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Überindustrialisierungsthese

Erklärungshypothese der Anpassungsschwierigkeiten der westdeutschen Wirtschaft; danach ist eine wesentliche Ursache der etwa seit Mitte der 70er Jahre bestehenden wirtschaftlichen Probleme (insb. niedriges Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit) in der im Sinne einer Überindustrialisierung verzerrten Produktionsstruktur zu sehen. Als diagnostisches Referenzsystem dient die Schätzung des Normalmusters (Normalstrukturthese). Bei der Aufteilung der Gesamtwirtschaft in drei Sektoren (Drei-Sektoren-Hypothese) zeigt sich, dass der sekundäre Sektor einen höheren, der primäre und tertiäre Sektor einen niedrigeren Anteil aufweisen, als es dem Normalmuster entspricht, das bei dem westdeutschen Pro-Kopf-Einkommen zu erwarten wäre. Als Ursache werden neben konstitutionellen (günstige industrielle Standortbedingungen) insb. wirtschaftspolitische Komponenten angeführt. Letztere werden einmal in der Gastarbeiterpolitik gesehen, die die Produktionsausdehnung der Industrie begünstigt habe. Besonders hervorgehoben werden protektionistische Massnahmen gegenüber Industriegüterexporten aus Schwellenländern und die fehlerhafte Wechselkurspolitik bis zu Anfang der 70er Jahre, die häufig zu einer Unterbewertung der DM führte und wie eine Subventionierung des Exports wirkte. Durch den falschen Wechselkurs hatten Unternehmen und Branchen im internationalen Wettbewerb künstliche Vorteile, die ihnen übernormale Produktionsausdehnungen erlaubten bzw. den erforderlichen Schrumpfungsprozess dämpften. Wirtschaftspolitisch verzerrte Preissignale haben danach also eine dem Entwicklungsniveau nicht entsprechende Produktionsstruktur hervorgebracht und Wachstumsmöglichkeiten ungenutzt gelassen. Bei Fortfall der strukturellen Fehlsteuerung durch starken Lohnanstieg und Wechselkursfreigabe entstehen kurzfristig kaum lösbare Strukturanpassungsprobleme, mittel- und längerfristig wird aber mit dem Einschwenken auf die Normalstruktur die Überindustrialisierung abgebaut. Die Überindustrialisierungsthese ist umstritten. Ihre Gültigkeit hängt zunächst davon ab, ob eine Normalstruktur etwa im Sinne der Drei-Sektoren-Hypothese identifizierbar ist. Der Produktionsanteil des industriellen Sektors in der Bundesrepublik war im Verlauf der 70er und Anfang der 80er Jahre leicht rückläufig, er ist im Verhältnis zu Ländern mit vergleichbarem Einkommensniveau aber immer noch sehr hoch. Der Deutung einer "zu geringen" relativen Schrumpfung des sekundären Sektors infolge von Zugangsbarrieren im tertiären Sektor wird eine "zu starke" Schrumpfung wegen besonderer Belastungen durch staatliche Aktivitäten entgegengehalten. Gegenüber der These einer dem Einkommensniveau nicht angepassten Produktionsstruktur ist zudem zu berücksichtigen, dass das Einkommensniveau nicht unabhängig von der tatsächlichen Produktionstruktur ist.    Literatur: Gahlen, B. (Hrsg.), Strukturberichterstattung der Wirtschaftsforschungsinstitute, Tübingen 1982. Donges, J. B./Schmidt, K.-D. u. a., Mehr Strukturwandel für Wachstum und Beschäftigung, Tübingen 1988.  

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