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importierte Inflation

Übertragung von Preisniveausteigerungen aus dem Ausland (Inflation) in das Inland.
1. Direkte Übertragung: Preissteigerungen bei Importgütern (z. B. Mineralöl) führen direkt zu höheren Inlandspreisen dieser Güter bzw. von Produkten, in denen die importierten Güter verarbeitet sind. Ein Ausweichen auf nicht betroffene reine Inlandsgüter kann dann auch bei diesen zu steigenden Preisen führen.
2. Indirekte Übertragung: Steigende Preise auf wichtigen Exportmärkten veranlassen (inländische) Produzenten, auch die im Inland geforderten Preise an die im Ausland zu erzielenden Preise anzupassen.
3. Geldmengen- (bzw. Nachfragemengen-)Preismechanismus: Im Vergleich zum Ausland relativ gering steigende Inlandspreise wirken exportfördernd, sodass die steigende ausländische Nachfrage über eine exportbedingte Einkommens- und/oder Geldmengenvergrößerung preissteigernd wirkt.

Inländische Geldentwertung, die durch Ausseneinflüsse hervorgerufen wird, vor allem im System (relativ) stabil gehaltener Wechselkurse. Bei einer den realen ökonomischen Bedingungen nicht entspr. Festsetzung der Wechselkurse wird dadurch über sehr hohe Exporte eines Landes in diesem eine starke Aufblähung der inländischen Geldmenge hervorgerufen (durch Umtausch der zufliessenden Devisen in eigene Währung durch die Zentralbank, die dadurch Geld schafft).

Übertragung einer im Ausland herrschenden Inflation ( Weltinflation) auf das Inland. Als sich die Weltinflation Anfang der 70er Jahre beschleunigte und das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse von einer Krise in die andere stürzte, wandte sich die bis dahin meist auf den analytischen Rahmen geschlossener Volkswirtschaften fixierte Inflationstheorie zunehmend der Frage nach den internationalen Übertragungsmechanismen der Inflation aus der Sicht insb. kleiner offener Volkswirtschaften in alternativen Wechselkurssystemen zu. Dabei wurden vor allem der aussenwirtschaftlich induzierte Nachfragesog und Angebotsdruck bei festen Wechselkursen diskutiert. Sind die Wechselkurse fixiert und inflatio- niert das Ausland stärker als das Inland, so entsteht mit der Zeit ein Zahlungsbilanzüberschuss: Die Leistungsbilanz aktiviert sich, weil die Exporte ins Ausland preislich immer konkurrenzfähiger und die Importe im Inland zu teuer werden. Die nichtmonetäre (keynesianische) Inflationstheorie erklärt den daraus resultierenden Inflationsimport mit dem nichtmonetären Nachfragesog (Einkommenseffekt), der mit der Aktivierung der Leistungsbilanz bzw. mit dem steigenden Aussenbeitrag verbunden ist. Aus der Sicht der monetären (neoklassischen) Inflationstheorie wird dagegen die Inflation durch den monetären Nachfragesog (Liquiditätseffekt) übertragen, der sich bei Aktivierung der Zahlungsbilanz aus den zur Kursstabilisierung erforderlichen Devisenkäufen der inländischen Notenbank ergibt (Geldmen- gen-Preis-Mechanismus, monetäre Zahlungsbilanztheorie). In Wirklichkeit dürften beide Übertragungsmechanismen simultan wirksam sein. Eine dritte Möglichkeit des Inflationsimports bei festen Wechselkursen besteht im angebotsseitig wirkenden Importpreisdruck ( Kostendruck). Er entsteht dann, wenn das Ausland stärker inflationiert als das Inland oder wenn die Weltmarktpreise einzelner, kurz- und mittelfristig kaum substituierbarer Vorleistungen steigen. Dabei wirken sich die Importpreissteigerungen bei den inländischen Abnehmern unmittelbar kostenerhöhend aus und treiben deren Endproduktpreise nach oben. Schöpfen die Anbieter von Importsubstituten die sich für sie ergebenden Preiserhöhungsspielräume aus, greift der Importpreisdruck auch auf heimische Produkte über. Eine Erhöhung der Weltmarktpreise gibt andererseits auch den Exporteuren die Möglichkeit, ihre Angebotspreise auf dem Inlandsmarkt heraufzusetzen und einen heimischen Exportpreisdruck zu erzeugen. Der durch diesen internationalen Preiszusammenhang importierte Kostendruck wird so lange anhalten, wie die Weltmarktpreise der handelsfähigen Güter (tradeable goods) steigen und der Wechselkurs unverändert bleibt. Die importierte Inflation kann weitgehend durch häufigere Aufwertungen der heimischen Währung oder durch Freigabe der Wechselkurse abgewehrt werden. Selbst wenn theoretisch die Möglichkeit des Inflationsimports bei freien Wechselkursen über den nichtmonetären Nachfragesog und den direkten internationalen Preiszusammenhang nicht auszuschliessen ist, gelten flexible Kurse praktisch nach wie vor als wirksamster Schutz vor internationaler Inflationsanstek- kung.   Literatur: Claassen, E.-M. (Hrsg.), Kompendium der Währungstheorie, München 1977. Fels, G., Der internationale Preiszusammenhang, Köln 1969. Westphal, ü., Die importierte Inflation bei festen und flexiblen Wechselkursen, Tübingen 1968. Bender, D., Monetäre Transmissions- und Steuerungsprobleme in offenen Volkswirtschaften, in: Thieme, H. J. (Hrsg.), Geldtheorie, Baden-Baden 1985, S. 107 ff.  

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