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Zinsstruktur

beschreibt das Verhältnis der verschiedenen Zinssätze innerhalb einer Volkswirtschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt. Von einer »normalen« Zinsstruktur spricht man dann, wenn der Marktzins für langfristige festverzinsliche Wertpapiere über dem für kurzfristige liegt. Eine »inverse« Zinsstruktur liegt dann vor, wenn die Rendite kurzfristiger Papiere Tiber der von langfristigen liegt. Eine »flache« ist dann gegeben, wenn keine oder nur geringe Unterschiede zwischen festverzinslichen Wertpapieren mit unterschiedlichen Restlaufzeiten vorliegen.

Die effektiven Zinssätze zu einem bestimmten Zeitpunkt auf den verschiedenen Märkten (Geld-, Kredit- und Kapitalmärkte) unterscheiden sich voneinander u. U. erheblich. Die Ursache für unterschiedliche Zinssätze liegt in der Differenzierung der Bonität, Fristigkeit und Denomination der Kapitalanlagen durch die Investoren.
Die Zinsstruktur spiegelt das Verhältnis dieser Zinssätze zu einem bestimmten Zeitpunkt zueinander wider. Bei der Fülle unterschiedlicher Kapitalanlagen und damit einer entsprechenden Anzahl von Zinsstrukturen, ist eine Konzentration auf Zinsstrukturen bestimmter Kapitalanlagen notwendig. Im Regelfall werden die Zinsstrukturen festverzinslicher Wertpapiere (Rentenwerte) gleicher Bonität, Restlaufdauer und Denomination dargestellt. Im Regelfall dürften die langfristigen Zinssätze über den kurzfristigen Zinssätzen liegen. Im umgekehrten Fall, der durchaus realistisch -wenn auch seltenerist, spricht man vom Vorliegen einer inversen Zinsstruktur.
Erklärungsansätze für die Entwicklung der liefern unterschiedliche Theorien:
(1) Die Erwartungstheorie (J. Fischer, J. R. Hicks, F. A. Lutz) behauptet, daß der langfristige Zins dem Durchschnitt der erwarteten kurzfristigen Zinssätze entspricht. Begründung: Jede Kapitalanlage muß, gleichgültig ob einmalig langfristiger Art oder in Form von nacheinander geschalteten kurzfristigen Anlagen mit gleicher Gesamtfristigkeit, den gleichen Ertrag erwirtschaften. Vor diesem Hintergrund ist dem einzelnen Investor die Fristigkeit der Anlage gleichgültig. Erwartete Zinsänderungen lösen damit sofort auf der Angebots- und Nachfrageseite Arbitragebewegungen aus.
(2) Die Liquiditätsprämientheorie (J. R. Hicks) basiert auf Keynesschen Überlegungen über die Liquiditätspräferenz. Danach werden Wirtschaftssubjekte nur dann bereit sein, Kapital zu binden (Liquidität aufzugeben), wenn sie hierfür eine Prämie erhalten, die über den (höheren) Zins geleistet wird. Da im Regelfall mit steigender Kapitalbindungsdauer der Liquiditätsgrad ( Liquidität) einer Kapitalanlage fällt, wird in gleichgerichteter Wechselbeziehung eine entsprechende Prämie (Zinsaufschlag) verlangt. Die Länge der Kapitalbindungsdauer und Höhe der Prämie stehen somit zueinander in positiver Korrelation. Demnach dürfte im Normalfall eine steigende Zinskurve vorliegen. Bei einer erwarteten fundamentalen Zinsänderung kann damit die Änderung der Zinsstrukturkurve über einen flachen Verlauf bis hin zur inversen Zinsstruktur erklärt werden.
(3) Die Marktsegmentationstheorie (J. M. Culbertson) geht von der Überlegung aus, daß die einzelnen Investoren unterschiedliche Laufzeiten bevorzugen. Demnach ist auch die Annahme, nach der Investoren auf einem einheitlichen Kapitalmarkt handeln, hypothetischer Natur. Die Fristigkeitspräferenz (bedingt durch gesetzliche Vorschriften für einzelne institutionelle Anleger; hohe Informationskosten, die eine Konzentration auf bestimmte Laufzeitenbereiche induzieren; unterschiedliche Anlageziele) bewirkt eine Konzentration auf Teilmärkte. Unterschiedliche Zinshöhen in den verschiedenen Laufzeitbereichen resultieren daher hauptsächlich aus den aktuellen Knappheitsgraden.

Weitere Erklärungsversuche liefern die Cox-Ingersoll-Ross-Theorie sowie die Preferred habitat-Theorie von Franco Modigliani und Richard Sutch.

Üblicherweise versteht man unter der Zinsstruktur die Fristigkeitsstruktur („term structure“) der (nominalen) Zinssätze. Das heißt, es geht um Zinssätze oder Renditen von (vergleichbaren) Wertpapieren, die sich nur in der Restlaufzeit unterscheiden. Aus Vereinfachungsgründen beschränkt man sich häufig nur auf die Differenz zwischen einem langfristigen (z.B. dem Zins 10-jähriger Bundesanleihen) und einem kurzfristigen Zins (z.B. dem 3-Monatszins), der sogenannten Zinsdifferenz oder dem Zinsspread. Man spricht von einer normalen Zinsstruktur, wenn die langfristigen Zinsen über den kurzfristigen liegen. Im umgekehrten Fall liegt eine inverse Zinsstruktur vor. Die Zinsstruktur kann als Konjunktur-, Inflations- und Glaubwürdigkeitsindikator für die Geldpolitik nützliche Informationen liefern. Sie wird auch vom Eurosystem im Rahmen der zweiten Säule der geldpolitischen Strategie aufmerksam verfolgt.

Verhältnis der Marktzinssätze bzw. der Zinsniveaus untereinander, spez. das zwischen Zinssätzen für kurz- und langfristige Laufzeiten bzw. am Geldmarkt und am Kapitalmarkt. Unterschieden werden normale und inverse Zinsstruktur und -kurven.

Zins

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