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Öko-Controlling

Das veränderte gesellschaftliche Umweltbewusstsein und erweiterte Haftungsregeln machen es notwendig, dass die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die ökologische Umwelt stärker beachtet werden. Dazu müssen ökologisch relevante Informationen zur Verfügung stehen. Solche Informationen liefern gegenwärtig u.a. die ökologische Buchhaltung mit einer ökologischen Kostenrechnung (Umweltkostenrechnung) sowie die Öko-Bilanz.

In der Umweltwirtschaft:

Umweltcontrolling

unternehmensbezogenes Kontroll- und Überwachungsinstrumentarium, das dem Unternehmen einerseits Informationen über die Umweltverträglichkeit von Verfahren und Produkten sicherstellt und andererseits die Einhaltung ökologischer Zielvorgaben gewährleistet. Kernstück des Öko-Control­ling ist ein Umweltinformationssystem, das den betrieblichen Entscheidungsträgern die ökologisch relevanten Daten über die Be­triebswirtschaft bereitstellt. Als umfassend­ster Ansatz hat sich dabei die Ökobilanz erwiesen, in deren Rahmen die umweltbezo­gene Erfassung eines Unternehmens in vier Einzelsystematiken erfolgt: Äquivalenzkoeffizienten kommensurabel gemacht werden (ökologische Buchhaltung)\',
(4) Substanzbilanzen, in denen die Bewer­tung von strukturellen Eingriffen, wie die Nutzung der Bodenfläche oder Eingriffe in die Landschaftsstruktur, sowie die ökologi­sche Betrachtung von Anlagevermögen und Lagerbeständen enthalten ist. Eine derart aufgebaute Ökobilanz liefert die Informationsgrundlagen für eine Umwelt- verträglichkeitspriifung(UVP) als umfassen­de Prüfung der Wirkungen umweltrelevan­ter Maßnahmen, Pläne und Programme. Auf der Basis der Ökobilanz können öko­logische Qualitätsziele formuliert und ihre Einhaltung überwacht werden. Durch den ganzheitlichen Ansatz und den hohen Detaillierungsgrad können ökologische Schwachstellen und Erfolgspotentiale auf den einzelnen Konkretisierungsstufen iden­tifiziert werden. Für die erfolgreiche Imple­mentation eines Öko-Controlling-Konzep- tes ist dabei die soziale Integration der Mitarbeiter (Qualifizierung, Motivation, Partizipation) und die institutionelle Absi­cherung des Verfahrens unerläßlich. Aus ein­zelwirtschaftlicher Perspektive bedingt die betriebliche Umsetzung des Öko-Controlling-Konzeptes ein entwickeltes Umweltbewusstsein des Management, um die hohen In- formations- und Organisationskosten der Implementierung und derfortlaufendenUnternaltung in Kauf zu nehmen. Ohne gesetz­liche Regelungen werden in der Unterneh­menspraxis nur einzelne Elemente des Gesamtkonzeptes realisiert werden.

Literatur:  Hallay, H., Öko-Controlling. Eine Chance für aktive ökologische Unternehmenspo­litik, in: Ökologische Abfallwirtschaft, Berlin 1988, S. 43-54. Pfriem, R., Ökobilanzen für Unter­nehmen, in: Pfriem, R., Ökologische Unterneh­menspolitik, Frankfurt a. M., New York 1986, S. 210-226.

siehe   Ökologiecontrolling.


