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Kassenhaltung

Kasse besteht aus Bargeld und Sichtguthaben auf Konten bei Banken und Postgiroämtern. Der Umfang der Kassenhaltung ist abhängig vom Liquiditätsstreben (i. S. der Zahlungsfähigkeit) der Unternehmensleitung. Er wird somit zunächst durch die Höhe der Ein- und Auszahlungsströme, die für einen bestimmten Zeitraum (möglichst kurz) prognostiziert werden, bestimmt. Berücksichtigt werden weiterhin mögliche Abweichungen von den Erwartungen über Zahlungseingänge und Zahlungsverpflichtungen. Die Unternehmensleitung wird im Rahmen der Kassenhaltungspolitik versuchen, die Kassenhaltung so zu gestalten, dass die laufenden Zahlungsverpflichtungen termingerecht im vollen Umfang bei gleichzeitiger Minimierung des negativen Rentabilitätseffekts geleistet werden.
Die Literatur schlägt die Lösung des Problems mit Hilfe unterschiedlicher Kassenhaltungsmodelle vor (Baumol-Modell; Beranek-Modell; Modell Miller-Orr). Diese können aber aus verschiedenen Gründen nicht vollständig überzeugen.

1. Bestand des Nichtbankensektors an Bargeld. Bargeldumlauf ausserhalb der Banken. 2. Unterhaltung von Bargeld- und Buchgeldbeständen der Wirtschaftssubjekte, um anfallende Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Halten von Geld durch Geldnachfrager. Die Theorie der Kassenhaltung erklärt die Bestimmungsgründe für die Geldnachfrage von Wirtschaftssubjekten aus einzelnen Motiven. Es geht dabei um die Frage, warum Menschen überhaupt Geld verfügbar haben wollen. Würden sämtliche Ausgaben und Einnahmen der Wirtschaftssubjekte synchron erfolgen, brauchte niemand Geld z. B. als Zahlungsmittel zu halten; es gäbe dann keine Kassenhaltung. Sie folgt also zunächst aus dem asynchronen Verlauf von Zahlungseingängen und -ausgängen. Mit dem Halten von Geld in der Kasse als Zahlungsmittel in Form der Geldmenge Ml wird ein Teil des gesamten Geldvermögens zinslos gehalten. Der Umfang dieser Kassenhaltung ist abhängig •   vom zeitlichen Abstand der Zahlungseingänge und -ausgänge, •   von der Höhe der bekannten (sichere Erwartungen) und möglicherweise (unsichere Erwartungen) eintretenden Zahlungen, •   von der Möglichkeit, Kredite aufnehmen zu können, •   vom Zins, auf den man durch Kassenhaltung anstelle einer ertragbringenden Anlage verzichtet (Opportunitätskosten), die jedoch andererseits auch Kosten und Mühen (Bankspesen und Zeit) erfordert. Diese Bestimmungsgründe der Kassenhaltung entscheiden über die Aufteilung des Vermögens in Geld und andere, rentable Vermögensarten. Insofern ist die Kassenhaltungs- theorie ein Teilaspekt einer umfangreicheren Theorie der Vermögenshaltung, der  Portfo- liotheorie. Die moderne Theorie der Geldnachfrage nahm ihren Ausgang mit John Maynard Key- nesy der als Motive der Kassenhaltung nennt: •   Transaktionsmotiv (Halten von Geld für Umsatzzwecke und damit abhängig vom Transaktionsvolumen), •   Vorsichtsmotiv (Halten von Geld für Ereignisse, bei denen der Zeitpunkt und die Höhe der Belastung ungewiss sind, und das daher abhängig von einem Risikofaktor ist), •   Spekulationsmotiv (Halten von Geld in der Absicht, eine künftig günstigere Anlagealternative als die gegenwärtig vorhandenen ausnutzen zu können, und das daher von der Renditeerwartung sowie dem Vermögensbestand abhängt). Diese Kassenhaltungsmotive führen zu der theoretischen Dreiteilung der Geldhaltung in die Geldnachfrage für Transaktionszwecke ( Transaktionskasse), die für die Absicherung gegenüber Risiken (Vorsichtskasse) und die für die Wahrnehmung von Chancen ( Spekulationskasse); die Spekulationskasse ist integraler Bestandteil der von der Port- foliotheorie erklärten Vermögenshaltung. Die neuere Theorie der Postkeynesianer ( Fiskalismus) und Monetaristen trennt nicht mehr (so streng) zwischen diesen Einzelmotiven, was dazu führt, dass auch die keyne- sianische Transaktionskasse in eine portfoliotheoretische Argumentation eingeht, also in einen allgemeinen Ansatz der Vermögenshaltung. Die gesamte Kassenhaltung ist dann abhängig vom Transaktionsvolumen bzw. Volkseinkommen ( Geldnachfrage), dem Zinssatz und dem gesamten sonstigen Vermögen. Eine noch bestehende Kontroverse zwischen Monetaristen und Postkeynesianern richtet sich auf die Stärke des Einflusses der einzelnen Determinanten der Geldnachfrage. Die Stärke des Einflusses des Zinsniveaus auf die Geldnachfrage (Zinselastizität der Geldnachfrage) wird von Postkeynesianern höher eingeschätzt als von Monetaristen, für die Stärke des Einflusses von Einkommensänderungen (Einkommenselastizität der Geldnachfrage) gilt das Umgekehrte. Ausserdem ist für Monetaristen die Stabilität der Geldnachfrage von entscheidender Bedeutung; hierbei geht es um die Frage, ob die funktionale Beziehung zwischen Geldnachfrage und ihren Argumenten (also den bestimmenden, unabhängigen Funktionsvariablen) im Zeitablauf gegeben (also nicht unbedingt konstant, sondern berechenbar) ist.     Literatur: Borchert, M., Geld und Kredit, 2. Aufl., München 1992. Jarchow, Theorie und Politik des Geldes, I: Geldtheorie, 8. Aufl., Göttingen 1990.

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