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Wirtschaftspsychologie

Lehre vom Erleben und Verhalten des Menschen im wirtschaftlichen Bereich. Die allgemeine Wirtschaftspsychologie wurde in Frankreich durch Gabriel Tarde und in Deutschland durch Hugo Münsterberg zu Beginn dieses Jahrhunderts begründet. Tarde verstand seinen Ansatz als Kontrastprogramm zur österreichischen Schule der Nationalökonomie, die sich zwar durch die Psychologisierung des Grenznutzenkonzepts als "psychologische Schule" verstand, durch die Eigenart ihrer Annahmen jedoch die Bindung zur empirischen Psychologie geradezu abgeschnitten hatte. Münsterberg, ein Schüler Wilhelm Wundts, setzte den Akzent auf die empirisch-experimentelle Ausrichtung der Wirtschaftspsychologie, die dann später insb. für die sozialpsychologische Forschung zur dominierenden wurde. Die weitere Geschichte der Wirtschaftspsychologie ist eher eine Geschichte ihrer Teildisziplinen (Betriebs- und Organisationspsychologie, Arbeitspsychologie, —Marktpsychologie, Werbepsychologie etc.); sie steht weniger im Zeichen der Einheitlichkeit und Homogenität der Disziplin, sondern eher der Auffächerung und Spezialisierung in DetailWirtschaftspsychologien, die ein relativ selbständiges Eigenleben führen und unabhängige Forschungstraditionen begründen. Gelegentliche allgemeine Entwürfe (z. B. von George Katona in den USA, von Günter Schmölders in Deutschland) blieben weitgehend folgenlos. Erst in den 80er Jahren haben schwedische, britische und niederländische Psychologen/ Ökonomen versucht, unter der Bezeichnung "economic psychology" verstreute Einzelgebiete zu integrieren. Die seit 1981 erscheinende Zeitschrift "Journal of Economic Psychology" ist sichtbarer Ausdruck dieser Absichten. Bevorzugte theoretische Bezugsfelder sind Lerntheorien (z. B. bei Lea und bei Wiswede), modifizierte Nutzentheorien (z. B. nach Kahneman1Tversky) sowie Theorien der Informationsverarbeitung (z. B. van Raaij). Themenstellungen im Makrobereich sind etwa die Psychologie der wirtschaftlichen Entwicklung und der Entwicklungsländer sowie die Psychologie der Wohlstandsgesellschaft (Tibor Scitovsky) mit zahlreichen Problemfeldern wie: Schattenwirtschaft, Arbeitslosigkeit, Anspruchsinflation etc. Mikropsychologische Arbeitsfelder sind vor allem das Konsumverhalten sowie ausgewählte Probleme der Finanzpsychologie (Inflation, Steuerwiderstand, Sparverhalten etc.), wobei die Bereiche Arbeit und Organisation unter Verweis auf die mittlerweile separat institutionalisierte Arbeitsund Organisationspsychologie meist ausgeklammert werden Neuere deutsche Ansätze (Hoyos, 1987; Wiswede, 1991) versuchen, sämtliche ökonomischen Themenbereiche in die Wirtschaftspsychologie zu integrieren, wobei eine besondere Nähe zur empirisch und theoretisch gut fundierten Sozialpsychologie gesucht wird. Dabei werden zentrale psychologische Konzepte auf wirtschaftliche Sachverhalte angewandt: ·    Wahrnehmung (z. B. Wahrnehmung und Beachtung von Preisen und Produkten), ·    Einstellungen (z. B. zu Firmen, zum Vorgesetzten), ·    Motivation (z. B. Arbeitsmotivation, Käufermotivation), ·    Gedächtnis (z. B. Behalten von Werbebotschaften), ·    Informationsverarbeitung (z. B. bei unternehmerischen Entscheidungen), ·    Denken (z. B. Beurteilungs- und Schlussfolgerungsprozesse beim Kauf), ·    Attribution (z. B. Zuschreibung von Führungsqualitäten oder Produkteigenschaften) u. a. Trotz dieser erfolgversprechenden neueren Versuche befindet sich eine einheitliche Wirtschaftspsychologie noch im Formierungsstadium. Vordergründige Verwertungsinteressen sowie der naive Glaube mancher Praktiker, über psychologische Hintergründe wirtschaftlicher Sachverhalte intuitiv oder qua eigener Erfahrung Bescheid zu wissen, erweisen sich allerdings für den wissenschaftlichen Status dieser Disziplin gelegentlich als hinderlich.   Literatur: Hoyos, C. Graf et al. Wirtschaftspsychologie in Grundbegriffen, 2. Aufl., München 1987 Wiswede, G., Einführung in die Wirtschaftspsychologie, München, Basel 1991.

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