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insider-outsider-Modell

von Dennis J. SNOWER und Assar LIND-BECK (1988) entwickelte Theorie zur Mikrofundierung des Phänomens starrer Löhne bzw. unfreiwilliger - Arbeitslosigkeit. Es erklärt, weshalb der neoklassische Preismechanismus, der den Arbeitsmarkt räumt (Unterbieten herrschender Löhne durch Arbeitslose), in nur sehr eingeschränktem Umfang wirksam ist. Insofern stellt es eine Alternative bzw. Ergänzung zur - Effizienzlohntheorie dar. Das Hauptargument besagt, dass die Insider (die Beschäftigten) eines Unternehmens die Macht haben, die Anstellung von Outsidern für das Unternehmen unattraktiv zu machen, d.h., sie verfügen über eine Strategie, die Transaktionskosten (turnover costs) neuer Beschäftigter (entrants) anzuheben: Auf der einen Seite können sie neuen Angestellten ihre Kooperation verweigern (worunter alle Aktivitäten fallen, durch die sich die Arbeiter in der Produktion gegenseitig unterstützen), was deren Arbeitsgrenzprodukt senkt. Auf der anderen Seite können Insider den neuen Mitarbeitern auch die Arbeitsbedingungen unangenehm machen, indem sie ihnen z.B. persönliche Beziehungen verweigern (harassment). Dieser Effekt erhöht das Arbeitsleid der Neuen und in der Folge auch deren Reservationslohn, zu dem sie eine Stelle annehmen würden. Eine wichtige Annahme des Modells lautet dabei, dass ein Unternehmen zwar über Art und Umfang dieser Aktivitäten informiert ist, aber keine Möglichkeit hat, individuelle Arbeiter dabei direkt zu beobachten und zu bestrafen. Aus diesen beiden Gründen ergibt sich, dass die Beschäftigung von Insidern profitabler als die von Outsidern ist, selbst wenn c.p. alle Arbeiter homogen wären. Nun können die Insider, die nicht mehr beliebig (d.h. kostenlos) austauschbar sind, diesen Produktivitätsvorteil in höhere Löhne umwandeln: Sie nutzen ihre Macht, um die Zahl der Mitarbeiter im Betrieb möglichst klein zu halten, so dass ihr Grenzprodukt und damit ihr Lohn angehoben werden kann. Die alte Belegschaft erzeugt also durch ihre nichtkooperativen Strategien eine Rente aus ihrer Beschäftigung (Produktivitätsvorteil gegenüber neuen Angestellten), die sie durch höhere Lohnforderungen abschöpft. LINDBECK und SNOWER nehmen dabei nicht an, dass den Insidern die Belästigung der Neuen angenehm oder auch unangenehm ist (da dann die in ihrem Modell abgeleiteten Resultate trivial wären). Statt dessen setzen sie ihre Aktivitäten nur zu dem Zweck ein, ihren eigenen Lohnsatz zu maximieren. Im Gleichgewicht auf individueller Unternehmensebene zeigt sich, dass die Insider die Beschäftigung von Outsidern häufig vollständig verhindern, zumindest aber erheblich reduzieren können. In allen möglichen Situationen ziehen sie einen Vorteil aus ihrer Insiderposition, der sich in höheren Löhnen niederschlägt. Im aggregierten Arbeitsmarktgleichgewicht tritt dann Arbeitslosigkeit auf. Diese wird als unfreiwillig bezeichnet, sofern man eine entsprechende Definition der Unfreiwilligkeit akzeptiert: Nach dieser wäre zwar ein Arbeitsloser zu den für ihn offenstehenden Bedingungen nicht bereit, eine Beschäftigung anzunehmen; er würde sofort einwilligen, Beschäftigung zu einem geringeren Lohn als dem Insiderlohn zu akzeptieren, wenn er unter den gleichen Bedingungen wie ein Insider arbeiten könnte. Da die Arbeiter grundsätzlich identisch sind, kann diese Einschränkung des Aktionsraumes und die sich daraus ergebenden Folgen für die Beschäftigung, welche durch die Strategien der anderen Marktteilnehmer erfolgen, nicht als freiwillig bezeichnet werden. Der konkrete Handlungsspielraum der Insider wird durch die allg. wirtschaftliche Situation bestimmt. So prognostiziert das Modell Beschäftigungsexpansion im Aufschwung und -kontraktion im Abschwung. Die Mengenschwankungen sind jedoch gegenüber einem Standardmodell verändert: Im Abschwung sind stabile Insider-löhne sowie eine allmähliche Kontraktion der Insiderzahl zu erwarten (z.B. durch Pensionierung), im Aufschwung gehen steigende Löhne der Insider mit nur moderaten Zuwächsen der Beschäftigung einher (Hysterese). Literatur: Lindbeck, A., Snower, D.J. (1988)

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