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Entwicklungstheorie

Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre, das die Analyse der wirtschaftstheoretischen Grundlagen des Phänomens Entwicklung zum Gegenstand hat. Der Entwicklungstheorie wird die Aufgabe zugeschrieben, jene Faktoren aufzuzeigen, die den tatsächlichen Entwicklungsprozess eines Landes bestimmen. Allerdings können Entwicklungstheorien nicht allgemeingültig formuliert werden. Vielmehr ist die Entwicklung einer Volkswirtschaft nur mit einer länderspezifischen Theorievariante erklärbar. Der rationale Einsatz entwicklungspolitischer Massnahmen setzt zunächst die Kenntnis der wichtigsten Entwicklungsdeterminanten voraus. Weiterhin benötigt man Informationen darüber, wie sich die Determinanten im Entwicklungsprozess verändern, um mögliche Rückkoppelungen erfassen zu können. Man muss ferner wissen, mit Hilfe welcher Massnahmen man diese Determinanten beeinflussen kann. Schliesslich ist es erforderlich, jene Auswirkungen zu kennen, die sich beim Einsatz solcher Massnahmen in bezug auf die entwicklungspolitischen Ziele ergeben. Nur so lassen sich die - in den einzelnen Ländern sowohl quantitativ als auch qualitativ in unterschiedlicher Stärke bestehenden - Ursachen der Unterentwicklung herausfiltern und durch entsprechende Massnahmen beseitigen.                               Literatur: Hemmer, H.-R., Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, 2. Aufl., München 1988. Hesse, HJSauter, H., Entwicklungstheorie und -politik, Bd. I: Entwicklungstheorie, Tübingen, Düsseldorf 1977.

Erklärung der dynamischen Entwicklung des Wohlfahrtsniveaus in Entwicklungsländern, mangels besserer Alternativen gemessen am Pro-Kopf-Einkommen oder am Reallohn. Davon zu unterscheiden sind (z.T. statische) Theorien zum Teufelskreis der Unterentwicklung und mikroökonomische Theorien über Ineffizienz verschiedener ökonomischer Bereiche der Entwicklungsländer. Die Theorien dienen als Grundlage der Entwicklungspolitik. a) Nach der neoklassischen Wachstumstheorie sind die Unterschiede in den Wachstumsraten der Länder auf unterschiedliche Raten des technischen Fortschritts zurückzuführen (technological backwardness bei Alexander GERSCHENKRON). Wenn diese und die Modellparameter für alle Länder gleich sind, können unterschiedliche Wachstumsniveaus nur durch unterschiedliche Kapitalausstattungen pro Kopf erklärt werden, die im Laufe des Wachstumsprozesses verschwinden (bedingte Konvergenz). b) Anhänger der Klassischen Theorie gehen davon aus, dass aufgrund des Bestehens von traditionellen Sektoren neben einem Industriesektor (Dualismus) ein unbeschränktes Arbeitsangebot (William Arthur LEWIS) für die Industrie zur Verfügung steht, aufgrund dessen ein fixer Reallohn zustande kommt. Technischer Fortschritt führt dann zu einer Erhöhung der Profitrate, der Ersparnisse und der Investitionen. Die dadurch steigende Nachfrage nach Arbeit ist so stark, dan langfristig das Arbeitsangebot absorbiert wird, Arbeit knapp wird und die Reallöhne steigen. Dadurch geht die Ökonomie in diejenige des neoklassischen Wachstumsmodells über. In beiden Modellen gibt es also langfristig keine stagnierenden Einkommen. c) In weniger optimistischen Prognosen über die Entwicklung kommt man auf der Basis der Annahme eines unvermehrbaren Faktors Boden im landwirtschaftlichen Sektor. Wenn der technische Fortschritt nicht ausreichend stark ist, um die bei wachsender Bevölkerung relevanten abnehmenden Skalenerträge zu kompensieren, dann führen diese langfristig zu steigenden Lebensmittelpreisen und sinkenden Reallöhnen, wie in der Wachstumstheorie von David RICARDO und Thomas Robert MALTHUS (Bevölkerungsfalle), Harvey LEIBENSTEIN, Richard R. NELSON und Dale W. JORGENSON. Das gleiche Problem ergibt sich bei Knappheit von lebensnotwendigen Umweltressourcen. d) Im Rahmen des HARROD-DOMAR-Modells führen unterschiedliche Sparquoten zu unterschiedlichen Wachstumsraten der Beschäftigung (bei technologischer Arbeitslosigkeit) und der Pro-Kopf-Einkommen, die auch negativ sein können. Unterschiedliche Sparquoten werden hier v.a. (durch Ragnar NURKSE) auf Demonstrationseffekte zurückgeführt. Wenn Entwicklungshilfe ins HARROD-DOMAR-Modell eingeführt wird (two-gap theory), kann das Wachstum beschleunigt werden, wenn diese hinreichend schnell wächst. e) In der Theorie von Ratil PREBISCH (PREBISCH-These) ist die Annahme zentral, dass Entwicklungsländer Importeure von Kapitalgütern sind, die langfristig mit Exporten bezahlt werden müssen. Wenn die Exportnachfragefunktion geringe Einkommenselastizitäten der Nachfrage aufweist, kann das Wachstum der Pro-Kopf-Einkommen gering und selbst negativ werden. Die Theorie von PREBISCH wird auch als Variante der Abhängigkeitstheorie interpretiert. f) In der Theorie von Theodore W. SCHULTZ wird im politischen Prozess die Bereitstellung öffentlicher Güter wie elementare Schulausbildung und Grundlagenforschung verhindert, die notwendig wären, um das für den technischen Fortschritt erforderliche Humankapital zu produzieren. Francois PERROUX und Gunnar MYRDAL betonen (über Forschung und Bildung hinausgehend) Infrastruktur im weitesten Sinne des Wortes als eine Determinante regionaler Attraktivität in der Standortwahl von Firmen. Paul A. BARAN sieht im Steuerwiderstand der reichen Bürger die Ursache für die mangelnde Bereitstellung von Infrastruktur und damit von Unterentwicklung. g) Gemäss der Abhängigkeitstheorie hat die Kolonialgeschichte zu politischen und ökonomischen Abhängigkeiten geführt, die den Entwicklungsländern geringe oder negative Handelsgewinne erbringen und sichern, so dass sie keine Konkurrenten auf dem Weltmarkt werden, sondern rückständige Regionen bleiben. h) In einigen Beiträgen zur neuen - Wachstumstheorie wird Unterentwicklung auf unterschiedliche (Anfangs-)Bestände an Human- und Sachkapital und unterschiedliche Fähigkeiten der Politik, den besten Wachstumspfad zu erreichen, zurückgeführt. Literatur: Hunt, D. (1989). Ziesemer, T. (1987). Basu, K. (1984)

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