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Effizienzlohntheorie

erklären Lohnniveau- und Lohnstrukturinflexibilitäten, die von Unternehmen als Anreizinstrument gegenüber Arbeitnehmern eingesetzt werden, um deren Arbeitswilligkeit und -fähigkeit anzuregen. Nach dieser Theorie hält ein Effizienzlohn Arbeitnehmer davon ab, unternehmensschädlich zu arbeiten oder das Unternehmen zu verlassen, das in sie als unternehmensspezifisches Humankapital investiert hat. In der Konsequenz führen solche Inflexibilitäten zu Arbeitslosigkeit bzw. verhindern deren Abbau. Empirische Untersuchungen bestätigen weitgehend die Relevanz der Effizienzlohntheorien für die Lohnbildung.

mikroökonomisch fundierte Erklärung dafür, dass gewinnmaximierende Unternehmen nicht bereit sind, den Lohn auf das markträumende Niveau zu senken, sondern höhere Löhne bezahlen, die am aggregierten Arbeitsmarkt zu Arbeitslosigkeit führen. Der Grundgedanke besagt, dass die Leistungsbereitschaft der Arbeiter von den Löhnen abhängig ist. Daraus folgt, dass der Unternehmer nicht den geringstmöglichen, marktmäßig bestimmten Lohn pro Arbeiter wählt, sondern denjenigen, der die Kosten der effektiven Leistung (die »effiziente Arbeit«) minimiert. Robert M. SOLOW (1979) zieht als Ausgangspunkt die »folkloristische« Regel der Arbeitsmarktliteratur heran, wonach Unternehmen für schlechte Löhne keine gute Arbeit erhalten. Eine Lohnkürzung könnte die Kosten der Firma langfristig steigen lassen, da die Unzufriedenheit unter den Arbeitern von zu geringer Motivation über Achtlosigkeit in der Arbeit bis hin zur Sabotage führen kann. Dagegen würden Arbeiter, die sich gut bezahlt fühlen, höhere Leistungen erbringen. Der kurzfristig geringste Lohn stimmt so nicht notwendigerweise mit dem mittel- oder langfristig günstigsten überein, den ein rationales Unternehmen zu minimieren trachten sollte. Eine zentrale Annahme in der Modelldarstellung von Janet L. YELLEN (1984) ist, dass die Leistung der Arbeiter von der Firma nicht (oder nur zu prohibitiv hohen Kosten) gemessen werden kann (unvollständige monitoring-Technologie). Ansonsten — würde vertraglich festgelegt, dass jeder Arbeiter sein Grenzprodukt erhielte —, die Diskussion wäre gegenstandslos. Diese Marktunvollkommenheit ist letztlich auch der Grund dafür, dass Effizienzlohnmodelle ein vom kompetitiven Marktmodell abweichendes Ergebnis erzeugen. Nun kann es aber auch ohne direkte Überwachungsmöglichkeiten eine indirekte Steuerung der Arbeitsleistung unter den folgenden Umständen geben: Ist die Leistung pro Arbeiter e vom Reallohnsatz w abhängig, d.h. e = e(w), und kann diese durch Zahlung höherer Löhne mit abnehmender Rate gesteigert werden (de/dw > 0, d2e/dw2 < 0), wird die traditionelle Form der kurzfristigen Produktionsfunktion Y = Y(L) mit Y\'> 0, Y"< 0, die den Output Y als Funktion der physischen Beschäftigung L angibt, durch eine neue ersetzt. Es gilt Y = Y(eL) = Y[e(w)L] unter den gleichen Restriktionen bezüglich des Grenzprodukts. Dabei tritt an die Stelle des physischen Faktors Arbeit die »effektive« Arbeitsleistung, die durch das Produkt aus Leistung pro Arbeiter und Beschäftigung gegeben ist. Es ist zu beachten, dass in dieser Version Quantität und Qualität von Arbeitsleistung perfekte Substitute sind. Der Unternehmer maximiert den Profit P (der Produktpreis ist numeraire) indem er sowohl Lohnsatz als auch Beschäftigung wählt. Die Bedingungen erster Ordnung sind:
(1)
Effizienzlohntheorie besagt, dass die Lohnkosten des letzten eingestellten Arbeiters dessen Grenzprodukt entsprechen: sein Grenzprodukt ist proportional dem Leistungseinsatz e.
(2) fordert, dass der Grenzertrag einer Lohnsteigerung (Produkt aus Leistungszunahme pro Arbeiter multipliziert mit der Beschäftigung) gleich den Grenzkosten dieser Lohnsteigerung (gegeben durch die Beschäftigung) ist. Aus
(1) und
(2) folgt das wichtigste Resultat der Effizienzlohntheorie, die SOLOW-Bedingung, welche besagt, dass im Profitmaximum der Lohn w* so gewählt wird, dass die Elastizität der Arbeitsleistung in bezug auf den Lohn gleich Eins ist: de/dw • w/e =
1. Um die Existenz eines positiven Effizienzlohns zu sichern, ist zusätzlich die allerdings kaum restriktive Annahme erforderlich, dass die Elastizität der Arbeitsleistung bei geringem Lohn größer als Eins ist und mit zunehmender Bezahlung sinkt (d.h., zunehmende Bezahlung führt zu einer immer schwächeren Erhöhung des Arbeitseinsatzes). Wählte ein Unternehmen einen geringeren als den Effizienzlohn, könnte es seine Arbeitskosten durch eine Lohnerhöhung reduzieren, da in der Folge die effektive Arbeitsleistung rascher als die Lohnsumme stiege. Umgekehrt würde bei einem höheren als dem Effizienzlohnsatz der Gewinn durch eine Lohnsenkung verg~öBert, da die Leistung ab dem Effizienzlohn nur langsamer als die Bezahlung steigt. Kennt die Firma den kostenminimierenden Lohn, findet sie entsprechend ihrer Arbeitsnachfragefunktion die optimale Beschäftigung nach der bekannten Bedingung der Gleichheit von Arbeitsgrenzprodukt und (Effizienz-)Lohnkosten. Ist der Effizienzlohn höher als der markträumende Lohn, werden nicht alle Arbeiter beschäftigt, es entsteht Arbeitslosigkeit. Selbst wenn Arbeitslose versuchten, durch eine Unterbietung des herrschenden Lohnniveaus eine Beschäftigung zu erhalten, würden sie nicht eingestellt, da dies für das Unternehmen nicht profitabel wäre: Es müßte damit rechnen, sehr unprofitable Arbeiter zu erhalten, die ihm letztlich teurer als die zu höheren Löhnen beschäftigten kämen (Lohnleistungszusammenhang). Literatur: Yellen, J.L. (1984). Solow, R.M. (1979)

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