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Kunstökonomik

Anwendung der ökonomischen Analyse auf den Bereich der Kunst, weil auch dieser der Resourcenknappheit unterliegt. Auch in der Kunst reagieren die Individuen systematisch auf positive und negative Anreize (Rationalverhalten); künstlerische Aktivitäten lassen sich aus dem Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage erklären. Wie in der Ökonomie üblich, wird ein theoretisches Modell des menschlichen Verhaltens als Nachfrager nach und Anbieter von Kunst entwickelt. Die daraus abgeleiteten Hypothesen werden empirisch überprüft. Dabei werden die gemeinsamen Elemente künstlerischen Schaffens hervorgehoben; die grundsätzlich gleichen theoretischen Ansätze sind auf die darstellenden Künste (Schauspiel- und Musiktheater, Ballett, Orchester, Film) und auf die bildende Kunst (Museen, Galerien) anwendbar. Die Kunstökonomik wird heute vor allem im angelsächsischen Raum betrieben (den Anfang machen William J. Baumol und W. G. Bowen 1966); doch finden sich im deutschen, französischen und italienischen Sprachraum bemerkenswerte Vorgänger. Seit rund zehn Jahren gibt es eine einschlägige Fachzeitschrift, das Journal of Cultural Economics. Die wichtigsten Teilbereiche der Forschung befassen sich mit den Bestimmungsgrössen der Nachfrage und des Angebots sowie mit der staatlichen Unterstützung der Kunst. Bei der Nachfrage nach Kunst wird besonderes Gewicht auf den Einfluss von Preisen und Kosten gelegt. Neben den Eintrittspreisen sind insb. die Opportunitätskosten der Zeit und die Preise (Kosten) alternativer Freiheitsaktivitäten (inkl. der Kosten des Zugangs zur Kunst und Kultur) von Bedeutung. In ökonometrischen Untersuchungen wurden für unterschiedliche Bereiche der Kunst die entsprechenden Nachfrageelastizitäten bestimmt; diese Studien gehen damit wesentlich über soziologische Besucherbefragungen hinaus. Die Kosten und damit das Angebot an Kunst werden - am Beispiel der darstellenden Künste verdeutlicht - wesentlich durch zwei Faktoren beeinflusst: (1)   Bevor ein Theaterstück oder eine Oper gezeigt werden kann, sind hohe Kosten aufzuwenden (Proben, Kostüme, Bühnenbild); die Durchschnittskosten fallen daher mit der grösser werdenden Zahl von Aufführungen; ein kostendeckendes Angebot erfordert eine grosse Zuschauerzahl. (2)   Rationalisierungsmassnahmen und damit Produktivitätsfortschritte sind in den i.d.R. arbeitsintensiven künstlerischen Bereichen nur sehr begrenzt möglich. Die weitaus höchsten Kosten sind für das künstlerische, technische und administrative Personal aufzuwenden. Gehen die Löhne und Gehälter mit der allgemeinen Einkommensentwicklung einher, ergeben sich fortlaufend steigende Kosten für die künstlerische Produktion (Baumolsche Hypothese). Trotz dieses relativen Kostenanstiegs ist auch in den darstellenden Künsten eine gewinnorientierte Produktion möglich (so im Falle der Tournee-, der Boulevard- und der Broadwaytheater). Vorherrschend ist jedoch das nicht-gewinnorientierte, staatlich geförderte Theater. Die öffentliche Unterstützung der Kunst lässt sich mit verschiedenen Arten von externen Effekten begründen. Die auf dem Markt ausgeübte Nachfrage berücksichtigt unzulänglich oder gar nicht Options-, Existenz-, Vermächtnis- und Prestigewerte. In den Vereinigten Staaten werden die Künste vor allem indirekt gefördert, da die Zuwendungen von Privatpersonen und Unternehmen steuerlich abzugsfähig sind (Konkurrenz der Theater um potentielle Mäzene). In Europa finden sich verschiedene Arten von direkten Subventionen. Kunstinstitutionen sind darüber hinaus oft Teil des öffentlichen Sektors; ihre Defizite werden im Rahmen des staatlichen Budgets gedeckt. Die kunstökonomische Forschung hat gezeigt, dass die unterschiedlichen Arten von staatlicher Förderung das Verhalten der Kunstanbieter wesentlich beeinflussen und beträchtliche Unterschiede im qualitativen Angebot (Répertoire- oder en suite-Theater), in der Qualität, in den Produktionsverfahren und Eintrittspreisen hervorrufen.    Literatur: Baumol, W. J.lBowen, W. G., Performing Arts. The Economic Dilemma, Cambridge, Mass. 1966. Pommerehne, W. W./Frey, B. S., Musen und Märkte. Ökonomische Analyse der Kunst, München 1993.

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