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Unterentwicklung

Umschreibung der besonders auf wirtschaftlichem Gebiet vorliegenden Rückständigkeit der Entwicklungsländer gegenüber den Industriestaaten. Zur Erklärung der Unterentwicklung werden im Rahmen der Entwicklungstheorie folgende Ansätze diskutiert: (1) Ausstattung mit natürlichen Ressourcen ·    Eine unzureichende Rohstoffausstattung eines Landes erschwert die Errichtung einer auf der Rohstoffgewinnung aufbauenden weiterverarbeitenden Industrie, die für einen weitergehenden Entwicklungsprozess von Bedeutung ist. ·    Eine unzureichende Ausstattung mit fruchtbarem Boden kann eine sinnvolle Landwirtschaftsförderung verhindern. Oft besteht jedoch das eigentliche Problem in der ineffizienten Bewirtschaftung des zur Agrarproduktion geeigneten Bodens, die u. a. in der Nicht-Beachtung ökologischer Zusammenhänge sowie in der oft nicht aufeinander abgestimmten Bepflanzungsfolge, die die notwendige Anreicherung des Bodens mit Nährstoffen verhindert, zum Ausdruck kommt (Problem der Monokultur). ·    Aus der Konzentration der ökonomischen Aktivitäten auf die gemässigten Klimazonen (Industrieländer) sowie auf die klimatisch bevorzugten Regionen der Dritten Welt wird häufig auf die Verantwortlichkeit des, für viele Entwicklungsländer typischen, tropischen (subtropischen) Klimas für die Unterentwicklung einer Volkswirtschaft geschlossen. (2) Alle traditionellen Entwicklungstheorien gehen von der Erkenntnis aus, dass die Kapitalbildung den Motor der wirtschaftlichen Entwicklung darstellt. Unterentwicklung lässt sich dann auf eine unzureichende Kapitalbildung zurückführen. Zu ihrer Erklärung lassen sich folgende Faktoren anführen: ·    unzureichende gesamtwirtschaftliche Sparfähigkeit (das Pro-Kopf-Einkommen liegt unter dem kulturellen Existenzminimum). Dieses Argument wurde zur Theorie der Teufelskreise weiterentwickelt, nach der sich die negativ auf die Spartätigkeit einwirkenden Kräfte gegenseitig derart unterstützen, dass es zu keiner nennenswerten Kapitalbildung kommt; ·    unzureichende Sparbereitschaft; ·    unzureichende Investitionsfähigkeit; ·    unzureichende Investitionsbereitschaft; ·    ungenügende finanzielle Infrastruktur. (3)     Da die Höhe des Pro-Kopf-Einkommens von der Pro-Kopf-Faktorausstattung abhängt, setzen Zunahmen des Pro-Kopf-Einkommens entsprechende Verbesserungen der Pro-KopfFaktorausstattung voraus. In Entwicklungsländern führt jedoch das häufig vorzufindende überschnelle Bevölkerungswachstum dazu, dass die Wachstumsrate der Bevölkerung über der der Produktionsfaktorbestände liegt, so dass es zu einer Reduktion der ProKopf-Ausstattung mit Kapital bzw. natürlichen Ressourcen kommt (Überbevölkerung), (4)     Die Analyse der sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen führt zu einem Erklärungsansatz der Unterentwicklung, der in der unzureichenden Leistungsbereitschaft einer Volkswirtschaft eine wichtige Entwicklungsbarriere sieht. (5)     Der globale Produktionsfaktormangel wird oft noch durch interne Strukturschwächen wie den wirtschaftlichen Dualismus verstärkt. (6)     Schliesslich wird auch — nach verbreiteter Auffassung — in dem bestehenden System der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, in das die Entwicklungsländer eingebettet sind, eine Ursache der Unterentwicklung erblickt. Zur Analyse der Auswirkungen der aussenwirtschaftlichen Verflechtungen wird zwischen Handels- und Kapitalbeziehungen unterschieden: ·    Die These von der Unterentwicklung als Folge von Handelsbeziehungen basiert auf folgenden Argumenten: Eine ungleiche Machtverteilung im Handel. zwischen Industrie- -und Entwicklungsländern, die durch den sog. Vormachteffekt charakterisiert ist; die internationalen Kontereffekte, die zu einer Konzentrierung entwicklungsrelevanter Faktoren in jenen Ländern führen, die bereits einen höheren Entwicklungsstand realisiert haben; die Prebisch-Singer-These, die die säkulare Verschlechterung der terms of trade für die Entwicklungsländer postuliert; die Abhängigkeit ("Dependenz") der Entwicklungsländer von den kapitalistischen Industrieländern; zyklische Exporterlösschwankungen, die u. a. auf die Abhängigkeit der Produktion von natürlichen (klimatischen) Bedingungen sowie auf die starke Verknüpfung mit der konjunkturellen Situation in den Abnehmerländern zurückzuführen sind. ·    Die These von der Unterentwicklung als Folge von Kapitalbeziehungen basiert auf folgenden Argumenten: Das wirtschaftliche Wachstum der Industrieländer führt wegen der dort höheren Kapitalrentabilität zu einem Kapitalabfluss aus den Entwicklungsländern, der andererseits deren Entwicklungspotential reduziert. Eine besondere Form dieser Kapitalabflüsse stellt der brain-drain dar. Ausgebaut wurde die These entwicklungsfeindlicher Wirkungen der internationalen Kapitalbeziehungen von den (neo-) marxistischen Neo-Imperialismus-Theoretikern, die in erster Linie die von den multinationalen Konzernen in den Entwicklungsländern getätigten Auslandsinvestitionen für deren Unterentwicklung verantwortlich machen.       Literatur: Hemmer, H.-R., Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, 2. Aufl., München 1988.

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