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Neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft

(NOS, bis Ende 1965 auch NÖSPL) wirtschaftspolitische Reformkonzeption der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in den Jahren 1963-1967 zur Modernisierung und Rationalisierung des Wirtschaftssystems, die in wichtigen Teilaspekten auch im nachfolgenden Ökonomischen System des Sozialismus (OSS, 1967-1970) Gültigkeit behielt. Das NOS war der wirtschaftspolitische Lösungsversuch, die in den Jahren 1960-1962 sich zuspitzende Wirtschaftskrise zu beheben. Auf dem VI. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Januar 1963 beschlossen, wurden die Richtlinien für das NOSPL am 11.7.1963 verbindliches Modemisierungs- und Rationalisierungsprogramm des DDR-Wirtschaftssystems. Durch das NOS sollten offensichtliche Mängel (unrealistische Planansätze, Tonnenideologie, weiche Planung) beseitigt und ein dem entwickelten industriellen Niveau angepaßtes, stärker wissenschaftlich begründetes Planungs- und Leitungssystem aufgebaut werden, das die zentralen Planvorgaben durch indirekte Steuerungsmechanismen ergänzt. Es forderte die Anwendung der sog. materiellen Interessiertheit in Gestalt eines in sich geschlossenen Systems »ökonomischer Hebel« anstelle administrativer Einzelanweisungen. Damit sollte eine gewisse Selbstregulierung der Tätigkeit der Produktionsunternehmen auf der Grundlage des Plans erreicht werden. Die ökonomischen Hebel wurden als Bindeglieder und Beziehungsfunktionen zwischen den objektiven Erfordernissen der sozialistischen Gesellschaft und den materiellen Interessen der Individuen verstanden. Für den Betrieb wurden wichtige Größen wie Gewinn, Kosten, Preise, Umsatz und Rentabilität zu Kriterien der Beurteilung ihrer Leistung, Leistungsanforderungen der Staatspläne wurden zunehmend in Finanzkennziffern und nicht mehr in Mengenangaben ausgedrückt. Begleitend wurde zum 1.2.1964 eine Industriepreisreform (Umbewertung des industriellen Anlagekapitals, Korrektur der Abschreibungssätze) durchgeführt. Für die Arbeitnehmer wurden leistungsabhängige Lohnformen, Prämien, zusätzliche Urlaubstage u.ä.m. zur Stimulierung eingeführt. Kernstück der Reform war die Umbildung der Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB), die bisher lediglich administrative Mittlerorgane des Volkswirtschaftsrates und der Ministerien waren, zu finanziell relativ selbständigen sozialistischen Konzernen mit voller Verantwortung für die technische und kaufmännische Entwicklung der ihnen unterstellten Volkseigenen Betriebe (VEB). Auch letztere erhielten im Vollzug der Reform zusätzliche Kompetenzen, z.B. beim Abschluss von Wirtschaftsverträgen. Rahmenelemente des indirekten Steuerungssystems wurden das Vertragssystem (zwischen den einzelnen Betrieben), das Prinzip der Eigenerwirtschaftung der Mittel (anstelle der bisherigen Direktzuweisung von oben) und eine besser ausgearbeitete betriebliche Kostenrechnung. Im Dezember 1965 wurde eine zweite Etappe des NÖS eingeleitet. An die Stelle verschiedener, im Laufe des Jahres gezahlter Prämien trat die Jahresendprämie, in einigen VVB wurde 1966 die Produktionsfondsabgabe (Verzinsung des eingesetzten Kapitals) eingeführt, der Volkswirtschaftsrat wurde aufgelöst und durch acht Industrieministerien ersetzt. Die Wirtschaftsentwicklung in der DDR konnte in den NOS-Jahren eine gewisse Stabilisierung und sogar eine relative Aufwärtsentwicklung verzeichnen. Ungelöst blieb jedoch das Problem, die unterschiedlichen ökonomischen Hebel und Steuerungsgrößen mit den zentralen Planungsvorstellungen so zu kombinieren, dass eine Interessenübereinstimmung zwischen Zentrale, Betrieb und Individuum zustande kam. Die Partei befürchtete den zunehmenden Kompetenzverlust in der Wirtschaftspolitik bei fortschreitender Dezentralisierung von Entscheidungen und beschloss daher auf dem VII. Parteitag der SED im April 1967 eine konzeptionelle Wende zum Ökonomischen System des Sozialismus (ÖSS) mit der stärkeren Betonung einer langfristigen staatlichen Strukturpolitik, nachdem auch das NOS nicht bewirkt hatte, dass sich die DDR-Volkswirtschaft schneller an internationale Technologie- und Produktionsentwicklungen anpaßte und immer noch ein zu breites Erzeugnissortiment sowie zu hoher Materialaufwand die Produktion kennzeichneten. Grundsätzlich unberührt von dem wirtschaftspolitischen Kurswechsel 1967 blieben aber doch die wesentlichen indirekten Steuerungselemente des NOS. Erst 1971 erfolgte eine durchgreifendere Rückkehr zur zentralen administrativen Wirtschaftslenkung. Literatur: Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen (1985)

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