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Systemansatz

Der Systemansatz ist neben dem ent-scheidungsorientierten Ansatz mit die gegenwärtig dominierende methodisch-inhaltliche Grund konzeption für eine pragmatische (gestal-tungsorientierte) Betriebswirtschaftslehre. Formal ist der systemorientierte Ansatz in der Betriebswirtschaftslehre dadurch charakterisiert, daß mit Hilfe der in der Systemtheorie bzw. Kybernetik entwickelten Grundbegriffe (wie Steuerung, Regelung, Rückkopplung, Homöostase, Regelkreis usw.) und allgemeinen Vorstellungen über den Aufbau und das Verhalten von Systemen betriebswirtschaftliche Phänomene und Problemstellungen analysiert werden und gelöst werden sollen. In dieser Perspektive stellen Unternehmen produktive, dynamische, offene, äußerst komplexe, probabilistische, soziotechnische, stabile, lernende, realeusw. Systeme dar, deren Gestaltungs und Führungsprobleme i. Systemansatz einer interdisziplinär orientierten Unternehmensführungslehre angegangen und gelöst werden sollen. In wissenschaftstheoretischer bzw. erkenntnistheoretischer Hinsicht wird der Systemansatz für die betriebswirtschaftliche Forschung neopragmatisch folgendermaßen zu legitimieren versucht: Da Unternehmen als äußerstkomplexe kybernetische Systeme zubegreifen seien, sei auch das Verhalten in und von Unternehmen nie kausalanalytisch, d. h. mit Hilfe realwissenschaftlicher Hypothesen (»Erklärungsmodelle«) vollständig erklärbar. Zum anderen seien realwissenschaftliche Erklärungsversliche der Wirkungszusammenhänge innerhalb deräußerst komplexen Systeme » Unternehmen« bzw. innerhalb der Super-systeme ein unnötiger »Produktionsumweg« betriebswirtschaftlicher Forschung, da eine systemorientierteBetriebswirtschaftslehre primär eineGestaltungslehre sei, die sich mit Gestaltungsmodellen für die Veränderung und Neugestaltung der Wirklichkeit befasse und auf das Erklärendes Bestehenden verzichten könne. Einer systemtheoretischen Betriebswirtschaftslehre als einer auf Veränderung von Wirklichkeit angelegtenHandlungswissenschaft liegt die Auffassung zugrund e, daß es auf der Basis kybernetischer Grund vorstellungen und Erkenntnisse ähnlich wie inden Ingenieurwissenschaften möglich sein müsse, funktionsfähige und neuartige soziale Systeme » Unternehmen« zu entwerfen. Dem ganzheitlich orientierten Systemansatz in der Betriebswirtschaftslehre, der mit dem Versuch eines problemorientierten Aufbaus der Betriebswirtschaftslehre gekoppelt wird, werden von seinen Befürwortern folgende forschungspragmatische Vorzüge zugeschrieben:
Da der Systemansatzsatz auf das abstrakte, interdisziplinäre Begriffsystem der Systemtheorie aus einer alle Realwissenschaften umschließenden allgemeinen Wissenschaft zurückgreife, würden die damit formulierten Aussagen nicht durch inhaltliche Vorurteile oder a priori Annahmen über die betriebswirtschaftliche Möglichkeit belastet, wie dies beim Rückgriff auf das herkömmliche begriffliche Instrumentarium in der Betriebswirtschaftslehre der Fall sei.
Die materiale problemorientierte betriebswirtschaftliche Interpretation der allgemeinen (= formalen) Strukturmodelle der Systemtheorie bzw. Kybernetik sei eine fruchtbare Forschungsheuristik, die zur Aufdeckung bisher unbekannter bzw. vernachlässigter Aspekte und Zusammenhänge bzw. zu einer Schwerpunktverlagerung in der Forschungspragmatik führe.
Der Vorteil der Verwendung systemtheoretischer Termini sei nicht nur ihre interdisziplinäre Anwendbarkeit und Verständlichkeit, sondern ermögliche die interdisziplinäre Integration der Betriebswirtschaftslehre in die Sozialwissenschaften (Psychologie, Soziologie, Sozialpsychologie usw.) bzw. vice versa aufgrund des formalen Charakters des eingesetzten Begriffsapparates, der den systematischen Einbau sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse in betriebswirtschaftlichen Aussagen erlaube, ohne die sich heute eine effiziente Managementlehre i. Systemansatz einer allgemeinen Lehre von der Gestaltung und Lenkung zweckorientierter produktiver Sozialsysteme nicht entwickeln lasse. Ob der Systemansatz die ihm von seinen Befürwortern zugeschriebene interdisziplinäre Allgemeinheit und Integrationsfunktion sowie Präzision und Problemlösungskraft tatsächlich hat oder entwickeln kann, um als erster tragfähiger Ansatz für eine allgemeine Managementlehre gelten zu können, als der er ausgegeben wird, ist im Fache sehr umstritten. Gegen den Systemansatz in der Betriebswirtschaftslehre wird u. a. eingewandt:
Da das begriffliche Instrumentarium der Systemtheorie sehr allgemeiner Natur sei und man in der Betriebswirtschaftslehre bei einem problemorientierten Vorgehen zum Rückgriff auf bereits vorliegende betriebswirtschaftliche Fachtermini notgedrungenermaßen gezwungen sei, sei die behauptete Ideologiefreiheit der Theoriebildung nicht gegeben.
Die behauptete interdisziplinäre Verständlichkeit nehme mit der Problemnähe der Untersuchungen wegen der dadurch notwendig werdenden zunehmenden Verwendung betriebswirtschaftlicher Termini ab bzw. sei nicht gegeben.
Die behauptete Integrationsfunktion kann vom Systemansatz nicht eingelöst werden, da keine Super-theorie (Intertheorie) z. Zt. verfügbar ist, die die Forschungsergebnisse verschiedener sozialwissenschaftlicher Disziplinen vergleichbar und integrierbar machen könnte.
Abgesehen von den bisher ungelösten Operationalisierungsproble-men beruhe die Behauptung, mit Hilfe des Systemansatzes ließen sich Isomorphien in verschiedenen Problembereichen aufdecken und so Theorien formulieren, auf einem Zirkelschluß. Die neopragmatische Reduktion des Erklärungsansprliches, d. h. der Verzicht auf eine erfahrungswissenschaftliche Theoriebildung als F und ierung von Gestaltungsempfehlungen, läßt sich nicht aufrechterhalten. Sowohl bei der Nachbildung sozialer Systeme mit Hilfe des systemanalytischen Instrumentariums wie auch bei der Neu und Umgestaltung solcher Systeme, ist der Rückgriff auf die Kenntnis der die Wirkungsbeziehungen innerhalb dieser sozialen Systeme beherrschenden Gesetzmäßigkeiten unabdingbar.
Die Erkenntnisse der Kybernetik bzw. Systemtheorie sind keine no-mologischen Hypothesen, sondern formale Kalküle, deren empirische Operationalisierung fruchtbare Alternativen zu bereits bekannten theoretischen betriebswirtschaftlichen Entwürfen darstellen könnten, also heuristische Funktion für den realwissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt in der Betriebswirtschaftslehre haben könnten -was sich aber noch erweisen müßte.

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