Empfehlungen
A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z  
  Home Top 10 Fachbereiche News Hilfe & FAQ
 

Corporate Citizenship


1. Charakterisierung Corporate Citizenship (CC) ein aus dem angloamerikanischen Wirtschaftsbereich stammender Begriff Wird weitgehend synonym mit den Begriffen Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Sustainability (Nachhaltige Entwicklung, Sustainable Development) verwendet. Enge Anlehnung auch an Begriffe wie Stewardship, Community Relations oder ethisch verantwortliches Verhalten von Unternehmen (Unternehmensethik). Freiwillig integrieren Unternehmen sozial-gesellschaftspolitische Belange als integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik in ihre globalen Geschäftsstrategien, interpretieren sich als „good citizen” (Bür­gerschaftliches Engagement) und praktizieren eine erweiterte konsens- und dialog-orientierte Bericht­erstattung zu ihren stakeholdern.
2. Akteure Zahlreiche (vor allem angloamerikanische) netzwerkartige Initiativen beschäftigen sich zur Zeit mit der Entwicklung von weltweiten Standards für Audits, Berichterstattung usw. (wie    GRI,    The Prince of Wales Business Leaders ForumGlobal Compact, Business for Social Responsibilty, Cor­porate Citizenship Europe,  SustainAbility oder der Unternehmensverband  CSR Europe). Auf politischer Ebene laufen zahlreiche Initiativen:
(1) Die Europäische Kommission legte 2001 ein Grundlagendokument als „Grünbuch” vor, 2002 folgte eine „Mitteilung” mit Vorschlägen für eine CSR-Förderung.
(2)Auf nationalstaatlicher Ebene haben vor allem Dänemark, die Niederlande und insbesondere Grossbritannien, wo 2000 ein eigener CSR Minister ernannt wurde, CSR-Strategien ent­wickelt.
3. Werteorientierung und Einbeziehung sozial-gesellschaftspolitischer Elemente Der Frage einer Werteorientierung kommt im Rahmen der gesellschaftlichen Verantwortung eine zent­rale Rolle zu, denn Werte sind die Massstäbe, nach denen Personen wie Unternehmen sich ausrichten. Sie sind Grundlage für die Bestimmung des Unternehmenszweckes und der angestrebten übergeordne­ten Ziele („Values-based business approach”). Aus dem CC-Leitbild heraus muss ein Unternehmen festlegen, bei welchen Problemen man sich enga­gieren will. Dazu sind Kenntnisse über das gesellschaftliche Umfeld (stakeholder) zu gewinnen. Dann sind aus diesen Unternehmenszielen heraus CC-Strategien zu formulieren. Um „glaubhaft” zu sein, ist ein Bezug zu den eigenen (Kern-)Kompetenzen des Unternehmens erstrebenswert. Als busi­ness case verursacht Corporate Citizenship als „Zukunftsinvestition” nicht nur Kosten, sondern leistet einen Beitrag zur Erreichung der zentralen Geschäftsstrategien. Das Themenspektrum der sozial-gesellschaftspolitische Verantwortung innerhalb und ausserhalb der Unternehmen ist extrem breit: Umweltschutz, Rechte von Eingeborenen, Rechte von Arbeitnehmern, Chancengleichheit, Transparenz, Mitarbeiterbeteiligung, Minderheitenschutz, Bestechung, Beziehung zu Lieferanten und Kunden, Ethische Werte, Arbeitsschutz, Gesundheitsvorsorge, AIDS-Prävention Beschäftigungspraktiken, Diversity, Menschenrechte, Kinderarbeit, Antikorruptionsmassnahmen, Schutz geistigen Eigentums, Gemeindeaktivitäten der Mitarbeiter, Förderung von Kunst, Kultur, Bil­dung etc. Diese Citizenship-Aktivitäten (oft in Zusammenarbeit mit Non-Profit-Organisationen) rei­chen von der lokalen bis zur globalen Ebene.
4. Globale Ansätze zur Steuerung der sozial-gesellschaftlichen Verantwortung Ein institutionalisierter Rahmen mit (globalen) qualitativen und quantitativen Umwelt- und Sozialstan­dards für eine umwelt- und sozial-gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung mit dem Ziel einer erweiterten Verantwortlichkeit („accountability”) ist im Entstehen. Er wird sich auf nationaler Ebene (Umwelt-, Arbeitsrecht etc.) und internationale Ebene (Vereinbarungen zu Umwelt, Arbeits- und Menschenrechtsfragen zwischen Nationalstaaten bzw. als freiwillige Vereinbarungen) entwickeln müs­sen. Zur Zeit sind folgende Standards/Richtlinien/Guidelines etabliert
(1) im Bereich globaler Geschäfts­prinzipien/-initiativen: Caux Roundtable Principles,  OECD Principles for Transnational Companies, Checklist of Performance Indicators von CSR Europe, Social Venture Network Standards of Corporate Social Responsibility,                                                  Sullivan Principles, Global Reporting Initiative (GRI), ISO mit der Entwicklung von Guidelines für Social Responsi­bility oder Global Compact der UN
(2) im Bereich des Umweltschutzes:  EMAS-VOISO 14001, Marine Stewardship Council, Forest Steward Council oder das Responsible Care Programm der Chemie
(3) im sozial-gesellschaftspolitischen Bereich:  AA 1000, SA 8000 Dazu treten freiwillige Vereinbarungen/Selbstverpflichtungen (Code of Conduct/Verhaltenskodex): als Branchenabkommen von Verbänden (z.B. der Common Code for the Coffee Community) oder firmenindividuell. Das Unternehmen unterwirft sich durch die Unterzeichnung solcher „Principles” einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur Annahme und Umsetzung. Soziale Rechte auf freiwilliger Basis weltweit zu verankern, kann auch durch so genannte soziale Güte­siegel gefördert werden, die Aufschluss über Produktionsbedingungen bezogen auf soziale Mindest­standards geben. Beispiele: Flower-Label (seit 1999), Trans-Fair-Siegel etwa für Kaffee, Tee oder Ka­kao (seit 1992) oder das Rugmark-Siegel für Teppiche ohne Kinderarbeit. Ähnliche Labels für Produk­te mit einem ethischen und ökologischen Mehrwert: Marine Stewardship Council (MSC), Dolphin Safe für delphinfreundlichen Fangmethoden oder Forest Stewardship Council. Nachdem es in Deutschland in den 70er Jahren kurzzeitig so genannte Sozialbilanzen als erste Ansätze zu einer gesellschaftsbezogenen Rechnungslegung gab, entstehen nun zum (unabhängigen) Monitoring und zur Auditierung der sozialen Verantwortung neue Ansätze, wie die „Standards of Corporate Responsibility” des Social Venture Network in Washington. Inzwischen liegt mit dem    SA 8000 das erste international auditierbare Sozialverträglichkeitssystern vor. Diese Transparenz vollzieht sich über verschiedene Entwicklungsstufen:
5. Neue Formen der Berichterstattung Eigenständige Umweltberichte sind seit Jahren Standard, neue Formen wie Sozialberichte oder Citi­zenshipreports o.ä. noch Neuland. Auch hier zeigen sich Erfolge bezüglich einer internationalen Stan­dardisierung (GRI). Möglichkeiten der Berichterstattung:
(1) Umwelt — und Sozialberichte als Teil der Geschäftsberichte mit einige speziell gestalteten Seiten
(2) Umwelterklärungen, die im Rahmen von Öko-Audits zwin­gend vorgeschrieben sind
(3) Eigenständige Umweltberichte
(4) Eigenständige Sozialberichte
(5) Nachhaltigkeitsberichte (weltweit ca. 2000). Diese sind vor allem im angloamerikanischen Raurn anzutreffen. Für das Reporting mit mehr gesellschaftspolitischer Ausrichtung werden unterschiedlichs­te Bezeichnungen verwendet: Corporate Citizenship Report, Gesellschaftliches Engagement bzw. Ge­sellschaftliche Verantwortung, Sustainability Report etc. Bei internationalen Rankings von Nachhaltig­keitsberichten (vor allem durch  SustainAbility) finden sich nur wenige deutsche Unternehmen unter den Top 20. Nach der KPMG International Corporate Reporting Survey 2002 veröffentlichten in Japan 79%, UK 49%, USA 36 %, in Deutschland 36% der Unternehmen einen CSR-Report. Hinweis Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe  Corporate Governance,   Interkulturelles Manage­ment,   Ökologiecontrolling,   Ökologiemarketing,   Produktpolitik,   Umweltmanagement,   Unternehmensethik,   Unternehmensführung.

