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Methodologie

Die Methodologie ist die Lehre von den Methoden der Betriebswirtschaftslehre. Die Methoden bestimmen die formale Seite der Betriebswirtschaftslehre, während das System die materielle Seite darstellt. Die Methoden werden im wesentlichen vom Formal- oder Erkenntnisobjekt der Betriebswirtschaftslehre bestimmt, während das Material- oder Erfahrungsobjekt den Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre darstellt. Das Erfahrungsobjekt ist der Betrieb, das Erkenntnisobjekt ist die Zielfunktion, aufgrund der der Betrieb untersucht, beschrieben und gestaltet wird.

In der Wirtschaftssoziologie: Theorie der Methoden; [1] deckt sich in der weiteren Auffassung des Begriffs mit Wissenschaftstheorie.

[2] Methodologie umfasst in einer engeren Auffassung nur die Analyse der wissenschaftlichen Methoden, besonders im Hinblick auf die wissenschaftlichen und theoretischen Ziele ihrer Anwendung.

Wissenschaftstheorie

Lehre von den angemessenen (wirtschafts-)wissenschaftlichen Vorgehensweisen. Methodologische Erwägungen haben in den Wirtschaftswissenschaften von jeher eine bedeutsame Rolle gespielt. Dabei wurden über Fragen der einzelwissenschaftlichen Forschung hinaus stets auch Probleme der allgemeinen Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie berührt. Auffassungen auf den beiden letztgenannten Gebieten etwa über den Status von Erkenntnis überhaupt, die Ziele einzelwissenschaftlichen Forschens und grundsätzliche Verfahren der Theorieprufung und -bestätigung haben so Einfluss auf die spezifischen Methoden der Ökonomik gewonnen. Dies ist bereits im Ursprung der modernen Ökonomik im Werk von Adam SMITH zu beobachten. In Abgrenzung von einer spekulativen, normativen Moraltheorie versuchte SMITH unter dem Einfluss seines Freundes David HUME eine Theorie gesellschaftlicher Institutionen auf der Basis elementarer individual- bzw. sozialpsychologischer Annahmen über die Natur des Menschen und darauf beruhender grundlegender Vergesellschaftungsprozesse zu bilden. Dabei mußte sich SMITH bereits grundlegenden Methodenproblemen stellen, die auch weite Teile der späteren Ökonomik beschäftigt haben. Insbes. die Tatsache, dass kontrollierte Experimente mit großen Gesellschaften als ganzen nicht durchzuführen sind, hat entscheidenden Einfluss auf die Forschungsmethoden und -möglichkeiten der Ökonomik. Das gleiche gilt für die Tatsache, dass es äußerst schwierig ist, die Grenze zwischen einem invarianten, natürlichen Verhaltensinventar und kulturell geprägten, durch menschliche Entscheidungen und institutionelle Regelungen beeinfluBbaren Strukturen zu ziehen. Eine Ökonomik, die auf allg. raum- und zeitunabhängige Gesetzmäßigkeiten empirischer Art abzielt, trifft hier auf grundsätzliche Schwierigkeiten. Diese werden noch verstärkt durch die Tatsache, dass der Gegenstandsbereich der Ökonomik von zielgerichtetem, individuell rationalem Anpassungsverhalten gekennzeichnet ist. Aufgrund der Anpassungsfähigkeit der Wirtschaftssubjekte glaubten viele frühere Ökonomen sogar, dass eine auf allg. Gesetzen aufbauende, an Erklärung und Prognose orientierte Ökonomik letztlich nicht möglich oder doch zumindest nicht im Stile einer empirischen Wissenschaft zu betreiben sei. Man könne nicht mehr erreichen, als die Logik wirtschaftlichen Handelns nachzuzeichnen. Dabei sollte es nach Auffassung mancher Theoretiker, wie etwa Ludwig von MISES\' und einiger seiner Schüler, zu Erkenntnissen a priori auf der Grundlage nicht empirischer Methoden kommen, denen zugleich Erklärungskraft zugesprochen wurde. Die Konzeption einer auf Erkenntnisse a priori gegründeten Ökonomik erscheint in unseren empiristisch gesonnenen Zeitläufen zwar als ein wenig extrem. Dennoch darf man nicht verkennen, dass die modernen entscheidungs- und spieltheoretisch fundierten Methoden ebenfalls geringen Wert auf eine empirische Prüfung und Fundierung ihrer Grundlagen legen. Vor allem unter dem Einfluss von Milton FRIEDMAN ist allerdings eine große Zahl heutiger Theoretiker der Auffassung, dass es keine Rolle spielt, wenn etwa die zur Kennzeichnung individuell rationalen Entscheidens zugrunde gelegten Annahmen als