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Wählerstimmenmarkt

Bezeichnung für das —gesellschaftliche Entscheidungsverfahren "Demokratie". Die Idee, das Beziehungsgeflecht zwischen Wählern, Politikern, Regierung, Bürokratie und Interessengruppen als "Markt" aufzufassen, geht im. Kern auf Joseph A. Schumpeter zurück; Anthony Downs und Philipp Herder-Dorneich haben den Ansatz dann wesentlich weiterentwickelt. Die Analogie zwischen Güter- und Wählerstimmenmarkt ist darin zu erblicken, dass die Politiker und Parteien einem Konkurrenzprozess unterworfen sind, der sie dazu zwingt, die Bedürfnisse der Wähler tendenziell ebenso zu befriedigen wie die Unternehmen auf den Gütermärkten die Bedürfnisse der Konsumenten. Während das Verhalten der letzteren durch die Gewinnorientierung (bzw. -maximierung) bestimmt ist, herrscht im politischen Bereich Wählerstimmenorientierung (Stimmenmaximierung) vor. Es ist jedoch zu beachten, dass die institutionellen Gegebenheiten beider "Marktsysteme" unterschiedlich sind. So können z.B. die Konsumenten ihre Kaufkraft punktuell und dosiert für einzelne Güter verausgaben, während die Wähler für ihre Stimme ganze "politische Güterpakete", und zwar für i. d. R. eine volle Legislaturperiode, eintauschen. Der Wählerstimmenmarkt stellt ein ähnlich komplexes Gebilde wie der Gütermarkt dar, was indessen in den zur Aufhellung der Vorgänge entwickelten Modellen oft nicht genügend erfasst wird. So wird z.B. der Konkurrenzprozess fast ausschliesslich unter der Voraussetzung gegebener Wählerpräferenzen analysiert und somit übersehen, dass auch die "politischen Unternehmer" unter Innovationsdruck stehen und — indem sie mit Neuerungen auf die Wählerpräferenzen einwirken — dem Wählerstimmenmarkt einen evolutorischen Charakter verleihen. Modellmässig ist die Parteienkonkurrenz insb. für den Fall zweier Parteien analysiert worden. Nimmt man u. a. gegebene Wählerpräferenzen an und unterstellt man, dass diese sich anhand einer eindimensionalen Skala anordnen lassen, so führt die Parteienkonkurrenz zum Angebot identischer Wahlprogramme im Bereich des Medianwählers, so dass der Zufall darüber entscheidet, wer es als Regierung durchführt. Lässt man allerdingsStimmenthaltungen zu, so rücken im allgemeinen die Programme auseinander — dies vor allem dann, wenn die Wählerschaft hinsichtlich ihrer Präferenzen polarisiert ist (sog. zweigipflige Verteilung) —, die Parteien müssen nun Stimmenmaximierung betreiben. Analoge Ergebnisse für Mehrparteiensysteme sind bisher nicht erarbeitet worden, weil die Möglichkeit zur Koalitionsbildung erhebliche Komplikationen mit sich bringt. Geht man davon aus, dass der Wähler nicht — wie in den angesprochenen Modellen unterstellt — voll informiert ist, und beachtet man, dass es für ihn auch gar nicht rational ist, sich Informationen unter Kostenaufwand (Zeit, Mühe) zu beschaffen, weil die einzelne Stimme die Entscheidung wenig beeinflusst, dass zudem über "politische Güterbündel" abgestimmt werden muss, so wird die Existenz von politischen Ideologien (als Strategie der Informationsreduktion) und von Interessengruppen (als Vertreter für einzelne Elemente des "Paketes", aber auch als "Meinungsführer") verständlich. Politiker und Parteien — ebenfalls nicht voll informiert — müssen diesen Sachverhalt bei ihrer Maximierungsstrategie berücksichtigen. So werden sie ideologisch gebundene Stammwählerschaften aufzubauen suchen und eher die Interessen der Produzenten (Subventionen!) als der Steuerzahler berücksichtigen; die Zahlungen für die ersteren sind für diese fühlbar und daher stimmenträchtig, während sich die Kosten auf viele verteilen und für den einzelnen Steuerzahler daher wenig spürbar und somit stimmenmässig unschädlich sind. Siegreiche Parteien werden ihr Programm nach Regierungsübernahme nur unter Beachtung zahlreicher Restriktionen umsetzen können, d.h. sie werden eine Nutzenmaximierung unter Nebenbedingungen betreiben, die von den herrschenden Gesetzen, der Budget- und Zahlungsbilanzsituation, den Eigeninteressen der staatlichen Bürokratie, den Interessengruppen, der Partei-Ideologie, u. U. auch von den Wählern (Meinungsumfragen, Bürgerinitiativen) gesetzt werden. Aus diesen Bedingungen des Wählerstimmenmarktes resultiert auch der politische Konjunkturzyklus. Literatur: Kirsch, G., Ökonomische Theorie der Politik, Tübingen, Düsseldorf 1974. Frey, B. S., Moderne Politische Ökonomie, München, Zürich 1977.

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