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Kapitaltheorie

Finanzwirtschaftliche Entscheidungslogik, in der Gleichgewichts-Modelle konstruiert werden. Sie beschäftigt sich damit, wie unter bestimmten Prämissen auf Basis bestimmter Modellansätze Entscheidungen getroffen werden, die zu einer optimalen Unternehmensfinanzierung unter gleichzeitiger Berücksichtigung der optimalen Kapitalverwendung (Investition) führen.
Dabei existiert bislang kein in sich geschlossenes System einer Kapitaltheorie, sondern eine Vielzahl von Modellansätzen zu unterschiedlichen Teilaspekten, so z. B. Modelle zur Bestimmung des Kapitalvolumens (Modigliani-Miller-Theorem), Ausschüttungs- und Verschuldungsanalyse (Gordon, Lintner) etc.
Im Gegensatz zu älteren Modellansätzen heben neuere Ansätze die Prämisse des vollkommenen Marktes auf, berücksichtigen den Risikoaspekt im Rahmen der Investitions- und Finanzierungsentscheidungen und beziehen explizit spezifische alternative multipersonale Unternehmensziele mit ein.
Die Praktikabilität der (Entscheidungs-)Modelle ist allerdings gegenwärtig noch gering. Strittig ist z. B., welche Zielfunktionen in den Programmierungsmodellen für die Bestimmung der Höhe des Investitionsvolumens, der optimalen Zusammensetzung des Investitionsprogramms und optimalen Gestaltung des Finanzierungsprogramms (Kapitalstruktur) als Entscheidungsprämisse zugrunde gelegt werden soll. Wie sollen die Interessenlagen der potentiellen Kapitalgeber berücksichtigt werden? Wie können nichtquantifizierbare Zielvorstellungen berücksichtigt werden? Zielkonflikte können nicht immer berücksichtigt werden. Auch bestimmte Verhaltensgrößen (Risikobereitschaft, Bonitätsvorstellungen usw.) potentieller Kapitalgeber sind bislang nicht quantifizierbar und bleiben somit in den Modellen bislang unberücksichtigt. Modelle sind vereinfachte Abbildungen der Realität.

