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ungleiche Entwicklung

sich gravierend weitende Kluft zwischen den reichen, industrialisierten Ländern des Nordens, auch Zentrum oder Metropole genannt, und den armen, vorwiegend Primärprodukte erzeugenden Ländern des Südens, auch Peripherie genannt. Gemäss der Neoklassischen Theorie des Außenhandels in der Tradition von Eli F. HECKSCHER (1879-1952), Bertil G. OHLIN (1899-1979) und Paul A. SAMUELSON (geb. 1915) ist das Freihandelsprinzip für alle beteiligten Länder von Vorteil und führt überdies der Tendenz nach zur Angleichung des Lebensstandards in den verschiedenen Ländern (Faktorpreisausgleichstheorem). Diese optimistische Sicht der Dinge wird von der Erfahrung nicht allgemein bestätigt. Das Interesse an der empirischen und theoretischen Untersuchung des Phänomens ungleicher Entwicklung hat seit den 50er Jahren spürbar zugenommen; auslösend hierfür waren insbes. die Arbeiten von Paul PREBISCH (1901-1985), Hans W. SINGER (geb. 1910), Gunnar MYRDAL (1898-1987) und Paul A. BARAN (1910-1964). Gemeinsam ist den verschiedenen Ansätzen, dass für die ungleiche Aufteilung der Außenhandelsgewinne bzw. das Auftreten von Handelsverlusten strukturelle Asymmetrien zwischen reichen und armen Ländern verantwortlich gemacht werden. Ein Entwicklungsland, das in freiem Wettbewerb mit Industrieländern tritt, läuft Gefahr, von der übermächtigen Konkurrenz erdrückt zu werden. Internationale Kapitalbewegungen können dieser Sicht zufolge in einem Prozess kumulativer Verursachung zu sich vergrößernden Ungleichheiten führen. Diese Begründung wurde von der Abhängigkeitstheorie radikalisiert. Marxistische Autoren wie Arghiri EM-MANUEL führen die ungleiche Entwicklung auf die Ausbeutung des Südens durch den Norden durch ungleichen Tausch zurück. Gemeint ist die Aussage, dass in den von den Entwicklungsländern exportierten Produkten direkt und indirekt mehr Arbeit steckt als in den dafür erlösten Importen. In jüngerer Zeit ist das Problem ungleicher Entwicklung von Vertretern verschiedener theoretischer Schulen und Richtungen der Nationalökonomie aufgegriffen worden. Ronald FINDLAY entwickelte ein Modell im Geist der Neoklassischen Theorie. Die Metropole wird durch ein SOLOW-Modell bei unterstellter Vollbeschäftigung der Arbeit beschrieben, die Peripherie durch ein an Arthur LEWIS (1915-1991) angelehntes Modell mit überschüssiger Arbeit. Ein Fall einseitiger Abhängigkeit ergibt sich dann, wenn die Peripherie zwar auf die Produktion der Metropole, diese jedoch nicht auf die Produktion der Peripherie angewiesen ist. Die Metropole ist der Wachstumsmotor, die Rolle der Peripherie ist im wesentlichen eine passive. Der u.a. von Lance TAYLOR (geb. 1940) vertretene strukturalistische Ansatz modelliert die Verhältnisse in der Metropole unter Rückgriff auf Arbeiten von Michal KALECKI (1899-1970) und Josef STEINDL (geb. 1912). Ausgangspunkt ist die oligopolistische Struktur der Märkte. Die Preise der Manufakturwaren ergeben sich durch - mark-up pricing bezüglich der durchschnittlichen variablen Kosten; der mark-up ist um so größer, je größer der Monopolgrad ist. Die zunehmende Vermachtung der Märkte führt, für sich genommen, zu einer Verschlechterung der terms of trade für die Rohstofflieferanten. Die Rate der Kapitalakkumulation in der Metropole hängt positiv von der Profitrate und positiv vom Grad der Kapazitätsauslastung ab; sie bestimmt letztlich auch die Wachstumsdynamik der Peripherie. Die Bedeutung firmenextern steigender Skalenerträge steht im Zentrum von Nicholas KALDORs (1908-1986) keynesianisch inspirierter Erklärung regional ungleicher Entwicklung. KALDOR nimmt Bezug auf Adam SMITHs (17231790) Analyse der Arbeitsteilung und Allyn Abbott YOUNGS (1876-1929) Untersuchung von increasing feturns to scale. Einmal bestehende Kostenunterschiede zwischen verschiedenen Standorten haben die Tendenz, sich zu verstärken, und führen in letzter Konsequenz zur wirtschaftlichen Verödung von Landstrichen. Auf die Nord-Süd-Problematik angewandt bedeutet dies, dass wegen des Vorliegens von economies of scale im Manufaktursektor Entwicklungsländer unter den Bedingungen freien Handels kaum eine Chance besitzen, sich eine industrielle Basis aufzubauen. Die Rolle steigender Skalenerträge wird zunehmend auch in neueren Beiträgen zur Außenwirtschaftstheorie thematisiert; Erwähnung verdienen die Arbeiten von Paul R. KRUGMAN (geb.1953). Sie bestätigen der Tendenz nach die eher pessimistische Sicht der Dinge, wie sie in den anderen Beiträgen zum Ausdruck kommt, und revidieren die Ergebnisse der traditionellen neoklassischen Außenwirtschaftstheorie. Literatur: Mainwaring, L. (1991). Dutt, A.K. (1990). Hemmer, H.-R. (1988)

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