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Wachstumstheorie

systematische Analyse des Wachstumsprozesses. Im Mittelpunkt stehen Modelle des —Wachstumsgleichgewichts, neuerdings auch Modelle des Schrumpfungsgleichgewichts. Die Stagnationstheorie untersucht Wachstums- und Schrumpfungsprozesse, die im stationären Zustand — bei einer Wachstumsrate von Null — enden. Die Theorie der Wachstumszyklen analysiert Schwankungen der Wachstumsraten um den Gleichgewichtswert (Konjunkturtheorie). Keynesianische, neoklassische und neoricardianische Wachstumsmodelle analysieren den Wachstumsprozess unter jeweils spezifischen Annahmen. (1) Die keynesianische Wachstumstheorie untersucht die Bedingungen, unter denen Volkseinkommen, Kapitalstock und Kapazität in der Zeit mit gleicher und konstanter Rate wachsen. Hauptvertreter sind Evsey Domar, Roy Harrod und John Hicks. Im Domar-Modell hat jede positive Nettoinvestition kurzfristig einen Einkommenseffekt und langfristig einen Kapazitätseffekt. Bei Konstanz der Konsumquote erhöht eine positive Investition das gegenwärtige Volkseinkommen, und bei konstantem Kapitalkoeffizienten erhöht sie zugleich die künftige Kapazität und damit das künftige Vollbeschäftigungseinkommen. Die Nettoinvestition muss von Periode zu Periode steigen, wenn. Einkommens- und Kapazitätseffekte der Investitionen übereinstimmen, wenn die wachsende Kapazität beschäftigt werden soll. Im Wachstumsgleichgewicht steigen Volkseinkommen, Kapitalstock und Kapazität mit der gleichen konstanten Rate. Im Domar-Modell werden keine Annahmen über die Bestimmungsgrössen der Nettoinvestition getroffen. Anders im —HarrodModell. Die Nettoinvestition hängt von der Veränderung des Volkseinkommens in der Vergangenheit ab. Die Nettoinvestition ist positiv, wenn das Volkseinkommen in der Vergangenheit gestiegen, sie ist negativ, wenn es gesunken, und sie ist Null, wenn das Volkseinkommen in der Vergangenheit unverändert geblieben ist. Im Wachstumsgleichgewicht expandieren im Harrod- nicht anders als im Domar-Modell Volkseinkommen, Kapitalstock und Kapazität mit der gleichen konstanten Rate. Wachstumstheorie Eine in der Ausgangsperiode gegebene Vollbeschäftigung des Kapitalstocks bleibt so im Wachstumsprozess erhalten. Die Vollbeschäftigung des Faktors Kapital impliziert im Domar- und Harrod-Modell nicht notwendigerweise, dass auch der Faktor Arbeit im Wachstumsprozess vollbeschäftigt ist. (2) Zu völlig anderen Ergebnissen kommt die neoklassische Wachstumstheorie (Hauptvertreter: Robert Solow, James Meade, Edmund Phelps). Im Zentrum dieser Modelle steht nicht die Investitions- sondern die Produktionsfunktion. Die Unternehmungen haben die Wahl zwischen Produktionstechniken, die sich in Hinsicht auf Kapitalintensität und Arbeitsproduktivität unterscheiden. Je höher die Kapitalintensität, der Pro-Kopf-Kapitaleinsatz, desto höher ist auch die Arbeitsproduktivität, die Pro-Kopf-Produktion. Die Wahl der Produktionstechnik wird durch das LohnZins-Verhältnis bestimmt. Je teurer der Faktor Arbeit im Verhältnis zum Faktor Kapital, um so höher die von den Unternehmungen gewählte Pro-Kopf-Kapitalausstattung, umso, höher auch die Pro-Kopf-Produktion. Bei gegebener Kapital- und Arbeitsmenge impliziert Vollbeschäftigung beider Faktoren darum eine bestimmte Höhe der Lohn-ZinsRelation. Ist der Faktor Arbeit zu teuer, so wählen die Unternehmungen eine zu hohe Kapitalintensität, und ein Teil der Arbeitskräfte bleibt unbeschäftigt. Ist der Faktor Kapital zu teuer, so wählen die Unternehmungen eine zu niedrige Kapitalintensität, und ein Teil der Arbeitsplätze bleibt unbeschäftigt. Unter neoklassischen Annahmen sind solche Ungleichgewichte freilich nicht von Dauer. Ein Überschuss an Arbeitskräften lässt den Lohnsatz im Vergleich zum Zinssatz, ein Überschuss an Arbeitsplätzen den Zinssatz im Vergleich zum Lohnsatz sinken, und diese Veränderung der relativen Faktorpreise veranlasst die Unternehmungen, das Kapital-Arbeits-Verhältnis zu erhöhen oder zu senken, also Arbeit durch Kapital oder Kapital durch Arbeit zu ersetzen (Faktorsubstitution). Das in den neoklassischen Modellen beschriebene marktwirtschaftliche System ist also stabil. Die in den keynesianischen Modellen ignorierten Substitutionseffekte lenken das System in Richtung auf das Vollbeschäftigungsgleichgewicht. Dies gilt auch im Wachstumsprozess. Im Wachstumsgleichgewicht haben die relativen Faktorpreise jeweils die Höhe, bei der die Wachstumsraten von Arbeitsplätze- und Arbeitskräftezahl übereinstimmen. Ohne technischen Fortschritt sind Kapitalintensität, Arbeitsproduktivität sowie Lohn- und Zinssatz im Wachstumsgleichgewicht konstant. Anders, wenn technischer Fortschritt die Produktionsfunktion von Periode zu Periode verschiebt. Das Wachstumsgleichgewicht impliziert dann, dass Kapitalintensität, Arbeitsproduktivität und Lohnsatz bei Konstanz des Zinssatzes mit der gleichen Rate wachsen (Harrod-Neutralität des technischen Fortschritts). Wächst das Lohnniveau mit einer höheren oder niedrigeren Rate als die Gleichgewichtsrate, so werden Substitutionseffekte ausgelöst, die dahin wirken, dass die Anzahl der Arbeitsplätze langsamer oder schneller wächst als die der Arbeitskräfte, und die derart wachsende Unterbeschäftigung des Faktors Arbeit oder Kapital bringt die Wachstumsrate der Lohnniveaus und damit die der Arbeitsplätze- und Arbeitskräftezahl auf die Gleichgewichtshöhe. (3) Die neoricardianische Theorie unterscheidet sich von der neoklassischen allein darin, dass das Wachstumsgleichgewicht ohne Verwendung einer makroökonomischen Produktionsfunktion bestimmt wird (Hauptvertreter: Piero Sraffa, Joan Robinson). Keynesianische, neoklassische und neoricardianische Wachstumstheorie analysieren. den Wachstumsprozess unter der Annahme einer konstanten positiven Gleichgewichts-Wachstumsrate. Eine solche Entwicklung impliziert, dass keinerlei Wachstumsgrenzen wirksam sind. Unter dem Eindruck der Verknappung und Verteuerung bestimmter natürlicher Ressourcen, zunehmender Umweltschäden und abnehmender Wachstumsraten der Bevölkerung werden mittlerweile neben Wachstums- auch Schrumpfungsgleichgewichte und Stagnation als Formen der wirtschaftlichen Entwicklung diskutiert.   Literatur: Jaeger, K., Wachstumstheorie, Stuttgart 1980. Rose, K., Grundlagen der Wachstumstheorie, 6. Aufl., Göttingen 1991.

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