systematische Analyse der Bedeutung des Kapitals und der Kapitalbildung im Rahmen des marktwirtschaftlichen Prozesses. einfachsten mit Hilfe einer neoklassischen makroökonomischen Produktionsfunktion bestimmen. Ein solches Konstrukt verknüpft den gesamtwirtschaftlichen Kapital- und Arbeitseinsatz mit dem gesamtwirtschaftlichen Güterausstoss in der Weise, dass eine Erhöhung der Kapitalintensität, des Kapital-Arbeits-Verhältnisses, die Arbeitsproduktivität steigen und die Kapitalproduktivität sinken lässt. Arbeits- und Kapitalproduktivität sind dabei als Quotienten aus Ausstoss- und Einsatzmengen bestimmt. Ist die von den Produzenten gewählte Kapitalintensität positiv mit dem Lohnsatz, negativ mit dem Zinssatz verknüpft, so impliziert die Vollbeschäftigung einer gegebenen Kapital- und Arbeitsmenge eine bestimmte Höhe von Lohn- und Zinsniveau. Ist die Lohn-Zins- Relation zu hoch, so bleibt ein Teil der Arbeitsmenge, ist sie zu niedrig, so bleibt ein Teil der Kapitalmenge unbeschäftigt. Die Vollbeschäftigung beider Produktionsfaktoren impliziert eine bestimmte Kapital-Arbeit- und Lohn-Zins-Relation und damit bestimmte Einkommensquoten von Kapital und Arbeit. Wächst die verfügbare Arbeitsmenge von Periode zu Periode mit konstanter Rate, so muss die verfügbare Kapitalmenge mit der gleichen Rate wachsen, wenn die Vollbeschäftigung beider Produktionsfaktoren bei Konstanz der Einkommensquoten erhalten bleiben soll. Eine positive Wachstumsrate der Kapitalmenge erfordert, dass ein Teil des Volkseinkommens gespart und investiert, also nicht konsumiert wird. Ist die Verwendung des Volkseinkommens, die Aufteilung auf Konsum und Ersparnis = Investition, von der Verteilung, der Aufteilung des Volkseinkommens auf Kapital- und Arbeitseinkommen abhängig, so erfordert die Erhaltung der Vollbeschäftigung beider Faktoren nicht nur eine bestimmte Verwendung, sondern auch eine bestimmte Verteilung des Volkseinkommens. Die Bedeutung des Kapitals und der Kapitalbildung im Rahmen der Entstehung, Verwendung und Verteilung des Volkseinkommens wurde in einer ersten Annäherung mit Hilfe einer makroökonomischen  Produktionsfunktion erklärt, in der Kapitaleinsatz, Arbeitseinsatz und Güterausstoss Mengengrössen sind. Es wurde also die Homogenität des Kapital- und Arbeitseinsatzes einerseits, des Güterausstosses andererseits angenommen. In Wirklichkeit sind aber die physischen Einsatz- und Ausstossgrössen nicht homogen, sondern heterogen. Der Güterausstoss ebenso wie der Kapitaleinsatz bestehen aus vielen unterschiedlichen Gütern. In einer Viel-Güter-Welt lassen sich die physischen Einsatz- und Ausstossgrössen nur über eine Bewertung zu makroökonomischen Aggregaten zusammenfassen. In der theoretischen Analyse kommen für eine solche Bewertung der Einsatz- und Ausstossmengen allein die Gleichgewichtspreise in Frage. Der gesamtwirtschaftliche Kapitaleinsatz ist gleich der Summe der mit Gleichgewichtspreisen bewerteten Gütereinsatzmengen, der gesamtwirtschaftliche Güterausstoss, das reale Volkseinkommen, gleich der Summe der mit Gleichgewichtspreisen bewerteten Güterausstossmengen. Entsprechend ist die gesamtwirtschaftliche Kapitalintensität das Verhältnis von wertmässigem Kapital- und mengenmässigem Arbeitseinsatz, die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität gleich dem Verhältnis von wertmässigem Güterausstoss und mengenmässigem Arbeitseinsatz und die gesamtwirtschaftliche Kapitalproduktivität gleich dem Verhältnis von wertmässigem Güterausstoss und wertmässigem Kapitaleinsatz. Mit den physischen Einsatz- und Ausstossmengen einerseits, den Gleichgewichtspreisen andererseits existieren die makroökonomischen Aggregate, und damit stellt sich die Frage, ob sich die wertmässigen Einsatz- und Ausstossaggregate in einer makroökonomischen Produktionsfunktion derart ordnen lassen, dass mit steigender wertmässiger Kapitalintensität die wertmässige Arbeitsproduktivität steigt und die wertmässige Kapitalproduktivität sinkt. Diese Frage nach der Existenz einer makroökonomischen Produktionsfunktion in einer Viel-Güter-Welt wurde im Rahmen der Cambridge-Kontroverse heftig diskutiert. Neoklassische Autoren behaupteten, die unter der Annahme der Ein-Gut-Welt formulierte Produktionsfunktion sei auch in der Analyse der Viel-Güter-Welt relevant. Dabei wird freilich konzediert, dass die makroökonomische Produktionsfunktion bei Heterogenität der Einsatz- und Ausstossgrössen Wert- und nicht Mengenaggregate verknüpft. Dieser Auffassung hielten die Kritiker der neoklassischen Konzeption entgegen, dass die Kapital-, Ar- beits- und Einkommensaggregate keineswegs die in der neoklassischen Produktionsfunktion beschriebenen Regelmässigkeiten aufweisen müssen. Es sei sehr wohl denkbar, dass eine Erhöhung des Lohnsatzes, Senkung des Zinssatzes die Mengen- und Preisstrukturen so ändert, dass die wertmässige Kapitalintensität nicht steigt, sondern sinkt (capital reversing). Diese Kritik an der Konzeption der makroökonomischen Produktionsfunktion - und damit an der neoklassischen Kapitalkonzeption - ist ungeachtet aller durch sie vermittelten Einsichten in die Struktur des Produktionsprozesses über das Ziel hinausgeschossen. Makroökonomische Produktionsfunktionen sind und bleiben ein brauchbares Mittel der Analyse gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge. Die kapitaltheoretische Kontroverse der letzten Jahrzehnte hat freilich deutlich gemacht, dass die makroökonomischen Aggregate nur unter Verwendung von Güterpreisen ermittelt werden können, in deren Bestimmung die Faktorpreise, also Lohnsatz und Zinssatz, ein- gehen.       Literatur: Jaeger, K., Wachstumstheorie, Berlin 1980. Rose, K., Grundlagen der Wachstumstheorie, 6. Aufl., Göttingen 1991.

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