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Assignment-Problem

(stabilitätspolitische Rollenverteilung) Zuordnung der Aufgaben und Kompetenzen auf einzelne staatliche Träger im Rahmen der Stabilitätspolitik; i.e.S. auch Zuweisung eines wirtschaftspolitischen Instruments an eine bestimmte Zielsetzung bei gleichzeitiger Verfolgung mehrerer Ziele. Die allgemeine Lösung lautet, dass man einem Ziel dasjenige Instrument zuweist, das darauf den grössten Einfluss ausübt. Das Assignment-Problem ist abhängig von der zugrunde liegenden Konjunkturtheorie. In Knut Wicksells Kon junkturtheorie und -therapie kommt der Notenbank die zentrale Rolle zu, da kumulative konjunkturelle Prozesse durch Zinsniveaudifferenzen (natürlicher Zins und Geldmarktzins) ausgelöst werden, die durch die Zentralbankentscheidungen beeinflusst werden. In John Maynard Keynes\' Theorie fällt die Geldpolitik wegen der Liquiditätsvorliebe der Wirtschaftssubjekte und wegen der säkular gesunkenen Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals als stabilisierendes Element weitgehend aus, so dass die Finanzpolitik über die Steuerung von Einnahmen und Ausgaben die stabilitätspolitische Hauptverantwortung trägt. Der Monetarismus weist dagegen wieder der Geldpolitik die wesentliche Bedeutung zu (Verste- tigungspolitik). Im Rahmen der antizyklischen Stabilitätspolitik haben Politiker - im Glauben an die beliebige Steuerung der Konjunkturentwicklung - Vollbeschäftigungsgarantien ausgesprochen. Damit wurde den Tarifvertragsparteien die Verantwortung für das Beschäftigungsniveau abgenommen. Die jeweilige Regierung musste Lohnabschlüsse, die die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit überstiegen, durch inflatorische Geldmengenausweitung und daraus resultierende Reallohnkürzungen wieder marktgerecht werden lassen. Die Politik der jeweiligen Zentralbank wurde dann zu einer abhängigen Variablen im Rahmen der Stabilitätspolitik. Als zunehmend Zweifel auftauchten, ob der Staat der umfassenden konjunkturpolitischen Verantwortung gerecht werden könnte, wurde die "Reprivatisierung des Beschäftigungsrisikos" vorgeschlagen: Der Staat sollte nicht länger für die Sicherung der Vollbeschäftigung Verantwortung tragen, sondern diese Aufgabe auf die Tarifpartner zurückverlagern. Die Träger der Stabilitätspolitik sollten sich auf die Ziele konzentrieren, die sie vergleichsweise am besten ansteuern könnten: •   Geldwertstabilität: Zentralbank, •   Wirtschaftswachstum: staatliche Finanzpolitik, •   Vollbeschäftigung: Tarifpartner, •   aussenwirtschaftliches Gleichgewicht: flexible Wechselkurse. Die Diskussion über die Rollenverteilung zwischen der Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik findet seit den siebziger Jahren ihre Fortsetzung in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zwischen den Neokeynesianern und den Neoklassikern. Die Neue Keynesianische Makroökonomie hält prinzipiell am keyne- sianischen Credo von der Wirksamkeit wirtschaftspolitischer Massnahmen fest, geht hierbei jedoch differenzierter vor als der Keynesianismus und unterscheidet verschiedene Angebots- und Nachfragekonstellationen auf den Geld- und Arbeitsmärkten. Nach der Neuen Klassischen Makroökonomie haben wirtschaftspolitische Massnahmen nur dann reale Effekte, wenn diese von den privaten Wirtschaftssubjekten nicht antizipiert werden. Mitunter werden makroökonomische Wirkungen geld- und fiskalpolitischer Massnahmen sogar völlig ausgeschlossen. So gehen von monetären Veränderungen nach Ansicht zahlreicher Vertreter der "real business cycle"-Theorie keine realen Wirkungen aus. Gegenstand intens vier Diskussionen war in den letzten Jahren auch das von vielen Neoklassikern vertretene Ricardianische Äquivalenzprinzip, nach dem Steuersenkungen, die durch staatliche Kreditaufnahme finanziert werden, keine realen Effekte auslö- sen. Der weitgehende Übergang zu flexiblen Wechselkursen im März 1973 hatte zunächst nicht beachtete Auswirkungen auf die stabilitätspolitische Rollenverteilung. Waren geldpolitische Bemühungen in Richtung Geldwertstabilität im System fester Wechselkurse bei Interventionsverpflichtungen "self-defeat- ing", da sie von liquiditätsaufblähenden Kapitalimporten begleitet waren, so können die Zentralnotenbanken nach Freigabe der Wechselkurse prinzipiell einen Kurs in Richtung Geldwertstabilität auch gegen den Widerstand der übrigen Träger der Stabilitätspolitik durchsetzen. Die Geldpolitik wird damit zur unabhängigen Variablen. Die Erfahrungen haben weiter gezeigt, dass eine weitsichtige Stabilitätspolitik auch bei entsprechender Rollenverteilung nur dann erwartet werden kann, wenn für die einzelnen irager Kegein iormunerr weraen, aie von diesen als verbindlich akzeptiert werden können (Verstetigungspolitik, Einkommenspolitik).   Literatur: Barro,R.JMacroeconomics, 3. Aufl., New York u.a. 1990. Barro,R.J. (Hrsg.), Modern Business Cycle Theory, Cambridge, Mass. 1989. Felder er, BJHomburg, S., Makroökonomik und neue Makroökonomik, 5. Aufl., Berlin, Heidelberg, New York 1991. Giersch, H. u.a., Neue Rollenverteilung in der Konjunkturpolitik, in: Die Weltwirtschaft, H. 1 (1971). Starbatty,]., Zur Rollenverteilung in der Konjunkturpolitik, in: ORDO, Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Bd. 35 (1984), S. 151 ff.

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