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Berufspädagogik

Teildisziplin der Erziehungswissenschaft, welche sich mit den Beziehungen zwischen Arbeit und Beruf sowie Beruf und Bildung beschäftigt. Sie ist ein Schwerpunkt der heutigen Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Ziele der Berufsbildung: Berufsbildung soll auf die gegenwärtigen und vor allem auf die künftigen Qualifikationsanforderungen des Beschäftigungssystems vorbereiten. Die Qualifikationsanforderungen verdichten sich im Qualifikationsbedarf. Dieser markiert die Nahtstelle zwischen Beschäftigungssystem und Bildungssystem. Ein Hauptproblem liegt darin, dass sich der Qualifikationsbedarf aus gegenwärtigen und prognostizierten Qualifikationsanforderungen nicht zwingend ableiten lässt; ebensowenig besteht eine lineare Ableitungsbeziehung zwischen einem wie auch immer definierten Qualifikationsbedarf auf der einen und Inhalten der Berufsbildung auf der anderen Seite. Die in der Qualifikationsforschung empirisch festgestellten Qualifikationstrends sind widersprüchlich. Polarisierungs-, Dequalifi- zierungs-, Höherqualifizierungs- und Anders- qualifizierungs-Hypothesen stehen nebeneinander. Als Ausweg wird empfohlen, durch Berufsbildung insb. die Fähigkeit zur beruflichen Mobilität zu erzeugen (im Hinblick auf Berufswahl, Berufseinstieg, Arbeitsaufgaben, Status und Arbeitsregion). Weil viele berufliche Qualifikationen nach der beruflichen Erstausbildung durch Weiterbildung in oder neben der Berufsarbeit erworben werden müssen, gilt die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen als zentraler Bestandteil beruflicher Mobilität. Weiterhin wird die Vermittlung von sog. Schlüsselqualifikationen vorgeschlagen. Der Qualifikationsbedarf repräsentiert den gesellschaftlich-ökonomischen Verwertungsaspekt beruflicher Bildung (berufliche Tüchtigkeit). Aus pädagogischer Sicht steht der die subjektive Identität des Menschen betonende Bildungsaspekt im Vordergrund (berufliche Mündigkeit), d.h. unter der regulativen Idee von Bildung werden berufliche Entwicklungsprozesse des Menschen im Hinblick auf die Entfaltung von Mündigkeit in beruflich organisierten Arbeitsprozessen, die Entfaltung seines individuellen Denk- und Handlungspotentials sowie den Ausgleich ungleicher Bildungschancen betrachtet. Die den Mittelpunkt wissenschaftlichen Bemühens bildenden unterschiedlichen Theorieansätze von beruflicher Bildung lassen sich letztlich auf unterschiedliche anthropologische und gesellschaftspolitische Grundwerte zurückführen. Grundformen der Berufsbildung: Entsprechende Berufsbildungsmassnahmen konkretisieren sich in einem inner- und ausserschulischen Berufsbildungssystem, welches durch eine fast unübersehbare Vielfalt gekennzeichnet ist. Nach Zielschwerpunkten lassen sich typisierend folgende Grundformen der Berufsbildung unterscheiden: Vorberuf liehe Bildung. Ziel: Hinführung zur Wirtschafts- und Arbeitswelt (Arbeitslehre, Berufsberatung, Berufsvorberei- tungsjahr). Grundberufliche Bildung. Ziel: Einführung in einzelne Berufsfelder zur Erleichterung der Berufsfindung (z.B. Berufsgrundbildungsjahr). Berufliche Erstausbildung. Ziel: Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf im sog. dualen System (duale Berufsausbildung). Berufliche Fort- und Weiterbildung. Ziel 1 : Berufliche Anpassung (die Berufskenntnisse und Berufsfertigkeiten entsprechend der technischen Entwicklung auf dem laufenden halten). Ziel 2: Beruflicher Aufstieg. Akademische Grund- und Weiterbildung. Ziel 1 : Wissenschaftliche Berufsvorbildung zum Ergreifen eines sog. akademischen Berufs oder eines Wissenschaftsberufs. Ziel 2: Wissenschaftliche Berufsfortbildung zur Vertiefung der Wissenschaftsqualifikation durch Doktorat und Habilitation bzw. zur Anpassung oder Vertiefung der wissenschaftlichen Berufskenntnisse des akademischen Berufs. Berufliche Umschulung. Ziel: Ermöglichung eines Berufswechsels, d.h. Qualifizierung für eine andere als die derzeit ausgeübte Berufstätigkeit. Berufliche Rehabilitation. Ziel: durch u.a. auch berufserzieherische Massnahmen es körperlich und geistig Behinderten zu ermöglichen, ins Berufsleben einzutreten oder zurückzukehren. Berufliche Resozialisation. Ziel: Berufliche Eingliederung oder Wiedereingliederung von straffällig gewordenen Personen. Berufsbildung der Frau. Ziel: Abbau von Vorurteilen gegenüber sog. Frauen- und Männerberufen; Vorbereitung der Rückkehr der Frau in das Berufsleben nach der sog. Familienphase. Jugendliche ohne Berufsbildung. Ziel: Berufserzieherische Massnahmen für die sog. Jungarbeiter bzw. Ungelernten. Berufsbildung von Gastarbeitern, Umsiedlern, Asylanten etc. Ziel: Integration dieser Gruppen in das Beschäftigungssystem. Die Zurechnung zu besonderen Problemgruppen führt zur Gefahr der sozialen Stigmatisierung dieser Menschen. Arbeitslosigkeit als Berufsbildungsproblem. Ziel: Erhaltung, Wiederherstellung oder Ergänzung der Berufsqualifikation von Kurz- und besonders von Langzeitarbeitslosen durch Berufsförderungs- massnahmen und -lehrgänge. •   Berufsbildung der Alten. Ziel: Schaffung von sog. Altenberufen. Abbau des Pensionierungsproblems. Der geschichtliche Ursprung der Berufspädagogik geht auf die Umbenennung der preussischen Gewerbelehrerseminare in "Berufspädagogische Institute" (1928) zurück. Seit der nach dem Zweiten Weltkrieg für die Lehrer an gewerblich-technischen Schulen eingeführten hochschulischen Ausbildung an Technischen Hochschulen und Universitäten ist sie Universitätsdisziplin mit dem Schwerpunkt der Lehrerdidaktik und Berufsschuldi- daktik. Lehrerdidaktische Bezugswissenschaften im Hinblick auf schulische Unterrichtsfächer sind in erster Linie die Natur- und Ingenieurwissenschaften.                                                                   Literatur: Bunk, G., Einführung in die Arbeits-, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Heidelberg 1982. Lempert, W.IFranzke, R., Die Berufserziehung, München 1976. Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg.), Denkschrift zur Berufsbildungsforschung an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland. Situation - Hauptaufgaben - Förderungsbedarf, Weinheim u. a. 1990.

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