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Spekulationskasse

Teil der Geldhaltung von Wirtschaftssubjekten. In der Theorie der Kassenhaltung spielt das Spekulationsmotiv eine erhebliche Rolle. Aus diesem Motiv heraus wird Geld in der Spekulationskasse gehalten, um künftig günstige Anlagemöglichkeiten ausnutzen zu können. Das Volumen der Spekulationskasse bzw. die Nachfrage nach Spekulationskasse (besser: Barvermögen) ist abhängig vom gegenwärtigen und vom erwarteten Zinssatz bzw. dem Kurswert rentabler Anlagen. Die Beziehung zwischen Kurswert und Rendite wird regelmässig für festverzinsliche Wertpapiere erklärt: Bei einem Eigenzins ie von z.B. 4% eines Wertpapieres mit einem Nennbetrag von 100 ergibt sich ein Effektivzins ir von 2%, wenn der Kurs k dieses Papiers k = 200 beträgt. In diesem Fall gilt für den Effektivzins Dieser Effektivzins bestimmt die Liquiditätspräferenz der Wirtschaftssubjekte, Geld zu halten, um bei Gelegenheit günstige Anlagen ausnutzen zu können. Je höher der gegenwärtige Zinssatz bzw. die Rendite eines Aktivums, desto wahrscheinlicher ist es, dass künftige Renditen unterhalb der gegenwärtigen liegen; Wirtschaftssubjekte werden in diesem Fall relativ wenig Spekulationskasse halten. Bei einem gegenwärtig relativ niedrigen Zinssatz gilt das Umgekehrte. Nach John Maynard Keynes kann sogar der Fall eintreten, dass bei einer bestimmten, als minimal angesehenen Zinshöhe eine Erhöhung der Geldmenge (in bestimmten Grenzen) von den Wirtschaftssubjekten ausschliesslich zum Auffüllen der Spekulationskasse verwendet wird, da nicht damit gerechnet wird, dass die Erhöhung der Geldmenge zu einer weiteren Zinssenkung führt. Für die Zukunft werden ein Zinsanstieg und somit fallende Wertpapierkurse erwartet. Zusätzliches Geld wird daher vollständig in der Spekulationskasse gehalten - sog. Liquiditätsfalle (liquidity trap).   

jener Teil der Geldnachfrage, den John M. KEYNES im Rahmen seiner Theorie der Liquiditätspräferenz mit dem Spekulationsmotiv begründet. Im Gegensatz zur vorwiegend einkommensabhängigen Transaktions- und Vorsichtskasse resultiert die Spekulationskasse aus dem Bedürfnis der Wirtschaftsakteure, ihr Finanzvermögen möglichst ertragbringend anzulegen. Die Entscheidung, welcher Teil des Vermögens in Form von Finanzaktiva gehalten werden soll, wird hierbei als gegeben unterstellt. Vorausgesetzt, dass zur Anlage des Finanzvermögens ausschließlich Geld und festverzinsliche, börsennotierte Wertpapiere mit unendlicher Laufzeit (Konsols) existieren, ist die temporäre unverzinsliche Geldhaltung stets dann dem Erwerb verzinslicher Aktiva vorzuziehen, wenn die Wirtschaftssubjekte eine negative Nettorendite der Wertpapieranlage erwarten. Die Nettorendite umfaßt den aktuellen Marktzins, der sich aus dem Verhältnis zwischen dem festen Kuponzins und dem Wertpapierkurs errechnet, und die für den Zeitpunkt des Verkaufs erwartete Kursänderung. Da der Marktzins stets positiv ist, kann der Nettoertrag der Wertpapierhaltung nur im Falle eines erwarteten Kursverlustes, der die laufende Kuponzahlung übertrifft, einen negativen Wert annehmen. Marktzins und Kurs eines Wertpapiers stehen in einer inversen Beziehung zueinander. Insofern wird ein Anleger die zwischenzeitliche Geldhaltung dann vorziehen (Liquiditätspräferenz), wenn er für die Zukunft einen hinreichend stark steigenden Zinssatz erwartet. Dieses Entscheidungsverhalten impliziert, dass er sein Finanzvermögen bei gegebener Konstellation von aktuellem und erwarteten Zins entweder vollständig in Form von Geld oder in Form von Wertpapieren hält und nicht beide Aktiva gleichzeitig in sein Portfolio aufnimmt. Da KEYNES das Spekulationsmotiv auch zur Begründung einer mit steigendem aktuellen - Zins stetig abnehmenden gesamtwirtschaftlichen - Geldnachfrage heranzieht, muss er die zusätzliche Annahme interpersonell unterschiedlicher, aber dennoch sicherer - Zinserwartungen einführen. Durch Aggregation der Spekulationskassennachfrage aller Individuen wird die einzelwirtschaftliche »Entwederoder-Entscheidung« in eine gesamtwirtschaftliche »Sowohl-Geld-als-auch-Wertpapiere-Entscheidung« transformiert. Die stetig fallende Geldnachfragefunktion ist in ihrer Lage stabil, da die als sicher angenommenen Zinserwartungen unabhängig von der Höhe des aktuellen Marktzinses sind. Die Theorie der Spekulationskasse wurde von James TOBIN zur Portfoliotheorie der Geldnachfrage weiterentwickelt (Portfolio-Selection-Theorie). Das Modell von TOBIN ermöglicht es, auch für den einzelnen Wirtschaftsakteur eine stetige, negativ vom Zinssatz abhängige Geldnachfragefunktion abzuleiten. Dieser Ansatz erlaubt zudem eine umfassende Analyse der optimalen Vermögensallokation, in der das gesamte Spektrum der Aktivaformen Berücksichtigung findet. Literatur: Jarchow, H.-J. (1993)

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