie auch bei relativ hohen Lohnsätzen angewendet; sie "kehrt wieder" (Switching-Effekt).   

Wiederkehr zunächst abgelöster Techniken im Zuge von Faktorpreisänderungen. Das Phänomen zeigt sich bei totalanalytisch angelegten Untersuchungen zur Technikwahl kostenminimierender Unternehmungen unter Bedingungen freier Konkurrenz. Reswitching spielte in der Cambridge-Kontroverse zur Kapitaltheorie eine bedeutende Rolle. Es widerspricht der verbreiteten Vorstellung, dass sich die zu einem gegebenen Zeitpunkt einem ökonomischen System verfügbaren alternativen Techniken zur Produktion der verschiedenen Waren eindeutig nach ihrer Kapitalintensität ordnen lassen. Diese Vorstellung ist Grundlage der Auffassung, dass kostenminimierende Unternehmungen bei sinkendem Verhältnis von Zinssatz zu Lohnsatz zu Techniken mit höherer Kapitalintensität übergehen. Reswitching widerspricht damit der für die Neoklassische Theorie grundlegenden Auffassung einer mit sinkendem Faktorpreis steigenden Faktornachfrage. Auf diese Auffassung gründet sich bekanntlich die These einer Tendenz zur Vollbeschäftigung aller produktiven Ressourcen, einschl. der Arbeit. Die Bedeutung des zur Diskussion stehenden Phänomens geht daher weit über den Bereich des Technikwahlproblems hinaus und betrifft die Grundfeste der traditionellen Theorie. Im Zwei-Güter-Fall lassen sich die Preisgleichungen bezüglich einer gegebenen Technik, bestehend aus je einem Produktionsprozess zur Erzeugung einer jeden der beiden Waren, wie folgt schreiben: PI = (l+r)(a ipi + a21p2) + wl, p2 = (1+r)(a12p I + a22p2) + w12, mit au als der Menge des i-ten Produktes zur Erzeugung von einer Einheit des j-ten, li als der zugehörigen Menge an aufzuwendender homogener Arbeit, pi als Preis des j-ten Produktes, r als Zinssatz (Profitrate) und w als Lohnsatz (i, j = 1, 2). Drückt man alle Wertgrößen in Einheiten von z.B. Ware 1 aus (numeraire), d.h. PI = 1, so verbleibt ein System mit zwei Preisgleichungen und drei Unbekannten: p2, r und w. Löst man jede der beiden Gleichungen nach p2 auf und setzt die beiden resultierenden Ausdrücke einander gleich, so erhält man eine Beziehung zwischen r und w, auch Faktorpreiskurve genannt, r = f(w). Sie kann im zweisektoralen Fall entweder linear, konvex oder konkav zum Ursprung verlaufen, je nachdem, ob die wertmäßige Kapitalintensität im zweiten Prozess gleich, kleiner oder größer derjenigen im ersten Sektor ist, wobei die Kapitalintensität des j-ten Sektors gegeben ist durch ki = (al.) + a2jp2)/li, j = 1,
2. Offenbar ist die Kapitalintensität eines Prozesses nicht unabhängig von den relativen Preisen der Güter bestimmbar, welche ihrerseits von der Einkommensverteilung abhängen: Für jedes gegebene w (r) gibt die technikspezifische w-r-Beziehung den zugehörigen Wert von r (w) an (Abb). Eingesetzt in die zweite Preisgleichung erhält man den zugehörigen relativen Preis der zweiten Ware. Man kann jede der beiden Preisgleichungen auch nach w (oder r) auflösen und die resultierenden Ausdrücke einander gleichsetzen; man erhält auf diese Weise einen Ausdruck für p2 in Abhängigkeit von r (oder w): Für k1 = k2 ist p2 unabhängig von r und gleich 12/11, während für k1 < (>)k2 der Preis von Gut 2 monoton mit r steigt (sinkt). In Systemen mit mehr als zwei Waren können komplexere Beziehungen zwischen relativen Preisen und der Einkommensverteilung in Löhne und Gewinne resultieren (Preis-WICKSELL-Effekte; WICKSELL-Effekte). Sind zur Produktion des ersten Gutes m und zur Produktion des zweiten Gutes n verschiedene Produktionsprozesse verfügbar, so stehen ebensoviele alternative Techniken zur Auswahl, wie es Kombinationsmöglichkeiten von je einem Prozess aus der ersten und je einem Prozess aus der zweiten Menge gibt, d.h. mit Techniken. Für jede dieser Techniken erhält man ein Preissystem der obigen Art und die zugehörige w-r-Beziehung. In der Abb. sind drei derartige Beziehungen, a, 13 und y, eingezeichnet. Wie sich zeigen läßt, impliziert Kostenminimierung für gegebenen Lohnsatz (gegebenen Zinssatz) Maximierung des Zinssatzes (Lohnsatzes). Dies bedeutet, dass die verschiedenen Techniken nur insoweit von Interesse sind, als sie zur (äußeren) Umhüllenden der verschiedenen w-r-Beziehungen, der w-r-Grenze, beitragen. Wie die Abb. zeigt, ist Technik y inferior. Für Niveaus des Lohnsatzes 0 <_ w <_ w1 ist Technik a optimal, für w1 <_ w _< w2 Technik ss und für w2 <_ w <_ Wa wieder Technik a. Technik a kehrt daher bei hohen Lohnniveaus wieder (reswitching), nachdem es bei mittleren Lohnniveaus von Technik (3 verdrängt worden ist (switching). Die auf der w-r-Grenze liegenden Schnittpunkte zwischen je zwei w-r-Beziehungen heißen Switchpunkte; in ihnen sind die betreffenden Techniken gleich profitabel, und es gelten die gleichen Preisrelationen. Von einigen Autoren ist (erfolglos) ver sucht worden zu beweisen, dass das der traditionellen Sicht der Technikwahl widersprechende Phänomen nicht auftreten kann. Andere haben es als Kuriosum abzutun versucht. Eine dritte Gruppe hat Zweifel an seiner empirischen Bedeutung geäußert. Tatsächlich gibt es jedoch keinen stichhaltigen Grund, das Phänomen als theoretische oder empirische Anomalie herunterzuspielen. Literatur: Pasinetti, L.L. (1988). Harcourt, G.C. (1972)

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