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Hypothese

Vermutete Erklärungszusammenhänge, an deren Wahrheitsgehalt wir uns nur annähernd herantasten können. Damit sind Hypothesen ein notwendiges Element der Theoriebildung: Sie werden in Form einer allgemeinen Aussage mit dem Anspruch aufgestellt, dass diese wahr ist. Hypothesen können als verbale Aussagen, in Form von Gleichungen bzw. Ungleichungen oder Grafiken formuliert sein. Damit eine Hypothese wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, muss sie einer Falsifizierung unterworfen werden können. In volkswirtschaftlichen Modellen haben Verhaltenshypothesen eine besondere Bedeutung: Wovon hängt der Konsum eines privaten Haushalts ab? Was bestimmt das Investitionsverhalten der Unternehmen?

Mit Hypothesen werden im allgemeinen Annahmen bezeichnet. In der Modelltheorie werden z.B. Hypothesen über die gesetzmäßigen Beziehungen zwischen einzelnen Einflußgrößen aufgestellt, die mit Hilfe empirischer Untersuchungen verifiziert oder falsifiziert werden können. Hypothesen können aber auch als Prognosen formuliert sein. Als Beispiel dafür kann die Hypothese aufgestellt werden, daß die Einführung der 35-Stunden-Woche keinen zusätzlichen Arbeitsplatz schafft.

ist ein angenommener Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen. Variable sind meßbare Größen, die verschiedene Werte annehmen können. Eine Hypothese besteht aus einer sogenannten »Wenn-Komponente« (= Voraussetzung, Behauptung) und einer »Dann-Komponente« (Folge). Bei einer bestimmten Ausprägung der Wenn-Komponente soll dann nach der Hypothese eine bestimmte Ausprägung der Dann-Komponente vorliegen. Beispiele: Wenn ich immer nach Westen segle, dann muß ich mit Sicherheit Indien erreichen. Wenn die Produktion um 22% gesteigert wird, dann steigen die Kosten um 11% und die Ausschußquote um 4%. Hypothesen werden durch empirische Forschung auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

In der Wirtschaftssoziologie: empirisch gehaltvolle Aussage, die einer Klasse von Einheiten bestimmte Eigenschaften zuschreibt oder gewisse Ereigniszusammenhänge oder -folgen behauptet, d.h. das Vorliegen einer Regelmässigkeit im untersuchten Bereich konstatiert. Sie gilt stets nur vorläufig und muss so beschaffen sein, dass ihre Überprüfbarkeit durch Beobachtung und Experiment gewährleistet ist. H.n sind die wichtigsten Bestandteile wissenschaftlicher Erklärungen.

im Alltagssprachgebrauch meist Bezeichnung für eine ungeprüfte Vermutung bzw. Spekulation; Gegensatz zu sicherem Wissen. Die darin zum Ausdruck kommende Abwertung ist in dieser Form aber unberechtigt; denn die Suche nach völlig zweifelsfreien Erkenntnissen stösst in den Realwissenschaften auf unüberwindbare Schwierigkeiten (Fallibi- lismus) oder führt zu Aussagen ohne empirischen Gehalt. In Abhängigkeit vom erreichten Erkenntnisstand sind wissenschaftliche Hypothesen •   bislang ungeprüfte Spekulationen, deren Beziehung zu bisherigem Wissen noch unklar ist und für die sich möglicherweise noch keine Prüfmöglichkeiten angeben lassen; •   an der Realität getestete Vermutungen, die vorläufig aber noch in keinen systematischen Zusammenhang bzw. in eine umfassende Theorie eingeordnet wurden oder eingeordnet werden konnten (Ad-hoc-Hy- pothesen); •   wohlbegründete, empirisch gut bewährte Aussagen, die ggf. sogar den Status eines Gesetzes haben und im Rahmen eines theoretischen Systems als Axiome fungieren können (nomologische Hypothesen).  

Eine Hypothese ist ein Aussagesatz, dessen Wahrheit oder Falschheit noch ungeklärt ist. Wenn eine Hypothese eine universelle, allgemeingültige Aussage ohne räumliche und zeitliche Einschränkung macht, dann setzt sie der Kritische Rationalismus Karl Poppers mit einer Theorie gleich. Macht sie eine Aussage über die Wirklichkeit, dann charakterisiert sie das als empirisch.

8963 (Hypothesenprüfung): Im allge­meinsten Sinne ist eine Hypothese eine be­gründete theoretische Annahme über die Entste­hung, Ursache, Wirkung eines in der materiellen oder sozialen Realität beobachtbaren Sachver­halts oder seinen Zusammenhang mit anderen Sachverhalten. Jede Hypothese formuliert eine Vermutung über die Beziehung zwischen einer unabhängigen Variablen (einer Determinante) und einer abhängigen Variablen (der Resul­tante). In Übereinstimmung mit dem wissen­schaftstheoretischen Ansatz des kritischen Ra­tionalismus (Karl Popper) muss eine empirische Hypothese die folgenden Anforderungen erfüllen:

1. logische Anforderungen:
· Allgemeinheit: Sie muss alle in ihren Bereich fallenden Probleme erklären.
· Widerspruchsfreiheit
· empirische Überprüfbarkeit: Sie muss an der materiellen oder sozialen Realität überprüfbar sein (sie muss Realitätsbezug haben).
Neuheit: Gegenüber bis dahin existierenden Theorien muss sie eine Erklärung für neue Aspek­te darstellen.


