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Zinselastizität

Die Zinselastizität drückt im Rahmen eines funktionalen Zusammenhangs aus, um wieviel Prozent sich eine bestimmte Größe ändert, wenn der Zinssatz um 1% variiert (Elastizitäten). Der Zins ist ein maßgebliches Kriterium für die zeitliche Entwicklung von Geldschulden, wie sie typischerweise im Darlehensvertrag geregelt wird. Dabei handelt es sich um Vermögensangelegenheiten von Gläubigem und Schuldnern. Sie stehen im Zusammenhang mit den gesamten Vermögensdispositionen der Betreffenden. Darum bilden Zinsen ein Kriterium für die Bestimmung des Vermögensumfangs, und sie treten in der Rolle von opportunity costs bei Entscheidungen über die Vermögenszusammensetzung auf.

Überlegungen zur Höhe des Reinvermö gens werden in der Theorie der Sparfunktion zur Sprache gebracht. Die zwar nicht nur, wohl aber auch auf Zinsen begründete Rentierlichkeit des Vermögens eröffnet bei Hintansetzung des Gegenwartskonsums um so höhere Konsummöglichkeiten in der Zukunft und spricht darum für eine positive Zinselastizität der Ersparnis sowie komplementäre Anpassung in allen Vermögenskategorien. Legt man in Fragen der Vermögensstruktur nach PATINKINschem Vorschlag zur Keynesianischen Theorie ein Spektrum, bestehend aus Sach- und Finanzvermögen (erste Stufe), zugrunde, letzteres wieder unterteilt nach Geld und Wertpapieren (zweite Stufe), so wird man auf beiden Stufen substitutionale Beziehungen vermuten. Der Zins als Geschöpf des Finanzmarktes muss also auf der ersten Stufe gegen die Sachkapitalrendite abgewogen werden, und die Investitionstheorie wird prima facie von einer negativen Zinselastizität ausgehen müssen. Auf der zweiten Stufe sind unterschiedlich liquide und (im umgekehrten Verhältnis) unterschiedlich verzinsliche Finanzaktiva gegeneinander abzuwägen. In bezug auf die - Geldnachfrage wird man eine negative Zinselastizität erwarten, wenn man »den« Zins als Ertragsrepräsentanten von »Wertpapieren« nimmt. Die Theorie der Liquiditätspräferenz bzw. der Nachfrage nach Spekulationskasse nimmt diesen Gedanken auf. Für offene Volkswirtschaften erweitert sich das Vermögensspektrum um die Inlands-/Auslandseigenschaft der bezeichneten Gegenstände. Die Zinselastizität des internationalen Kapitalverkehrs ist von Komplementaritäts- und Substitutionsbeziehungen getragen wie das Geschehen auf dem Feld der nationalen Vermögensdispositionen. Für den Finanzmarktansatz in der Wechselkurstheorie spielen diese Gegebenheiten eine ausschlaggebende Rolle.

Hypothesen über den Wert der Zinselastizitäten in verschiedenen Theoriesegmenten haben mitunter dogmatischen Charakter angenommen. So stand die Behauptung einer negativ-unendlichen Zinselastizität der Geldnachfrage (liquidity trap) und einer Zinsunempfindlichkeit, d.h. Null-Elastizität der Investitionsnachfrage (investment trap) Pate bei den KEYNES-Effekten und hatte weitreichende wirtschaftspolitische Folgen, legte sie doch ein Verdikt über die Geldpolitik nahe.

Unendliche Elastizität (des Saldos) der Kapitalbilanz in bezug auf Veränderungen des Inlandzinses führt dazu, dass unter den Gesichtspunkten des MUNDELL-FLEMING-Modells das binnen- und außenwirtschaftliche Gleichgewicht auf Weltmarktzinsniveau verankert bleiben. Geldpolitik ist in diesem Fall für Einkommen und Beschäftigung wirkungslos, um so mehr aber für die Preisstabilität verantwortlich. Diese in einem System fester Wechselkurse gültigen Schlußfolgerungen müssen bei flexiblen Wechselkursen grundlegend revidiert werden. Unabhängig von der Zinselastizität des internationalen Kapitalverkehrs ist akkommodierende Geldpolitik erforderlich, damit Maßnahmen der Fiskalpolitik nicht durch entgegengerichtete Wechselkurseffekte neutralisiert werden.

Siehe Zins .






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