Literatur: Andriof, J./McIntosh, M. (Ed.), Perspectives an Corporate Citizenship, Sheffield 2001; Ar­thur D. Little, Managing Corporate Reputation: Winning and preserving the licence to innovate for business growth, o.J. (www.environment-risk.com/articles/pdf/reputationpdf); Arthur D. Little, The Business Case for Corporate Citizenship, Cambridge 2002; Center for Social Markets., Corporate Citi­zenship challenging \'Business-as-usual\', London/Calcutta 2001; Cowe, R., Investing in Social Respon­sibility: Risks and Opportunities, hrsg. von Association of British Insurers (ABI Research Report), London 2001; CSR Europe, Communicating Corporate Social Responsibility, Transparency, Reporting, Accountability: Voluntary Guidelines for Action, 2000/01; Department of Trade & Industry, Business and Society: Developing Corporate Social Responsibility in the UK, London 2001; Europäische Kom­mission, Grünbuch: Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Brüssel 2001; Europäische Kommission, Mitteilung der Kommission betreffend die soziale Verantwor­tung der Unternehmen: ein Unternehmensbeitrag zur nachhaltigen Entwicklung, KOM(2002)347 endgültig, Brüssel, 02.07.02; Gazdaru, K./Kirchhoff, K., Unternehmerische Wohltaten — Last oder Lust? Von Stakeholder Value, Sustainable Development und Corporate Ctizenship bis Sponsoring, Luchterhand 2003; Global Reporting Initiative, Leitfaden für Nachhaltigkeitsberichte zu wirtschaftli­cher, ökologischer und sozialer Leistung, Boston 2002; Habisch, A. (unter Mitarbeit von Schmidpeter), Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland, Berlin u.a., 2003; Habisch, A./Jonker, J. et al (eds.), Corporate Social Responsibility Across Europe, Berlin u.a. 2005; Hardtke, A,/Prehn, M., Perspektiven der Nachhaltigkeit: Vom Leitbild zur Erfolgsstrategie, Wiesbaden 2001; Leipziger, D., /McIntosh, M., Living Corporate Citizenship. Successful routes to so­cially responsible business, Financial Times Management, 2002; Maass, F./Clemens, R., Corporate Citizenship. Das Unternehmen als “guter Bürger”, Wiesbaden 2002; McIntosh, M./Leipziger, D./Jones, K./Coleman, G., Corporate Citizenship: Successful strategies for responsible companies, London 1998; Steger, U., Corporate Diplomacy. Gesellschaftsbewusste Unternehmensführung. Erfahrungen — Um­setzung - Erfolge, München 2004; The Business Impact Task Force (Business in the Community), Winning with Integrity Handbook, London 2000; The Center for Corporate Citizenship at Boston Col­lege/ProbusBNW, Benchmarks for international corporate community involvement, Boston 2001; Wie­land, J., Corporate Citizenship, Metropolis Verlag, 2002; WBCSD (Hrsg), Corporate Social Responsi­bility: Making good business sense, 2000; Corporate Social Responsibility. The BBCSD\'s joumey, 2002. Internetdressen: http://www.bsr.org (Business for Social Responsibility); http://www.csreurope.org (CSR Europae); http://www.revleonsullivan.com/principled/principles.htm; http://cei.sunderland.ac. uk/ethsocial/intro.htm; http://www.cepaa.org/introduction.htm; http://fireedomtocare.org/page82.htm; http ://www. siemens.de/corporate_citizenship; http://www.germanwatcg.org; http://www.unglobal compact.org; http://www.globalreporting.org (Global Reporting Initiative); http://www.corporate citizen.de; http://www.efc.be/projects/cce (Corporate Citizenship Europe).