2. empirische Wahrheit: Sie muss mit den Tat­sachen, d.h. mit der erfahrbaren Wirklichkeit übereinstimmen.
Je nach dem Informationsgehalt von Hypothesen unterscheidet man zwischen Arbeitshypothesen und theoretischen Hypothesen. Arbeitshypothe­sen mit hohem Bestätigungsgrad werden als Ein­zelergebnisse, theoretische Hypothesen mit ho­hem Bestätigungsgrad als Gesetzmäßigkeiten bezeichnet.
Nach dem Umfang der Realität über die eine Hy­pothese eine Aussage darstellt, unterscheidet man nomologische Hypothesen (Gesetzeshypo­thesen) und singuläre (partikulare) Hypothesen. Nomologische Hypothesen sind raumzeitlich un­eingeschränkt geltende Allaussagen, singuläre Hypothesen beziehen sich hingegen auf einmali­ge Sachverhalte oder auf raumzeitlich begrenzte Bereiche der Realität.
Nach dem Charakter der Beziehung zwischen den Variablen, über den eine Hypothese eine Aussage darstellt, kann man unterscheiden zwi­schen:
(1) deterministischen (wenn X dann immer Y) und probabilistischen (= statistischen) Hypothe­sen (wenn X, dann wahrscheinlich Y);
(2) reversiblen (wenn X, dann Y — wenn Y, dann X) und irreversiblen Hypothesen (wenn X, dann Y, wenn Y, dann nicht X);
(3) konsekutiven (wenn X, dann später Y) und si­multanen Hypothesen (wenn X, dann gleichzeitig auch Y);
(4) hinreichenden (wenn X, dann immer Y) und bedingten Hypothesen (wenn X, dann Y. voraus­gesetzt, dass Z vorliegt);
(5) notwendigen (wenn X, dann und nur dann Y) und substituierbaren Hypothesen (wenn X, dann Y, aber wenn Z, dann ebenfalls Y).
Von besonderer Bedeutung in der — empiri­schen Sozialforschung sind die statistischen Hy­pothesen d.h. die spezifizierten Vermutungen über die Wahrscheinlichkeitsverteilung von Variablen in Grundgesamtheiten, die sich meist auf die Lage von - Parametern bezieht. Da es sich bei diesen empirischen Untersuchun­gen fast ausschließlich um die Überprüfung von Daten aus Stichproben handelt, ist die Hypothesenprüfung ein mathematisch-statistischer Vorgang, bei dem sowohl die Größe des Fehlerri­sikos, Fehler
1. und
2. Art, wie der Sicher­heitsgrad der Aussage, Signifikanzprüfung berechenbar sind.

als Annahmen (Prämissen) in einem Argument verwendete, jedoch nicht als allgemein gültig anerkannte realitätsbezogene Aussagen. Nach Ansicht der Vertreter des kritischen Rationalismus (v.a. Karl POPPER) kann die Wahrheit solcher Aussagen weder vermittels der historischen noch der hermeneutischen, induktiven oder dialektischen Methode gefunden werden. Auch logische Konsistenz ist keine Wahrheitsgarantie. Tatsächlich läßt sich die Wahrheit von Aussagen über die Realität im eigentlichen Sinn überhaupt nicht feststellen. Vielmehr haben Hypothesen immer den Charakter von Vermutungen, an deren Wahrheit man sich nur approximativ herantasten kann. Notwendige Voraussetzung für die Zulässigkeit wirtschaftswissenschaftlicher Hypothesen ist ihre prinzipielle Widerlegbarkeit (Falsifizierbarkeit), d.h., durch eine Hypothese müssen Teilmengen möglicher Konstellationen realer Ereignisse ausgeschlossen sein. Je mehr Ereignisse ausgeschlossen werden, d.h., je begrenzter der Spielraum möglicher (mit der Hypothese verträglicher) Ereignisse ist, desto eher kann eine solche Hypothese falsifiziert werden, und desto größer ist infolgedessen die in ihr enthaltene Information über die Wirklichkeit. Diese Forderung der prinzipiellen Falsifizierbarkeit einer Hypothese wird häufig auch als POPPER-Kriterium bezeichnet. Ziel des Wissenschaftlers muss es sein, eine Hypothese mit möglichst vielen empirischen Beobachtungen und Tatbeständen zu konfrontieren und so entweder ihre Unhaltbarkeit zu demonstrieren oder aber den Grad ihrer Bestätigung schrittweise zu erhöhen. Verifiziert, d.h. endgültig als wahr erkannt werden, kann sie allerdings aus logischen Gründen nie. Während POPPER noch strikt auf der Falsifizierbarkeit einer Hypothese bestand, ist diese Forderung später gelockert worden, so dass man die Falsifizierbarkeit nur noch im Prinzip verlangte. Dadurch geht allerdings die ursprüngliche Asymmetrie zwischen Verifizierbarkeit und Falsifizierbarkeit verloren, denn lehnt man eine Hypothese z.B. aufgrund statistischer Kriterien (Tests) ab, so kann dies immer nur mit vorgegebener Wahrscheinlichkeit, nie aber mit Sicherheit geschehen, und selbst im Falle beliebig hoher Wahrscheinlichkeit können immer noch Zweifel an der Zufälligkeit des realisierten Ereignisses, an der Richtigkeit der statistischen Annahmen oder an den Daten bestehen, so dass auch eine endgültige Falsifizierung nicht mehr möglich ist. Literatur: Popper, K. (1989). Zinn, K.G. (1976). Kuhn, Th.S. (1967)

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