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Heckscher-Ohlin-Theorem

Faktorproportionentheorie

Modell zur Erklärung der Richtung und Struktur internationaler Güterströme. Ursprünglich von Eli F. HECKSCHER (1919) entwickelt, später von Bertil QHLIN (1933) weiter ausgearbeitet, wird heute darunter zumeist der von Paul A. SAMUELSON (1948) formalisierte Ansatz verstanden, der eine Reihe von Faktoren der OHLINschen Theorie zur Erklärung der Handelsstruktur (z.B. increasing returns to scale, Transportkosten etc.) unberücksichtigt läßt, um die internationalen Güterströme allein aufgrund relativer Differenzen in der Faktorausstattung einerseits und der Faktorintensitäten der Güter andererseits erklären zu können. Annahmen des HECKSCHER-OHLINSAMUELSON-Ansatzes: a) 2 Güter, 2 Faktoren (K, L), 2 Länder (A, B); b) Produktionsfunktionen mit constant returns to scale und abnehmenden Grenzraten der Faktorsubstitution; c) keine umschlagenden Faktorintensitäten; d) die in den Ländern jeweils verfügbaren Faktormengen sind fixiert; e) Produktionsfunktionen und -faktoren beider Länder sind identisch; f) die gesellschaftlichen Nutzenfunktionen sollen identisch in dem Sinne sein, dass sie eine Einkommenselastizität von 1 aufweisen (homothetische Nutzenfunktion); g) vollständige Konkurrenz auf Güterund Faktormärkten; h) externe Effekte, Transportkosten, Zölle und sonstige Handelshemmnisse bleiben unberücksichtigt. Aussage: Ein Land wird jenes Gut exportieren (importieren), bei dessen Produktion der relativ reichlich (knapp) vorhandene Faktor besonders intensiv genutzt wird. So wird z.B. Land A (Land B) für den Fall, dass (K/L)A>(K/L)B das kapitalintensive (arbeitsintensive) Gut exportieren und das arbeitsintensive (kapitalintensive) Gut importieren. Die zustandekommende Spezialisierung ist bei nicht allzugroßen Unterschieden in den Faktorausstattungen in beiden Ländern unvollständig. Das Theorem bildet die Grundlage für die Analyse einer Reihe von Fragen, deren Behandlung zu weiteren Theoremen gefnhrt hat (SAMUELSON-STOLPERTheorem; RYBCZYNSKI-Theorem; Faktorpreisausgleichstheorem). Zu einer heftigen und bis heute andauernden Diskussion kam es nach dem Versuch von Wassily LEONTIEF (1953/56), mit Hilfe der Input-Output-Analyse das Modell am Beispiel der USA empirisch zu testen (LEONTIEF-Paradox). Der Test mißlang, jedoch zeigte sich, dass die »paradoxen« Ergebnisse teilweise mit dem HECKSCHER-OHLIN-Theorem in Obereinstimmung gebracht werden können. Zugleich war der LEONTIEF-Test Anlass zu einer Reihe von Fortentwicklungen des HECKSCHER-OHLIN-Modells. Neuere Arbeiten widmen sich insbes. der Frage, inwieweit das HECKSCHER-OHLINTheorem und die daraus abgeleiteten Theoreme auch unter weniger stringenten Annahmen gültig bleiben, z.B. bei increasing bzw. decreasing returns to scale, bei unterschiedlichen Nutzenfunktionen, bei Produktionsfunktionen mit der Möglichkeit des Umschlagens der Faktorintensitäten (CES-Funktionen), bei Berücksichtigung von mehr Gütern, mehr Faktoren, Zwischenprodukten und nicht gehandelten Gütern. Im Mehrfaktorenfall sind Faktorintensitäten (Arbeitsintensität, Kapitalintensität) nicht mehr eindeutig zu definieren. In der Diskussion um das LEONTIEFParadox wurde Kritik an der Annahme eines homogenen Faktors Arbeit laut. Qualifizierte Arbeit verfügt über Humankapital (Arbeitsvermögen), welches als zusätzlicher Produktionsfaktor zu berücksichtigen ist. Hochindustrialisierte Länder sind reichlich mit diesem Faktor ausgestattet, ihre Exporte sind deshalb v.a. humankapitalintensiv. Man spricht hier auch vom Neofaktorproportionentheorem. Im Mehrgüterfall ist nicht eindeutig zu sagen, welche Güter ein Land exportiert. Ist Gut 1 kapitalintensiver als Gut 2 und dieses kapitalintensiver als Gut 3, so steht lediglich fest, dass ein kapitalreiches Land nicht Gut 3 exportiert und die anderen Güter importiert. Um die Aussagefähigkeit des HECKSCHER-OHLIN-Theorems beibehalten zu können, wird auf den Faktorgehalt der Güter abgestellt: Deutschland exportiert Güter, deren Kapitalgehalt im Durchschnitt höher ist als der von Importgütern. Im Wachstumsprozess ändern sich durch technischen Fortschritt und Faktorakkumulation (-\' RYBCZYNSKI-Theorem) Inhalt und Aussagefähigkeit des HECKSCHER-OHLIN-Theorems. Liegt die Sparquote eines Landes über der eines zweiten, so können sich die Faktorproportionen schließlich umkehren, und das erste Land wird kapital- statt arbeitsintensive Güter exportieren. Sparverhalten, Produkt- und Prozeßinnovationen, Nachfrageunterschiede und monopolistische Strategien (intraindustrieller Handel) werden zu den entscheidenden Bestimmungsfaktoren des - Außenhandels. Literatur: Rose, K., Sauemheimer, K. (1999). Caves, RE., Frankel, JA., Jones, R.W. (1990). Gandolfo, G. (1986)

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