Vorhergehender Fachbegriff: Corporate Brand-Strategie | Nächster Fachbegriff: Corporate Communication



  Diesen Artikel der Redaktion als fehlerhaft melden & zur Bearbeitung vormerken




   
 
 

   Weitere Begriffe : Ein-Linienorganisation | Effektenterminhandel | Dienst

   Praxisnahe Definitionen

Nutzen Sie die jeweilige Begriffserklärung bei Ihrer täglichen Arbeit. Jede Definition ist wesentlich umfangreicher angelegt als in einem gewöhnlichen Glossar.

  Marketing

  Definition

  Konditionenpolitik

   Fachbegriffe der Volkswirtschaft

Die Volkswirtschaftslehre stellt einen Grossteil der Fachtermini vor, die Sie in diesem Lexikon finden werden. Viele Begriffe aus der Finanzwelt stehen im Schnittbereich von Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre.

  Investitionsrechnungen

  Marktversagen

  Umsatzsteuer

   Beliebte Artikel

Bestimmte Erklärungen und Begriffsdefinitionen erfreuen sich bei unseren Lesern ganz besonderer Beliebtheit. Diese werden mehrmals pro Jahr aktualisiert.

  Cash Flow

  Bausparen

  Fremdwährungskonto


     © 2017 Wirtschaftslexikon24.com       All rights reserved.      Home  |  Datenschutzbestimmungen  |  Impressum  |  Rechtliche Hinweise
Aktuelles Wirtschaftslexikon