Verhaltenshypothesen völlig unrealistisch sind. Die von der Annahme im starken entscheidungslogischen Sinne rationalen Verhaltens ausgehende Theoriebildung sei schon dann eine gerechtfertigte Methode ökonomischen Forschen, wenn sie zu zuverlässigen Prognosen führe. Theorien seien bloße Instrumente der Prognosengewinnung. Es komme nicht darauf an, die Wahrheit der Prognosen ermöglichenden Rationaltheorien zu prüfen, sondern es seien allein die daraus abgeleiteten Prognosen statistisch-empirischen Tests an Datensätzen zu unterwerfen. Solchen instrumentalistischen Auffassungen widersprechen insbes. jene Ökonomen, die sich dem kritischen Rationalismus Karl R. POPPERs verpflichtet fühlen. Aus ihrer Sicht sucht man auch in den Wirtschaftswissenschaften nicht nur nach Instrumenten der Verhaltensprognose, sondern nach wahren Theorien, bei denen auch die zugrundeliegenden Verhaltenshypothesen empirischen Tests zu unterziehen sind. Nach der methodologischen Grundnorm des kritischen Rationalismus muss es in der Ökonomik als empirischer Wissenschaft primär darum gehen, möglichst allgemeine und leicht falsifizierbare Hypothesen zu formulieren, die kritischen Prüfungen in Konkurrenz mit alternativen Hypothesen standhalten können. Dementsprechend verlangt etwa Hans ALBERT als einflußreichster Vertreter des kritischen Rationalismus in der deutschen Sozialtheorie den Übergang von einer entscheidungslogischen zu einer soziologischen Betrachtung des Marktes, die sich letztlich auf empirisch fundierte Verhaltensgesetze stützt. Die überwiegende Zahl deutscher Ökonomen hat sich der Ansicht, dass alle ökonomischen Verhaltensannahmen in Form testbarer Hypothesen zu formulieren und diese möglichst strengen Tests zu unterwerfen sind, zumindest in den offiziellen methodologischen Verlautbarungen angeschlossen. De facto wird jedoch nach wie vor relativ wenig Wert auf die verhaltenswissenschaftliche Fundierung der Ökonomik gelegt. Nicht die Psychologie des tatsächlichen Entscheidungsverhaltens unvollkommen rationaler Individuen steht im Vordergrund, sondern das Bemühen, tatsächlich beobachtete Verhaltensweisen möglichst in Einklang mit den idealisierten Annahmen entscheidungslogischer Modellierungen zu bringen. Die praktizierte im Gegensatz zur offiziellen Methodologie ist wesentlich von einer Modellbildung auf der Grundlage des strikten Rationalwahlansatzes geprägt. Derjenige erweist sich als Meister der Zunft, dem es gelingt, scheinbar nicht rationale Verhaltensweisen auf der Basis unbeschränkt rationalen Individualverhaltens abzuleiten (Paradigma). Diese Art des Vorgehens wurde sogar im Zuge des sog. ökonomischen Imperialismus als Universalmethode auf nahezu alle Bereiche menschlicher Interaktion wie Politik, Bürokratien, Familie, Recht ausgedehnt. Es läßt sich voraussagen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Zugleich werden jenen methodologischen Ansätzen, die die deduktive Modellierung auf der Grundlage strikter Rationalwahlannahmen verlangen, eher experimentell orientierte Methoden zur Seite gestellt. Neben die reine Spieltheorie etwa tritt das Feld der spieltheoretischen Sozialexperimente, neben die Logik der rationalen Individualentscheidung eine psychologische Theorie individuellen Entscheidens etc. Und es bedarf schließlich keiner Prophetie, um vorauszusagen, dass die Rolle von Statistik und Ökonometrie ebenso wie das Problem der Reduktion von Makro-auf Mikrostrukturen im Zentrum vieler weiterer methodologischer Diskussionen und Erwägungen stehen wird. »Die« Methodologie der Ökonomik gibt es nicht und wird es nicht geben, sondern konkurrierende Auffassungen vom angemessenen wirtschaftswissenschaftlichen Vorgehen. Insbes. sollte man beim heutigen Stand der Disziplin allen Alleinvertretungsansprüchen mit jenem Mißtrauen begegnen, das Ökonomen mit gutem Recht von jeher Monopolen entgegenbringen. Auch im Bereich der Methodologie spricht vieles für das Prinzip der kritischen Prüfung; wobei allerdings zu beachten ist, dass kritische Prüfung nicht gleichbedeutend mit empirischen Hypothesentests ist. Literatur: Slang, M. (1992). Brinkmann, G. (1991). Chalmers, A.F. (1989)

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