1. Kontext und Aufgabenschwerpunkte des Ökologiecontrollings Die Forderung nach einer umweltverantwortlichen bzw. nachhaltigen Unternehmensführung wird an Unternehmen spätestens seit der Rio-Konferenz 1992 von verschiedenen  Stakeholdern, wie z.B. Banken, Kunden, Mitarbeitern und Umweltverbänden, verstärkt gestellt. Das Ökocontrolling hat dabei eine nachhaltige Unternehmensführung insbesondere durch den Aufbau eines aussagefähigen Umwelt­informationssystems zu unterstützen. Hierbei nimmt das Ökocontrolling nicht nur eine Lotsenfunktion für das Erreichen einer besseren Um­weltperformance wahr, sondern es fördert ebenso ein neues Denken und Handeln, das die Natur als we­sentlichen Wertschöpfungspartner des Wirtschaftens erkennt.
2. Das Betriebliche Rechnungswesen als Umweltinformationssystem Die Schaltzentrale für das Ökocontrolling bildet ein Umweltinformationssystem. Zunächst bietet es sich an, das Betriebliche Rechnungswesen als Informationslieferanten zu nutzen. Informationen aus einem  umweltbezogenen Betrieblichen Rechnungswesen sind jedoch nur sehr eingeschränkt geeignet, die Umwelteinwirkungen von Unternehmen umfassend abzubilden. Der grösste Teil der Umweltkosten versteckt sich in verschiedenen Kostenarten und kann durch das herkömmliche Rechnungswesen nicht transparent gemacht werden. Zwar können mit einer  Flusskostenrechnung umweltrelevante Hauptprozesse, wie z.B. „Sonderabfälle beseitigen” oder „umweltfreundliche Roh­stoffe beschaffen”, analysiert werden. Doch werden hier, wie auch bei der handels- und steuerrechtli­chen Bilanzierung, die Grenzen der monetären Bewertung allzu deutlich aufgezeigt. Umweltinformati­onen sind nämlich durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet: · hohe Dynamik und Unsicherheit, · interdisziplinäre Erkenntnisse und · schwierige bzw. sogar unmögliche Quantifizierbarkeit.
3. Erweiterung um eine Ökobilanzierung Letztendlich muss das herkömmliche Rechnungswesen um Analysen der Realgüterströme erweitert werden. Die wesentliche Grundlage dafür verkörpern  Ökologiebilanzen (Ökobilanzen). Mit ihrer Hilfe werden im wesentlichen Stoff- und Energieströme (InputIThroughput/Output) auf ihre ökologi­schen Auswirkungen hin untersucht. Die Abbildung und Bewertung der Realgüterströme kann sich da­bei auf komplette Institutionen (z.B. einen Produktionsbetrieb), einzelne Prozesse (z.B. Transportvor­gänge), Produkte (z.B. Verpackungen) oder Stoffe (z.B. PVC) beziehen.
4. Anforderungen an eine Ökobilanzierung Ähnlich den „Grundsätzen ordnungsgemässer Buchführung und Bilanzierung” ( GoB) im Rahmen der handelsrechtlichen Bilanzierung sind bei der Aufstellung von Ökologiebilanzen vergleichbare  Grundsätze der Ökobilanzierung einzuhalten. Für die Standardisierung und damit Vergleichbarkeit der Ökobilanzen eignen sich  Internationale Normen wie DIN EN ISO 14040 ff. und die 2001 über­arbeitete EMAS.
5. Aufbau der Ökobilanzierung Die Ökologiebilanzierung beinhaltet die Ableitung einer Sachbilanz, in der die Stoff- und Energieströ­me bzw. Vermögensgegenstände in physikalischen Einheiten (t, 1, kwh, m, etc.) periodenbezogen er­mittelt werden. In diesen Input-Output-Analysen tritt der Bilanzgedanke im Sinne eines Gleichgewichts deutlich zutage. Eine Analogie findet sich auch im
1. Thermodynamischen Gesetz wieder, das besagt, dass Materie nicht „verzehrt” wird, sondern einen Umwandlungsprozess erfährt. Die Bewertung der Umwelteinwirkungen aus der Sachbilanz erfordert eine Art Wirkungsbilanz.
6. Ausgestaltung des Ökologiecontrolling Am besten kann das Ökologiecontrolling seine Aufgabenstellungen erfüllen, wenn es als System aufge­fasst wird (siehe Abbildung 1). Ökologische Ziele müssen dabei in das Unternehmenszielsystem integ­riert werden. Die Umweltziele werden dann in einer Art Regelkreis mit Hilfe der Stoff- und Energiebi­lanzierung weiter konkretisiert und die Zielerreichung kann systematisch gemessen und damit kontrol­liert werden. Eventuelle Gegensteuerungsmassnahmen können darauf aufbauend angestossen werden, um die Verwirklichung der ökologischen Ziele zu gewährleisten. Damit wird der Lotsenfunktion des Controllings am ehesten Rechnung getragen.
Ökologiecontrolling (Ökocontrolling) Hinweis Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe   Controlling, Grundlagen,   Controlling, Informati onssysteme,   Controlling, Internationales,  Corporate Citizenship,   Corporate Governance, - MarketingcontrollingÖkologie-Marketing,   Qualitätsmanagement,   Umweltmanagement, - Unternehmensethik.

Literatur: Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen et al. (Hrsg.), EMAS. Das neue EG-Öko-Audit in der Praxis, 2001; Ensthaler, J. et al., Umweltauditgesetz. EMAS-Verordnung, 2. Auflage, 2002; Gay, J., Stoff- und Energieflussrechnung. Ein Ansatz industrieller Kostenrechnung für eine kostensenkende und umweltorientierte Unternehmensführung, 1998; Hopfenbeck, W./Jasch, C., Öko-Controlling. Umdenken zahlt sich aus! Audits, Umwelt-Berichte und Ökobilanzen als betriebliche Führungsinstrumente, 1993; Meffert, H./Kirchgeorg, M., Marktorientiertes Umweltmanagement. Konzeption — StrategieImplementierung mit Praxisfällen, 3. Auflage, 1998; Müller, A., Controlling-Konzepte. Kompetenz zur Bewältigung komplexer Problemstellungen, 2002; Müller, A., Umweltorientiertes betriebliches Rechnungswesen, 2. Aufl., 1995; Müller-Wenk, R., Die ökologische Buchhaltung. Ein Informations- und Steuerungsinstrument für umweltkonforme Unternehmenspolitik, 1978; Stahlmann, V., Ökocontrolling, in: Müller, A. et al. (Hrsg.), Controlling für Wirtschafts-Ingenieure, Ingenieure und Betriebswirte, 2003, S. 363 — 384. Internetadressen: http://www.umweltbundesamt.de/; http://www.intebisiao.fratinhofer.de/; http://www.emas.ati; http://www.tycohealth.de/;

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