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Politische Ökonomie

befaßt sich mit der Interdependenz zwischen Wirtschaft und Politik, wobei die verschiedenen Varianten der Politischen Ökonomie unterschiedliche Aspekte dieser Interdependenz in den Vordergrund rücken. In der klassischen Politischen Ökonomie (Adam SMITH, David RICARDO, John St. MILL sowie Friedrich LIST) wurde zwischen der wirtschaftlichen und politischen Sphäre kaum unterschieden, und politische Prozesse fanden keine explizite Berücksichtigung (Klassische Theorie). Eine erste geschlossen entwickelte Gesellschafts-, Wirtschafts- und Staatstheorie stellt die von Karl MARX und Friedrich ENGELS entwickelte Marxistische Politische Ökonomie dar. In dieser Variante wird die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur gesellschaftlichen Struktur direkt in Beziehung gesetzt: Das politische System wird als Herrschaft über die Produktionsmittel in unterschiedlich historisch ablaufenden Formationen angesehen (historische Dialektik). Der Grad der ökonomischen Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitaleigner ist durch die sich historisch verändernde Organisationsform der Gesellschaft festgelegt, in welcher der Staat (vorübergehend) als Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse von Kapitaleignern dient. Die historisch bedingten politischen und ökonomischen Veränderungen im gesellschaftlichen System führen der Marxistischen Theorie zufolge letztlich zu einer Gesellschaft, in der die individuelle Verfügungsgewalt über Produktionsmittel aufgegeben ist, und in der es keine Ausbeutung der Arbeiterklasse mehr gibt. In der Zeit nach dem
2. Weltkrieg haben die »Neue Linke« (in Europa) und die Vertreter der »Radical Economics« (in den Vereinigten Staaten) Teile der marxistischen Analyse übernommen (Radikale Schule). Der Schwerpunkt ihrer Betrachtung liegt (insbes. bei der letztgenannten Gruppe) auf der Ungleichheit der Einkommensverteilung und Vermögensverteilung, in der ihrer Ansicht nach der Ursprung jeglicher Macht im gesellschaftlichen System gesehen wird; die Ungleichheit bewirke, dass nur wenige diese Macht ausüben und darüber hinaus auch auf die internationale Verteilung auf Grund ihrer imperialistischen Vorgehensweise Einfluss nehmen. Im Unterschied zu traditionellen marxistischen Ökonomen betonen die Vertreter der »Radical Economics«, dass eine an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientierte Dezentralisierung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse angestrebt werden soll, und dass nicht so sehr ein mengenmäßiger, gleichmäßig verteilter Produktionszuwachs, sondern eine für alle Bevölkerungsschichten qualitativ verbesserte Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen vorzunehmen ist. Insgesamt sind die Lehren des Marxismus ein Irrweg gewesen, der den Menschen weder wirtschaftlichen Wohlstand, sondern Verelendung gebracht hat, noch hat diese Wirtschaftsform dazu geführt, dass andere dringende Probleme der Menschheit (z.B. Umweltproblematik) einer Lösung näher geführt wurden. Außer den Vertretern der marxistischen (Politischen) Ökonomie wird von einigen »unorthodoxen« Ökonomen der Versuch unternommen, die gegenseitige Abhängigkeit von Wirtschaft und Politik zu analysieren. Aus diesen beiden »Lagern« stammt auch die wesentliche Kritik an der bestehenden (traditionellen) ökonomischen Theorie. So behandelt John K. GALBRAITH Wirtschaft und Politik als eine Einheit, der aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen beiden Bereichen (gegenseitige Verflechtung von Politik und Wirtschaft in hochindustrialisierten Gesellschaften) zentrale Bedeutung zukommt. Von dieser Seite wird auch insbes. die Realitätsferne der grundlegenden Annahmen in der traditionellen Ökonomie (z.B. vollständige Konkurrenz) heftig kritisiert. Neben GALBRAITH als wohl bekanntestem »Unorthodoxen« ist v.a. Kenneth E. BOULDING zu nennen, der sich mit der ökonomischen Analyse von Mechanismen wie des Tausches, der Liebe und der Drohung sowie von nicht msrktlichen Prozessen beschäftigt. Albert O. HIRSCHMAN untersucht v.a. jene Prozesse, die bei einem Versagen des Preissystems (z.B. Verschlechterung des Angebots eines Gutes) in Gang kommen: Der herkömmlichen Ökonomie zufolge wird dann ein anderes Gut (ein anderer Anbieter) gewählt; in der Politischen Wissenschaft wird dagegen insbes. auf den Protest hingewiesen. HIRSCHMAN zufolge können beide Reaktionen zu einer Verbesserung im Angebot führen. Ein weiterer Schwerpunkt innerhalb der Politischen Ökonomie ist die in der Mitte der 60er Jahre aufgekommene Neue Politische Ökonomie (oder ökonomische Theorie der Politik), in welcher die Interdependenz zwischen Wirtschaft und Politik mit dem Instrumentarium der modernen Wirtschaftstheorie untersucht wird. Literatur: Frey, B.S. (1977). Frey, B.S. (1974)

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