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Quantitätstheorie

Die Quantitätstheorie ist eine vor allem von Irving Fisher in seinem Buch “Appreciation and Interest” (1896) formulierte Theorie der Geldpolitik. Sie basiert auf Fishers Quantitäts­gleichung: Geldmenge mal Umlaufgeschwindig­keit des Geldes ist gleich Handelsvolumen mal Preisniveau: M x U= H x P. Sie entstand im Rahmen des Monetarismus, nach welcher der Wert des Geldes in der Zirkulation in Abhängigkeit von dem Verhältnis des in Umlauf befindlichen Geldquantums zur zirkulierenden Warenmasse bestimmt wird.
Zentral ist die Vorstellung, wonach Preise - und damit der Geldwert - und Geldmenge in direkter Abhängigkeit voneinander sind. Impliziert ist die Auffassung, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes weitgehend eine technische, vor allem von den Zahlungssitten und der Bankenstruktur abhängige Grösse sei. Daher wurde sie als relativ konstant angesehen, und man konzentrierte sich auf die Zusammensetzung und die Änderungen des Geldangebots sowie dessen Wirkungen auf das Preisniveau. Das älteste Modell geldtheoretischer Wirkungsanalyse in diesem Zusammenhang ist dabei die Quantitäts- oder Verkehrsgleichung der klassischen Quantitätstheorie. Zunächst ist diese Verkehrsgleichung G x U = H x P (mit G = Geldvolumen, U = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, H = Handelsvolumen, P = Preisniveau) eine stets erfüllte, tautologische Identitätsgleichung. Sie wird zur Hypothese über Geldwirkungen, wenn z. B. eine Wirkungsverknüpfung zwischen G und P angenommen wird, mit der Aussage, bei Konstanz der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und des Handelsvolumens bestimme die Geldmenge die Höhe des Preisniveaus. Jedoch sind Definition und Bestimmungsgründe der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes komplexe geldtheoretische Problemfelder; die Annahme der Konstanz ist unbegründet. Als neoklassische Quantitätstheorie gilt im Wesentlichen die neoklassische Geldnachfragetheorie mit der Grundthese, dass das Geld eine Form unter zahlreichen ist, in denen Vermögen von den Wirtschaftssubjekten unterhalten wird. Die Geldtheorie wird damit zum Teilbereich einer Kapital-, Vermögensund Wahlhandlungstheorie. Auch hier ist jedoch Erklärungsziel die gesamtwirtschaftliche Wirkung des Geldes i.w.S.

Die Quantitätstheorie ist eine auf John Locke, David Hume und John Stuart Mill zurückgehende, von David Ricardo ausformulierte und insb. von Irving Fisher und Gustav Cassel weiterentwickelte inflationstheoretische Konzeption, nach der zwischen der umlaufenden Geldmenge und dem Preisniveau bzw. einem repräsentativen Preisindex ein proportionaler Zusammenhang besteht. Die Quantitätstheorie wird zur Abgrenzung von der Neoquantitätstheorie auch als klassische, ältere oder naive Quantitätstheorie bezeichnet.
Die Quantitätstheorie vereinigt mehrere Bausteine der klassischen Theorie:
·  Im güterwirtschaftlichen Sektor werden die relativen Preise, im monetären Sektor die absoluten Preise bzw. das Preisniveau bestimmt (klassische Dichotomie).
·  Das Geldangebot ist exogen und geldpolitisch hinreichend steuerbar (CurrencyTheorie).
·  Da bei flexiblen Preisen jedes Angebot sich seine eigene Nachfrage schafft, kann es kein generelles Ungleichgewicht auf dem Gütermarkt geben, d.h. es herrscht stets Vollbeschäftigung (Saysches Gesetz).

Da Geld nur für Transaktionszwecke gehalten wird und die Zahlungssitten längerfristig unverändert bleiben, ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eine strukturelle Konstante (velocity bzw. transaction approach). Aus der auf Irving Fisher zurückgehenden Quantitätsgleichung folgt mit der Umlaufgeschwindigkeit VH = const. (velocity approach) und dem Handelsvolumen H = const. (Saysches Theorem) die quantitätstheoretische Proportionalhypothese: PH = a • M mit a = VH/H const. Änderungen der geldpolitisch steuerbaren Geldmenge M führen hiernach zu einer proportionalen Veränderung des durch den Preisindex des Handelsvolumens PH repräsentierten Preisniveaus.

Die Quantitätstheorie will im Gegensatz zur Quantitätsgleichung keine Identität aufzeigen, sondern sie geht von einem kausalen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau aus. Sie geht dabei von einer strikten Trennung zwischen güterwirtschaftlicher und geldwirtschaftlicher Sphäre aus.

Literatur:
* Friedman, M., Money, II, Quantity Theory, in: Sills, D. L. (Hrsg.), International Encyclopedia of the Social Sciences, Vol. 10, New York 1968, S. 432 ff.
* Rieter, H., Die gegenwärtige Inflationstheorie und ihre Ansätze im Werk von Thomas Tooke, Berlin, New York 1971.

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